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hängt, in gemeinjamer Arbeit mit den Schülern
zu erſchließen und für ſie zu einem ſeſten geiſtigen
Beſiß zu machen. Das iſt Arbeitöunterricht. Mehr
noch gilt das für die Lektüre auf der Oberſtuſe.
Die alte Überjezungsmethode iſt heute als über-
wunden zu betrachten. In gemeinſamem Wechſel-
geſpräch zwiſchen Lehrer und Schülern, jelbſt-
verſtändlich in ſranzöſiſcher Sprache, iſt hier der
Gehalt der Lektüre zu erarbeiten und nach allen
Seiten --nach der künſtleriſchen, äſthetiſchen, er-
zieheriſchen, kulturkundlichen = auszubauen. In
dem lebendigen Zwiegeſpräch im ſranzöſijcher
Sprache zwiſchen Lehrer und Schülern liegt der
Schwerpunkt des ganzen franzüöſiſchenUnterricht3.
Keine Sprache iſt wegen ihrer Formvollendung,
ihres Wohlklanges, ihres Glanzes, aber auch
wegen ihre3 logijchen Auſbaues zur Unterhaltung
unter gebildeten Menjchen mehr geeignet als die
ſranzöſiſche. Lebendige Unterhaltung, ſalls ſie
ſich nicht auf Oberflächlichfeiten beſchränkt, birgt
aber immer etwas in ſich, das der arbeitöunter-
richtlichen Methode ſehr nahe ſteht. Und ſo iſt
alſo auch der geſamte franzöſiſche Unterricht für
arbeitsunterrichtliche Dinge in ganz hervor-
ragender Weiſe geeignet.
Endlich wäre noch auf die heute ſo laut ex-
hobene Forderung der Konzentration des ge-
jamten Unterrichts oder, wie man auch ſagt, auf
die Herſtellung von Querverbindungen
zwiſchen den einzelnen Unterricht8fächern hin-
zuweijen. Auch für dieje Dinge iſt das Franzv-
jiſche jo geeignet wie nur irgend ein anderes
Unterricht8fach. Bei den troß aller zeitweiligen
Feindſchaft dennoch beſtehenden innigen Bes-
ziehungen, die auf allen geiſtigen Gebieten (von
den wirtſchaftlichen gar nicht zu reden) zwiſchen
Deutſchland und Frankreich beſtehen, bei der
gegenjeitigen und wechſeljeitigen Anregung und
Beſruchtung, die zwiſchen den beiden Völkern
jeit Jahrhunderten vorhanden iſt und auch heute
weiter fortbeſteht, bei der Notwendigkeit, daß ſich
eines mit dem andern immer wieder geiſtig aus-
einanderſeßt, ergeben ſich auch für den ſfranzö-
ſiſchen Unterricht unzählige Möglichkeiten, die
Brücken zum deutſchen Unterricht zu ſchlagen,
und umgefehrt natürlich genau ebenſo.
Ausführlichere Darſtellungen aller im Voran-
gehenden berührten Fragen des franzöſiſchen
Unterrichts finden ſich in meiner im Verlage
Weſtermann, Braunſchweig 1928, erſchienenen
Methodik des neuſprachlichen Unterrichts auf
Grund der Richtlinien für die Lehrpläne der
höheren Schulen Preußens vom Jahre 1925.
