205
in einem Buch oder in der Kirche geſagt wird --
es ijt ein Wort von oben. Das neue Deutſchland
braucht Mütter, und es braucht Frauen, die mit-
jchaffend und -hütend uns zu helfen vermögen
zu neuer, klarer, reiner Sitte, =- wie Brot ſv
nötig brauchen wir gefeſtigte Sitte.
2. Die Frauenſchule, Wir fordern alſo im Blik
auf eine vaterländiſche Notwendigkeit für alle
deutſchen Mädchen eine hau3-uid volkswirtſchaft-
liche Ausbildung. Wenige verſtändni3volle Päd-
agogen jind früh für dieſes Ziel eingetreten;
naturgemäß waren hier Frauen unter den
Bahnbrechern, vor allem die noch unter uns
weilende Auguſte Sprengel. Die Neu-
ordnung der höheren Mädchenſchulen in Preu-
ßen ſchuf 1908 die Frauenſchule für jolche
Schülerinnen des Lyzeums, die ſich keiner
beſtimmten Berufsausbildung zuwandten. Dex
Ernſt des Krieges zeitigte im Jahre 1917 eine
Neugeſtaltung der Frauenſchule. Die Beſtim-
mungen vom 31. Dezember 1917 U 1 W.Nr.
405. 11 1. U UID ſagen: „Durch den Krieg
und ſeine Folgen ſind die Anforderungen, die an
die Frau und Mutter geſtellt werden, vielfach er-
weitert und erhöht worden. Die innerhalb des
Hauſes zu leiſtenden Arbeiten haben ſich ver-
mehrt und ſchwieriger geſtaltet. Dazu legt die
Abweſenheit de8 Mannes in vielen Haushaltun-
gen die Sorge für das Wohl der Kinder ganz der
Mutter auf“. Und ferner: „Kommt die verſtänd-
niSvolle Anpaſſung der Einzelwirtſchaft an die
allgemeinen Bedürfniſſe und an die zu ihrer Be-
ſriedigung vorhandenen Mittel bereits in hohem
Maße der Geſamtheit zugute, ſo hat die Frau
doch darüber hinaus noch ihre Arbeitskraſt im
weiteſten Umfange in den Dienſt der Allgemein-
heit ſtellen müſſen, und es ſind ihre wirtſchaft-
lichen und mütterlichen Fähigkeiten auf den
mannigfachſten Gebieten der öffentlichen Für-
jorge in Anſpruch genommen worden . . . Um
ven dringenden Forderungen der Zeit nachzu-
kommen, um dem weitverbreiteten Wunſche
nach einer gründlichen hauswirtſchaftlichen Bil-
dung der jungen Mädchen nach Abgang von der
Schule zu genügen, um das Bedürfnis aber auch
in den Kreiſen zu erwecken, die ſich biSher noch
gleichgültig verhalten, iſt die Cinrichtung von
weit zahlreicheren Frauenſchulen als bi8her not-
wendig". Den Frauenſchulen wird erneut die
Aufgabe geſtellt, die Mädchen auszubilden in der
Richtung der künftigen Leben3aufgaben einer
deutſchen Frau, d. h. alſo ſie einzuführen in den
Pſflichtenkreis des häuslichen wie des weiteren
Gemeinſchaftslebens3, in die Elemente der Kinder-
erziehung und Kinderpflege, in Hauswirtſchaft,
Geſundheitslehre, Wohlfahrtskunde, ſowie in die
Gebiete der Barmherzigkeit und der Nächſten-
liebe. Die einjährige Frauenſchule iſt alſo nicht
die Stätte für eine beſtimmte abgeſchloſſene Be-
rufsausbildung, ſie bereitet vielmehr auf ver-
Frauenſchule

206
ſchiedene Frauenberufe allgemein vor und er-
leichtert ihren Schülerinnen den Eintritt in die
Kindergärtnerinnenſeminare ſowie in die Fach-
jeminare für techniſche Lehrerinnen. Frauen-
ſchülerinnen haben in dieſen Seminaren eine
etwas verkürzte Ausbildung3zeit. =- Aud) zwei-
jährige Frauenſchulen wurden in größerer Zahl
eingerichtet; ſie bedeuten einen wichtigen Schritt
zu der nun ſolgenden Weiterentwiklung.
3. Die Frauenoberſchule, Nicht nur die Ver-
antwortung für das Volks8ganze, jondern eben
jo jehr die Verantwortung für die weibliche Ju-
gend hat in der Pädagogik zur Gründung von
Frauenſchulen geführt und drängt augenblicklich
weiter in dieſer Richtung zur Schaffung eines
neuen Typs der höheren Schule: der Frauen-
oberſc zum Schaden unjerer Kultur und zum empfind-
lichen Schaden für viele ihnen anvertraute
junge Menſchen eine faſt einſeitig intellektuelle
Bildung betrieben und alſo nur die intellektuellen
Begabungen gefördert haben, beſinnen ſich, und
es werden immer neue Stimmen laut, die eine
ſtärkere Berüdſichtigung des prafiij-techniſch
oder fünſtleriſch ſowie auch des ſozial-pflegeriſch
begabten Menſchen fordern. Dieſer Begabung3-
typus iſt unter Mädchen wohl etwa3 häufiger
als unter Knaben, und jedenfalls zeigt er fich
bei ihnen in früherem LebenSalter; dem will
die Frauenoberſchule dienen. Sie iſt ein drei-
jähriger Aufbau auf dem Lyzeum und fördert
ihre Schülerinnen zur Reife für den Beſuch einer
pädagogiſchen, künſtleriſchen oder gewerblichen
Hochſchule. In Preußen iſt die Frauenoberſchule
jeit 1927 an verſchiedenen Orten bereits als Ver-
juchsſchule zugelaſſen.
Das Eigentümliche der Frauenoberſchule iſt
der Verſud), in die allgemeine Schulbildung eine
Vorbildung für beſtimmte, auf dex Gemeinſchafts-
idee, der „Idee der Mütterlichkeit beruhende
Frauenberufe einzubauen. Die innere Möglich-
keit gibt die der Frauenoberſchule zugrunde lie-
gende BildungS3idee: „die Crziehung zur Ge-
meinſchaft durch die Arbeit am Menſchen und für
den Menſchen". Den praktiſchen Weg zu dieſer
Berbindung von allgemeiner und beruflicher
Bildung zeigt die in Preußen ſehr häufige Ver-
bindung der einjährigen Frauenſchulen mit Se-
minaren für techniſche Lehrerinnen und für
Kindergärtnerinnen. Die Frauenoberſchule baut
auf der mittleren Reiſe auf. Sie bereitet in
3 Jahren ihre Schülerinnen auf die dem haus-
mütterlichen Wirkungskreis am nächſten liegen-
den Frauenberufe vor: auf erzieheriſche, ſozial-
pflegeriſche, techniſch-wirtſchaftliche Beruſe. Sie
will alſo die Vorſchule ſein für die künftige tech-
niſche Lehrerin, für die Kindergärtnerin und
Sozialbeamtin.
4. Die ſoziale Wohlfahrtöſchule iſt eine Be-
rufsſchule zur Ausbilduna von Sozialbeamtinnen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.