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Zuſtrom von Schülern abgegraben. C3 wird
allen drei Schulen jeßt ſchon nicht leicht, ſür
ihre gymnaſiale U 111 die nötige Anzahl ent-
ſprechend vorgebildeter Schüler zu bekommen,
geſchweige denn aus einem Überſluß an An-
meldungen die erwünſchte Ausleſe zu treffen.
Um ihren Beſtand zu wahren, haben jie ſich zu
Erweiterungen ihrer Organiſation verſtehen
müſjen. St. Afra und St. Auguſtin entwickeln
jeßt neben vem alten gymnaſialen Stamm von
D 111 ab ein Reformgymnaſjium, in das auch
Schüler ohne lateiniſche Vorkenntniſſe eintreten
können, und Pſorta iſt auſ dem Wege, eine 1Y
unten anzujeßen und Parallelunterricht im Eng-
liſchen und Franzöſiſchen durchzuführen, der den
Edhülern mit neuſprachlicher Vorbildung beider-
lei Art den Anſchluß ſichern joll. Dazu kommen
wirtſchaftliche Schwierigkeiten. Die Inſlation3-
zeit hat den gejamten Kapitalbeſitß der Stiſ-
tungen entwertet, und die Not der Landwirtjchaſt
Fürſtenſ
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hat die Einnahmen aus dem Grundbejip ſtar?
vermindert. Anderſeit3 ſind die Ausgaben ex-
heblich geſtiegen. Aus eigenen Mitteln können
jich die Schulen nicht mehr unterhalten. Sie be-
Dürfen eines Staats8zuſchuſje8, der naturgemäß
vergrößerten Einfluß der ſtaatlichen Zentrale
nach jich zieht. Damit entſteht aber die Gefahr,
daß ſie die jtolze Selbſtändigkeit ihrex Verwal-
tung verlieren und aus Größen beſonderer Prä-
gung allmählich landläuſige Staatsjchulen wer-
den. Möge es den Fürſtenſchulen gelingen, dieſe
Anſechtungen der Gegenwart zu überwinden
und zu bleiben, wa3 ſie ſind: eigenwüchſige
Fruchtbäume edler humaniſtiſcher Bildung und
frajtentwicelnder Erziehung!
Literatur. Schmid 8 Enzyklopädie, Bd. Il, S. 759:
Fürſtenſchulen ; Anm. 1 zählt Quellenſchriften auf. --
Corſſen: Altertümer und Kunſtdenkmale der Landes-
ſchule zur Pforta (1868). = Jahre3berichte der
Schulen und die von ihnen herausgeg. Blätter.
Sthmidt (Magdeburg).
G
Garten j. Schulgarten.
Gärtnerlehranſtalten ſ. Fachſchulwejen u. das
Bildung5wejen der Länder.
Gärtnerinnenſchulen ſ. Fachſchulweſen u. das
Bildungswejen der Länder.
Gandig, Hugo. 1. Leben3gang und Scrif-
ten. 2. Grundgehalt der Pädagogik. 3. Di-
daftif. 4. Würdigung.
1. Lebensgang und Echriſten. Gaudig, Hugo,
Profeſſor Dr., wurde am 5. Dez. 1860 im Pfarr-
haus zu Stöckey bei Nordhauſen geboren. Nach
Beſuch der heimiſchen Volköſchule und des Gym-
naſuunms in Nordhauſen bezog er 1878 die Uni-
verſität Halle, um Theologie, Germaniſtik und
alte Sprachen zu ſtudieren; zeitlebens blieben
ihm Religion, Deutſch und Geſchichte, dazu in
jeimen lezten Jahren noch Volkswirtſchaft und
NRechtswejen Bildungs8quellen des nationalen
Kulturgewiſſens und als jolche Herzenöange-
legenheiten. Jedoch beweiſt ſeine Diſſertation
über „Die Grundprinzipien ver Äſthetik Schopen-
hauers" auch eine ſtarke Ergriffenheit von
Schopenhauer und Kant während ſeiner Stu-
dienzeit. Seit 1887 arbeitete er als Ober-
lehrer am Realgymnaſium zu Gera, wurde 1896
Direktor der Höheren Mädchenſchule der Frande-
jchen Stiſtungen und hat als Nachfolger Wych-
grams ſeit 1900 bi3 zu jeinem Tode (| 2. Auguſt
1923) die Zweite Städtiſche Hühere Mädchen-
ſchule zu Leipzig und das mit ihr verbundene
Lehrerinnenſeminar mit Übungsſchule als Ober-
ſtudiendirektor geleitet. In der „Gaudigſchule“
Dort lebt jein Gedächtni3 fort; jeine überragende
Perſönlichkeit machte ſie zu einem Wallfahrtsort

der Bädagogen über Deutſchlands Grenzen
hinaus3.
Urſprünglich der Erwerbung eines philo-
logiſd) und emotional nach allen Seiten durch-
leuchteten Sachwiſſens hingegeben, während
jeines Probejahres von Fri in Halle ſtart be-
eindru>t und durch ihn vorübergehend für die
Würdigung der Lektion als divatktiſch-metho-
Diſcher Kunſtſorm gewonnen, kam G. zu der
Entdeckung ſeinex pädagogiſchen Eigenweſen-
heit erjt in Leipzig. „Von dem Augenblick
an, wo ſich ihm hier ein eigenes Arbeitsfeld
voll reicher Entwicklungösmöglichkeiten auſtat,
fühlte er dieſe Schule als ſeinen Standpunkt
in der Welt, den er weder für einen Platz im
Miniſterium noch für einen Lehrſtuhl der Uni-
verſität prei8gab." Hier hat er ſeine Jdee:
„Verlegung des Schwerpunktes vom unter-
richtenden Lehrer in den arbeitenden Schüler“
in die Tat umgeſeßt; dieſe „Revolutionierung“
wächſt ihm aber aus keiner Theorie, ſondern
aus der unmittelbaren Schularbeit zu, und die
jtete Fühlung mit ihr ſichert ſeinem reichen
Schrifttum Bodenſtändigkeit und den Odem
des Erlebten, nicht Erklügelten. Schon eins
der erſten (gehaltvollen!) Leipziger Schul-
programme enthält den Auſſaß „Erziehung zur
Selbſttätigkeit" (1902), und durch die „Divak-
tiſchen Keßereien"“ (1904, 1922*) und die „Didak-
tiſchen Präludien" (1908, 19233) kämpfte der
„Setehrte“ zäh und rüdſichtslo3 für die „Schule
der Zukunft“, ohne zunächſt die Geiſter nachhaltig
zu mobiliſieren oder auch nur ſür den ſtarken
pädagogiſchen Affekt ein Echo zu weden, der
jeinem eigenen Denken Schärfe, Kraft, Jnnig-

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