Hnumanismus u. Reformation
Humboldt, W. v.

u. a.): Erziehung zu „neuem Men-
Schentum“ unter Berückgichti-
gung der gegenwärtigen, durch
Technik, Vermassung, Zivilisa-
tion gegebenen Bedingungen ohne
Spezifische Betonung klassischer
Bildungsgüter; 4. "Bezogenheit
aller Kultur und damit aller Er-
ziehung (8. d.) und Bildung (s. d.)
auf Mensch und DiesSeits; 5. im
englisch-amertkanisehen Schrift-
tum (FP. C. 8. Schiller) Soviel wie
Pragmatismus. -- L.: E. Spranger,
H. u. Jugendpsychologie, 22;
Humboldt s. Spranger; G. Bäu-
mer, Neuer I1., 30.
Humanismus und Reformation,
Der im späten Mittelalter (s, d.)
beginnende LoslöSungsprozeß des
Bildungswesens von Kirche und
Klerus findet reiche Nahrung
durch die zunächst in Italien ein-
Setzende umantstische Bewegung
(Petrarca, Platonische Akademie
in Florenz, V. da Feltre in Man-
tua), die Seit dem 15. Jh. auch in
Deutschland Fuß faßt. Agricola,
Wimpheling, Reuchlin und Eras-
mus(8.3JeWw.d. ) bekämpfen denstar-
ren, doktrimären Seholastizismus
der Universitäten und guchen
durch Pflege und Veredlung des
altsprachlichen Unterrichts das
ursprüngliche Kulturgut der klas-
gigchen Welt wieder fruchtbar zu
machen. Die Lateinsehulen kehren
zum eiceronwnischen Latein zu-
rück, das Sie durch umfangreiches
Auswendiglernen, durch Nach-
ahmung (imitatio) und freie lat.
Rede dem Zögling zur zweiten
Muttersprache machen wollen
(Praterherrenschulen, "Trotzen-
dorf, Neander, Sturm, s. jew. d.),
Die Unzwerzitäten errichten Lehr-
Stühle für Beredsamkeit und
Dichtkunst. Man vergucht die
Gründung von Poetenschulen.
Obwohl die Reformation (1517)

zeitlich wie Sachlich gewisse Be-
rührungspunkte mit dem H. be-
Saß, Jagen doch ihre schulischen
Auswirkungen i in der Hauptgache
auf anderem Gebiete. Luther (8.
d.) wie Seinen Mitarbeitern kam
es zuerst auf die Hebung der
Volks-, nicht der Gelehrtenbil-
dung an. Von dieser Absicht Sind
Luthers Veröffentlichungen ge-
tragen, unter diegem Gesgichts-
punkte entstehen Bugenhagens
(3. d.) Schulordnungen. Einzig
Melanchthon (8. d.) wendet Sich
mehr der Reform des gelehrten
Schulwegens zu; auch die neue
protestantische Univergität hat
durch ihn ihre Prägung erhalten.
Die Sehulordnungen (8. d.) des 16.
Jhs. Sind das Ergebnis der ver-
einten weltlich-hnmanistischen
und protestantischen Tendenzen.
vie enthalten z. TV. ausgedehnte
Anweisungen über die gegamte
Schulorganisation einzelner Län-
der, über die Neugründungen von
deutschen und niederen Latein-
Schulen, über die Aufgaben des
Lateinunterrichts usw. Auf ka-
tholischer Seite werden die huma-
nistischen Gedanken zuerst inden
Ordensschulen, bes. in denen des
1540 gegründeten Jesutitenordens
iruchtbar gemacht, die durch ihre
große Zahl Sowie durch ihre päd.
Haltung weiten Einfluß auf das
gesamte Katholische Bildungs-
wesen err