Literatur. Engwer=Lerch: Franzöſiſche Sprach-
lehre (1926). -- Klemperer: Die moderne franzöſiſche
Literatur und die deutſche Schule (1925). -- Kling-
hardt-Olbrich: Franzöſiſche JIntonation3übungen
(1926). -- Münc: Arbeitsunterricht in den neueren
Sprachen (1927). =- Otto: Methodik und Didaktik des
neuſprachlichen Unterrichts (1925). -- Schön: Sinn
und Form einer Kulturkunde im franzöſiſchen Unter-
richt (1925). -- Friß Strohmeyer: Der Stil der
Franzöſiſcher Unterricht -- Frauenſ
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franzöſiſchen Sprache (1924). -- Derſelbe: Franzöſiſche
Grammatik auf ſprachhiſtoriſch-pſy lage (1921). -- Hans Strohmeyer: Das neuſprachliche
Gymnaſium (1926). -- Derſelb e: Methodik des neu-
ſprachlichen Unterricht8 (1928). =-- Voßler: Frankreichs
Kultur im Spiegel ſeiner Sprachentwicklung (1921), =-
Wechßler: Eſprit und Geiſt, Verſuch einer Weſen8kunde
der Deutſchen und der Franzoſen (1927). =
Strohmeyer.
Franenſachſchulen [. Fachſchulweſen und das
Bildungsweſen der Länder.
Franenoberſchule [. FrauenÖſchule.
Frauenſchule, |. auch „Höheres Schul-
weſen“. 1. Allgemeines. Die JInduſtrialiſie-
rung und Rationaliſierung unſres Lebens hat
ſich beſonders empfindlich au8gewirkt in den
Berufen der Frau. So ſelbſtverſtändlich wie
vor mehreren Jahrzehnten jedes Mädchen jeinen
Wirkungskreis im Hauſe zu finden erwartete und
jich mehr oder minder auf dieſe Tätigkeit vor-
bereitete, genau ſo ſelbſtverſtändlich treten heute
die meiſten heranwachſenden Mädchen am
Schluß der Schulzeit in Berufe, die ganz und
gar außerhalb des Hauſes liegen, und ſind ſich
dabei klar, daß die Ausſicht, einen eigenen
Hausſtand zu bekommen, für ſie ganz ungewiß
iſt. Ja, ſelbſt im Falle einer Eheſchließung iſt
das eigene Heim, ſo wie es unſere Mütter
hatten, dem heutigen Mädchen längſt nicht mehr
gewiß: die Zahl der beruſstätigen verheirateten
Frauen wächſt ſtetig und wird weiter wachjen,
ſolange die ſtarke Entwertung aller häuslichen
Tätigkeit und unſere Verarmung dauern.
Jm Bli> auf dieſe Zukunft unjerer Mädchen
hat die Schule ſich je länger je mehr eine
verbreiterte und vertieſte Allgemeinbildung
angelegen ſein laſſen. Was das Mädchen in
dieſer Hinſicht braucht, iſt kaum anders als das,
was die Knaben brauchen: beide benötigen eine
Schulbildung, auf der eine tüchtige Beruſfs-
bildung aufbauen kann. Aber Mädchenerziehung
behält überall die Aufgabe, die Mädchen zu rüſten
für ihren Beruf im Hauſe als Hausfrau und
Mutter. Und der wirtſchaftliche Zwang zur
außerhäuslichen Berufstätigkeit der Frau hat dieſe
Aufgabe nicht etwa in den Hintergrund gerückt
-- nein, er hat ihre Dringlichfeit nur verſtärkt.
Nod) ſtet3 heiraten die Mehrzahl der Mädchen
und haben alſo ſpäter die Verantwortung ſür
einen eigenen HauShalt und für eigene Kinder.
Üben ſie gar als Chefrau weiter einen Beruf aus,
jo ſtehen ihnen nur in ſeltenen Fällen hinreichend
Hilfskräfte im Haus zur Verfügung; fie tragen
vielmehr neben der Laſt des Beruſes die des
Hauje3. Da3 kann wohl über eines Menſchen
Kräſte gehen, wenn nicht frühe Schulung zu
Umjicht und Gewandtheit verhilft. Das YAus-
fommen der Familie hängt erfahrung8gemäß
nicht allein von den Einnahmen des Mannes,
ſondern mindeſtens ſoſehr von der wirtſchaftlichen
Tüchtigkeit der Frau ab. C3 gibt Hausfrauen

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