Hunmanismus
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Humanität

Die Universitäten errichteten
Lehrstühle für Beredsamkeit u.
Dichtkunst. Man verguchte die
Gründung von Poctenschulen.
In der weiteren Entwicklung
verbündete sich der H, indessen
wieder mit der bekämpften
geholastischen Tradition (z. B.
in den Jeguiteonschulen, aber
gelbst im Protestantismugs). In
Deutschland führte er teilweise
zu einer nationalen Besinnung
(Celtis, Hutten), im ganzen ge-
nommen aber vertiefte er den
Gegengatz zwischen dem latei-
nischsprechenden und dem bo-
denständigen, die Mutterspra-
che gebrauchenden Volksteil,
gchuf cine cxklugive Bildungs-
aristokratie und begünstigte da-
mit die Zerrissenheit des deut-
gchen Volkes immer mehr. Der
beispiclloss Verfall der deut-
gchen Sprache in den Jahrhun-
derten nach der Reformation
und die Verächtlichmachung
alles Bodenständigen u.Deutsch-
8prachigen bis in die neuesto
Zeit hinein war mit eine Volge
des H.
Der wicdererwachende H. in
der Mitte des 18. Jhs. (+ Neu-
hnumanismug) erstrebte eine Ver-
lebendigung des gesamten klag-
gischen ICulturbesitzes, betonte
das Griechentum stärker und
wollte unter Beziehung auf die
antiken Bildungsideale (Paideia,
Kalokagathia, Humanität), zu
einer univergalen, totalen und
individuellen Pergönlichkeits-
bildung ſühren. Kine Vortfüh-
rung erlebte der H. im 20. Jh.
als 80g. „Dritter H.“ mit dem
Ziel einer Verlebendigung der
griech.-römischen Wertwelt für
die Gegenwart.
Im theologischen Schrifttum
heißt H. sovic] wie Bezogenheit
aller Kultur und Erziehung auf
Mensch und Diesgeits. In der
englischen Philosophie nennt
VP. GC. 8. Schiller geine prag-
matische Lehre H. Die italie-
nische Krziehung der Gegen-
wart Sicht in dem H. vor allem
eine Verlebendigung der eigenen
nationalen Vergangenheit und
imperialen Sendung. -- 1L.: J.
Burckhardt, Die Kultur der
Renaissance in Italien, zuerstb
1860 (KTA. Bd. 53); K. Bur-
dach, Reformation, Renais-
s8ance, H., 1926?,
Humanität (lat. Menschentum,
Mengchlichkeit), in der Bil-
dungsgeschichte die Idee eines
barmonisch gebildeten, voll-
endeten Menschentums; 8sodann
Wertschätzung und Pflege des
Menschlichen an gich, Mensch-
lichkeit, Menschenfreundlich-
keit.
Das Bildungsidcal der H. ent-
Stand bereits im alten Rom und
verband schon bier mit der
Vebernahme der griech. Bil-
dungswerte eine weltbürger-
liche Grundeinstellung und zu-
gleich einen übernationalen
geistigen Horrschaftsganspruch.
In Deutschland wurde ein ähn-
liches H.s-Ideal zu Knde des
18. Jhs. von der Aufklärung,
aber auch von den idealistischen
Denkern und Dichtern und ins-
bes. vom Neuhumanismug ent-
wickelt. Man erblickte das höch-
Ste Ziel der Erziehung in der
harmonischen, am Griechentum
gebildeten, geistigen Persönlich-
keit, die unabhängig von rassli-
Schen, politischen oder ständi-
Schen Bindungonancinem Reich
allgemeinmenschlicher Ideen
toeilhabe. Unter dem Kinfluß der
Pranzösischen Revolution urd
der Freimaurerei wurde der Be-

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