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Sculerziehung ſein, das Kind allmählich zum
beobachtenden Merken und zum richtigen Wahr-
nehmen zu erziehen. Das kann vor allem ge-
ſchehen dur) Anleitung zum ſelbſtändigen, auſ-
merfſamen Naturbeobachten, wofür die Ge-
ſicht3punkte, die die Aufmerktjamkeit leiten
müſſen, ſtet38 vom Lehrer vorher gegeben oder
von den Kindern mit jeiner Hilfe geſunden wer-
den müſſen. GStetes Anhalten zur korreiten
Wiedergabe des Beobachteten, wenn nötig und
möglich mit Korrektur am WahrnehmungsS-
gegenſtand, iſt für die Erziehung zum beobach-
tenden Merten Überaus wichtig. Aud) das jelb-
ſtändige Schülerexperiment im naturkundlichen
Unterricht und die Anleitung zum treuen Ge-
DächtnisSzeichen jIchärfen die Beobachtungsſähig-
keit ungemein.
Die Bedeutung einer jolchen Erziehung zum
korrekten Wahrnehmen und zur treuen Wieder-
gabe des Wahrgenommenen für die Entwieklung
des Sinne3 für vie ſittliche Wahrhaftigfeit jei
hier nur angedeutet.
Literatur. Die Literatur über die Pſychologie und
Phyſiologie der Sinnesempfindungen iſt zu ungeheurem
Umfang angeſchwollen, [ov daß der Vorwurf, die ältere
Pſychologie habe über dieſen Unterſuchungen die Ex-
forſchung wichtigerer Gebiete ver Pſychologie, in3bejon-
vere die Pjiychologie der Perſönlichkeit vernachläjſigt,
nicht unberechtigt erſcheint. Für die Literatur Über
Einzelunterſuchungen auf dieſem Gebiet wird auf die
größeren Lehrbücher der Pſychologie verwieſen, vor
allem auf: Wundt: Grundriß der Pſychologie (1907*).
-=-“ Ebbinghaus: Grundzüge der Pſychologie (1911 *).
-- Ziehen: Leitſaden der phyſiologiſchen Pſychologie
(1911 *); ferner auf die zahlreichen einſchlägigen Zeit-
ſchrijten, vor allem „Zeitjchrift für Pſyc und „Zeitſchrift für Phyjiologie der Sinne3-
vrgane“. = Wertvolle neuere Beiträge zur Lehre
von den Empfindungen finden ſich außer in den letzten
Bänden der Zeitſchr. f. Pſychologie in der Zeitjc „Pſychologiſche Forſ Wahrnehmungen vgl. außer den Darſtellungen in den
genannten Lehrbüchern der Pſychologie vor allem:
Brentano: Viychologie vom empiriſchen Standpunkt
(1874). =“- Hujſerl: Logiſche Unterſuchungen (1913 ?*).
--- Lipp3: Pſychologie (1909 ?). -- Stumpf: Exſchei-
nungen und pſychiſche Funktionen (1906). -- Koffka:
Zur Grundlegung der Wahrnehmungspſychologie in
„Zeiträge zur Pſychologie der Geſtalt“, I11,. (1919).
Herhenbach.
Empirismus. 1. Begriff. EmpirisSmusS (Er-
fahrungsſtandpunkt) iſt die Überzeugung, daß in
der Erfahrung die ausſchließliche Quelle alles
Erkennens liegt. Damit verbindet ſich in der
Regel die Anſicht, daß alle Gedanken und Werte,
für die ſich nicht irgendwie Erſahrungstatſachen
nachweiſen lajjen, haltlos und ungültig ſind.
