Herder
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manität“ und glaubte mit die-
gem Beopriff alles dasjenige zu-
gammenzufasggen, was „über des
Menschen edle Bildung zur Ver-
nunft und Preiheit, zu feineren
Sinnen und Trieben, zur zarte-
Sten und stärksten Gegundhieit,
zur Erfüllung und Beherrschung
der Frde“ zu gagen gel,
Als der eigentliche Sinn der
Welt erschien ihm der Mengch.
Aber dieser war ihm nicht zu-
erst ein Versftandeswesen, 80n-
dern eine erlebte und totale Kin-
heit von Denken, Fühlen und
Handeln, die stets in volkhaſter,
geschichtlicher und individucl-
Jer Begonderung auftrete. Bil-
dung sei die vollendete Prägung
dieses Menschen durch äußere
und innere Kräfte, die Steige-
rung aller geiner Kräfte zu
einer harmonisch gestalteten
Persönlichkeit. Im Volkstum
erblickte IH, die Bedingungen
der Kultur, verstand dieses je-
doch nicht als eino biologische,
gondern als eine geistige HLin-
heit. Bildung vollziche gich in
der Begegnung mit denjenigen
Inhalten, die (wie die Sprache,
die Dichtung, die Philosophio
und die IKunst) auf dem
Grunde volkhaften Seins enb-
gtehen; der menschliche Wachs-
tumsprozeß svi daher wesent-
Jich an Geschichte, Sprache,
Dichtung und Religion des
eigenen Volkes geknüpft. Scino
höchste Vollendung erreiche der
Mensch indessen auf dem Wege
über das Studium des Griechen-
tums. Dieses dürſe nicht über-
nommen und angeeignet wer-
den, gsondern an den im Grie-
ehentum schlummernden Fner-
gien gollen die eigenen Kräfte
zur höchsten Pähigkeit entzün-
det werden, An der griechischen
Heusginger
Kultur entwickele zich das
deutsche Volk zu eigenem
Schöpfertum, weil diese seciner
eigenen Art zutiefst verwandt
SCH,
Auf die Gestaltung des prak-
tischen DFrzichungsgeschehens
bat H. nur mittelbar eingewirkt:
als Kphorus der Weimarischen
Schulen, durch zahlreiche Re-
den und Schriften über Sprache,
Kultur und Erziehung und als
Bildungs- und Geschichtsphilo-«
goph, der die Geschichte als
„eine durch Jahrhunderte fort-
gesetzte Schule“ zeichnet. An
der Bildung des Volksbewußt-
Scins hat er jedoch entscheiden-
den Anteil gehabt und nicht nur
den deutschen Nationalsinn ge-
fördert, Sondern zugleich vielen
kleineren europäischen Völkern,
insonderheit den Slawen, die
geistigen Hilfsmittel zu ihrer
völkischen Yrstarkung geliefert.
Schr.: Journal meiner Reise,
1769; Auch eine Philosophie der
Geschichte zur Bildung der
Menschheit, 1774; Ideen zur
Philosophie der Geschichte der
Menschheit, 1784---91; Briefe
zur Beförderung der Humani-
tät, 1793; Werke, hg. von Su-
phan, 1877-1913; Mensch und
Geschichte, gein Werk im
Grundriß, hg. von W. Koch
(KPVA., Bd. 136), 1935. -- 1:
PV. Berger, Menschenbild und
Menschenbildung, 1933; W,
Rasch, H., 1938; B. v. Wiese,
H1., Grundzüge Scines Welt-
bildos, 1939,
Weredität (lat. Frblichkeit) ->
Vererbung,
Heusinger, Johann IJeinrich
(iottlicb, * 1. 8. 1766 Römhild,
13. 4. 1837 Drosden, war
Privatdozent in Jena, Lehrer
und Nitarbeiter Salzmanns in

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