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in den Mittelpunkt stellte) gestaltet. Die Re-
formschrift hierzu ist 1892 erSchienen: Psycho-
log. Grundlagen des erziehenden Unterrichts
u. ihre Anwendung auf die Umgestaltung des
Unterrichts in der Naturgeschichte (*1924). --
1896 waren die Untersuchungen zum Recht-
Schreiben abgeschlossen. Es erschien : Führer
durch denRechtschreibunterricht (1898,%192 2).
2 Jahre Später Schloß Sich an: Der Rechen-
unterricht auf experimentell-päd. Grundlage,
1. TL (81914). Nach diesen Spezialarbeiten folgte
1903 die «Experimentelle Didaktik» (* 1920),
in der er erfolgreich die method. Arbeit von
5 auf 3 Stufen, ähnlich wie Willmann, zurück-
führt: Eindruck, Verarbeitung, Ausdruck.
Schon in der ersten Arbeit über die Naturkunde
Sind Ansätze Seiner Forderung der Tatschule
zu beobachten. 1894 entwickelte er in der
der Tatschule. 1911 widmete er ihr eine eigene
Schrift: Die Tatschule, eine natur- u. kultur-
gemäße Schulreform (?1921). Mit dieser Schrift
hat er in die Bewegung für die Arbeitsschule
(s. d.) eingegriffen, ebenso mit dem mit XJ. Ez-
derlin zusammen hrsg. «Führer durch das
1. Schuljahr» (1911, *?1926). Ein «Lehrbuch der
Pädagogik» in 2 Teilen erschien 1913 1. 1914.
Seine letzte Arbeit war: Volkserziehung (1921).
In diesen Sämtt. Schriften ist L. für eine pSy-
chologisch begründete Reform der Methode
eingetreten. Er gehört zu denjenigen, die die
Arbeitsschulbewegung vor der Einengung auf
Handarbeit bewahrten.
Seit den Rechtschreibuntersuchungen hat er
die experimentelle päd. Forschung wesentlich
gefördert. Mit der genannten Begründung der
experimentellen Didaktik in dem Werk: «Ex-
perimentelle Didaktik, ihre Grundlegung mit
besonderer Rücksicht auf Muskelsinn, Wille u.
Tat» hat er 1903 an der Univ. Halle a. S.
promoviert; 1904 lenkte er auf dem 1. internat.
Kongreß fürSchulhygienein Nürnberg in einem
vielbeachteten Vortrag die Aufmerksamkeit auf
die Errichtung päd. Lehrstühle u. päd. Labo-
ratorlen an den Univerzitäten. 1905 gründete
er mit EZ. Meumann «Die experimentelle Päda-
gogik» als Organ der von ihm begründeten
Arbeitsgemeinschaft für experimentelle Päda-
gogik, die weit über Deutschland hinaus Sich
ausdehnte. Seine kurze Darstellung: Experimen-
telle Pädagogik (1908, 31918) wurde ins Rus-
SiSche, Tschechische 1. Japanische übersetzt.
Gegenüber Meumann kommt Seiner Arbeit | (
die Lebensnähe zugute. L. hat aber wohl die
Bedeutung des Experiments überschätzt, was
bes. der Einleitung zu Seiner Experimentellen
Didaktik u. dem Geleitwort zur Zeitschrift zu
entnehmen ist. Anzuerkennen ist, daß er das
Studium der Pphilosoph. u. religiögen Wertwis-
Senschaften nicht vernachlässigt wissen will.
Abzulehnen ist Seine Vertretung der Simultan-
Lebensgemeinschaitsschule.

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Schule, eines deutschen Glaubens, einer deut-
Schen Sittlichkeit u. einer überkonfessionellen
deutschen Frömmigkeit.
Schrifttum: Die Pädagogik der Gegenwart
in Selbstdarstellungen, hrsg. von E. Hahn I1 (1927);
G. Grunwald, Die Pädagogik des 20. Jahrh.s, S. 81
bis 93 (1927); E. Burger, Experimentelle Pädagogik
in ihrer Entwicklung zur neudeutschen Pädagogik
(1918); W.A.L.T, Die Lebensgemeinschaftsschule.
Mit einer Darstellung von L.s Leben u. Werk von
M. Enderlin (1927). EF. X. Weigl.
Lebensgemeinschaitsschule.
1. Wesen: L.n Sind Formen der weltl. Schulen
mit revolutionärem Versuchscharakter. Die Bewe-
gung der L. ist geistig unterbaut von päd. Ideen,
die klar ausgesprochen oder als Ahnung u. Schau,
als Theorie oder als keimhafte Versuche Sich auf-
decken lassen bei Pädagogen u. Dichtern, die ihrer
Zeit voraus waren: bei Rowusseau u. Pestalogst, Fear
Pazwutl'u. Fröbel, aber auch bei Fzckte u. Goetze, deren
Wunschbilderder Zukunftsschule in den «Reden an
die deutsche Nation» u. in der «Pädagogischen Pro-
vinz» die Schulreformer zu verwirklichen Suchen.
Auch MNzetzsche, Tolstoy; u. Ellen Key, nicht zuletzt
F.Langbekhn(s.d.) mit Seinem Rembrandtbuche Sind
in ihrer Wertung des Lebens, des Menschen u. der
Bildung als dynamischer Erscheinungen in einzel-
nen Versuchen wiederzuerkennen. Aus dem gegen-
wärtigen Zeitgeschehen Sind Bewegungen wie So-
zaalismus, Frauenbewegung, Jugendbewegung, die
Geistesrichtung des ExpressionisSsmus Sowie die
Katastrophe des Weltkrieges zum Verständnis des
revolutionären Gepräges der L. heranzuziehen.
Die Wesensdeutung der L. verlangt eine
Abgrenzung von Landerziehungsheimen (Ss. d.),
von Typen mit besonderer Zielsetzung wie die
versuchen mit mehr oder weniger geformter
Weltanschauung als Grundlage oder als Ziel wie
die Waldorfschule in Stuttgart, wie die Schule
von M. Bondy in Gandersheim, die Maria-
Laacher Heimschule u. a. Aber auch die weltl.
Schulen(s.d.) u. erst rechtdie «Sammelschulen»
Sind nicht ohne weiteres L.n, wenn Sie Sich auch
Ihrer Struktur meist anzupassen Suchen. Die
engere Bezeichnung «L.>» (vgl. Die L., Mittei-
lungsblatt) trifft die wesentl. Idee einer w/al-
organ. Schulgemeinschaft auf dem Wurzgelboden
der Großstadt.
IT. Entwicklung: Hamburg ist die Geburts-
Stätte der ersten L.n, weil hier die geistige
Atmosphäre gegeben war, die Sich der verinner-
lichten Bildungsidee des Rembrandtdeutschen
s. Art. Langbehn) u. des ihm geistverwandten
A. Lichtwark (5. d.) erschlossen hatte, denen die
Pädagogen der Kunsterziehung FZ. Wo/gast, O.
Götze, H. Scharrelmann, F. Gansberg mit ihrem
Prinzip: «Vom Kinde aus» gefolgt waren.
Unterstützt wurde die Bewegung von der geistig
bewegl. Elternschaft Hamburgs. Die Schulrevo-
Iution begann Ostern 1919 mitder Umgestaltung
der IVendeschrle durch Vertreter der Jugendbe-

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