Wührend der naive EmpiriSmus ſich nicht all-
zuviel Sorge macht um die Art, wie Erfahrungs-
tatjachen ſich fizieren und verdichten, ſucht der
fritiſche Empiri8mus in die Technik der ein-
ſchlägigen Prozeſſe einzudringen und dieſelbe
eventuell jogar im künſtlichen Experiment nach-
zuprüfen. Als methodiſches Prinzip hat der Em-
piriSmus ſich beſonders in ven Naturwiſſen-
Ichafien glänzend bewährt. Darum iſt es nicht
Cmpfindung und Wahrnehmung -- EmpiriSsmus

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verwunderlich, daß man mit diejem Prinzip auch
in den Geiſte3wiſſenſchaften zu arbeiten unter-
nommen hat. Ermunternd wirkte auch die Aus-
bildung der experimentalpſychologiſchen Me-
thoden zu einer Leiſtungsſähigteit, die man früher
kaum geahnt hätte. Wenn jogar das Denken, die
äſthetiſchen, ethiſchen und religiöſen Wertungen
dem pſychologiſchen Experiment unterworſen
werden, jheint die Ausſicht zu beſtehen, daß die
Geſamtheit unjeres GeiſtesSlebens unter die
Herrſchaft des Empirismus fällt. Wir können
beobachtend und experimentierend überall die
wichtigen Tatſachen nachprüfen und von dieſer
Nachprüfung unjer Urteil über die Zulajſjung
oder Verwerſung überlieſerter Jdeen und Jdeale
abhängig machen. Cine bedeutjame Konſequenz
empiriſtiſcher Betrachtungsweiſe iſt die Erſchütte-
rung des Glaubens an allgemeingültige und
konſtante Werte. Alle Erſahrungstatjachen ex-
weiſen ſich je nach den bejonderen Bedingungen
jo oder jo abgewandelt. Jhre Beſtändigkeit ließe
ſich nur behaupten, wenn die Konſtanz der ent-
jprechenden Bedingungen geſichert wäre. Solche
Sicherung jchemt aber kaum möglich zu ſein. So
widerſtreitet der FmpiriSmus der konſervativen
dogmatiſchen Geiſteshaltung. Man fürchtet in
ihm nicht mit Unrecht den Zerſtörer dauerhaſte
Sittlichkeit und Religion. So greift der Em-
pixiomus3 als philoſophijches Prinzip weit übei
den erfenntnistheoretiſchen Bezirk hinaus, in
dem er eigentlich beheimatet iſt.
2. Hauptarten des Empirizmus. Man kann
ven Cmpiriomus am einſachſten nach jeinen
möglichen Anwendungsſeldern gliedern. Seh
geläufig iſt die Unterſcheidung einer äußeren
und inneren Erſahrung. Neben diejer pſycho-
logiſchen Zweiteilung kommt auch eine wiſjen-
ſchaſtstheoretiſche in Frage, die an den Unter-
ſchied der Naturwiſſenſc wiſſenſchaften anknüpſt. Endlich ließen ſich
auch die verſchiedenen Kulturprovinzen als
taſjifikatoriſches Schema benußen, indem win
etwa Wiſjenſchaſt, Kunſt, Recht, Sitte, Moral,
Religion für beſondere Kulturzentren erklären.
Natürlich iſt dieſe Sonderung nicht als kaſten-
artige Jjolierung zu verſtehen. Die verſchiedenen
Kulturzentren greiſen mannigſac Über, und gerade die ſynthetiſchen Kulturorganis-
men, die hierbei entſtehen, jind von der größten
Wichtigkeit. Unter ihnen nimmt auch das Er-
ziehungöweſen ſelbſtverſtändlich eine hervor-
ragende Stelle ein. Eine vollſtändige Klaſſi-
ſikation des EmpiriSmu3s nach den Kulturpro-
vinzen muß darum auch das Erziehung3weſen
einſchließen. Daß der Empirimus auf allen
dieſen möglichen Feldern gleich gut durchſühr-
bar iſt, dürfte kaum wahrſcheinlich ſein. So
hat der ganze Klaßſſifikation3verjuch eigentlich
nur die Bedeutung eines Problemſtellers3.
Er kann dazu anregen, die empiriſtiſchen An:

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