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ſindet ſich das pädagogiſche Element im Anjaß,
vgl. die Röm. 8, 26 gegenüber der G.öratloſigkeit
gezeigte Norm („wie jich'8 gebührt") oder Phil.
4, 6; 1. Theſj. 5, 17; 1. Iim. 2, 1; Cph. 5, 20;
6, 18 u. ö., dazu Jak. 1, 6 3; 4, 3 u. a. m. Luther
ſchreibt ausdrücklich eine Anweiſung, „wie man
beten joll", an den Meiſter Peter Balbierer und
gibt vem Katedjiomus betonte Anleitungen zum
richtigen Beten in der Fämiliengemeinſchaft bei,
und auch die G.öliteratur in und nach der Ne-
ſormationszeit entbehrt in ihren Stilgruppen
nicht des erziehlichen Cinſchlage38 (vgl. Cohrs,
Die evangeliſchen KatechiSmusverjuche vor
Luthers Endhiridion[1902, Band V], und Althaus
d. Alt., Forſchungen zur evangeliſchen G.ölite-
ratur, 1927). So iſt es ein Urteil der Geſchichte,
daß da, wo handen iſt, ſich auch immer etwas findet, was auf
G.3erz. hinweiſt. G.8erz. bedeutet jo wenig wie
Glaubenserziehung ein Herabſinkfen von evan-
geliſcher Höhenlage und ein Hinübertreten auf
katholiſchen Boden.
b) Umſtände und Jnhalt. In der geiſtig-
ſinnlichen Doppelnatur des Menſchen liegt es
begründet, daß der Menſc< auch im G. als der
unmittelbarſten Form des Gotte3umgangs der
ſinnlichen Reize und Hilfen nicht entbehren kann.
Ort, Zeit, äußere Haltung, Geſtus und Wort
ſind die fittenmäßigen Formen des G.3haltung;
ſie müſſen die Konzentration der Seele auf die
Gegenwart Gottes -- als auf das konſtitutive
Element des G.3 -- begründen helfen. Mit dem
Schwinden des „Kämmerleins“ (Mt. 6) in den
Städten und in der Zeit der Wohnungs3not
ſchwindet die Möglichkeit der Konzentration, die
zunächſt einmal alles Äußere ausſchaltet, um es
dann aus beſeelter Innerlichfeit wieder einzu-
ſchalten. Die Sammlung der Seele findet eine
Stüße in der Gewöhnung an regelmäßige Ge-
bei8zeiten, die den Widerſtand gegen die Stimme
der Sinnlichkeit verſtärken und der Verflüchti-
gung des Innenlebens durch äußere Tage3-
einflüſſe wehren hilft. Dem gleichen Zwecke dient
die Haltung des Körpers und der Hände beim G.
und auch die Benußung vorliegender G.3verſe
oder -formen. (E3 gilt heute wieder von der Be-
obachtung von Sitte und Symbol: „Bewahre die
Ordnung, und die Ordnung hilft dich bewahren."
Auch ein Beter wie Luther wartete, um „luſtig“
zum Beten oder „hißzig“ im G. zu werden, nicht
auf das Anſliegen von G.3, ſtimmungen", ſon-
dern er nußt die geiſtgewirkten Mittel -- Kate-
d)i3mus, Pjalter und Gotte3wort -- dazu. Denn
jeinen Inhalt ſindet das G. an dem Schriftinhalt;
der moderne Menſch muß wieder lernen, ſich zu
konzentrieren und im Worte Gottes zu „leben“,
über das Wort Gottes zu „ſinnen“, die Worte
der Schrift in ſeinem Herzen zu „bewegen“,
damit ſie ihm etwas ſagen -- hier findet ein ver-
innerlichter Arbeitö3unterricht (ſf. d.) eine viel-
Gebet und Gebetöerziehung


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vernachläſſigte Aufgabe. Neben der Normierung
an dem Offenbarungsinhalt ſteht der Reichtum
fremden G.öleben3 da und hilft der Selbſtbe-
jſpiegelung wehren, vor Verarmung bewahren
und in die Fülle wachſen.
6) Aufbau. Für die noch rein triebmäßig
beſtimmte Periode des Kleinkindes (1--3 TJ.) iſt
Die Schaffung eimer G.Satmojphäre durch die über
ihrem Kinde betende Mutter und da3 natürliche
Hineinwachſenlaſſen des Kindes in die ſeeliſche
Sphäre der Schlüſſel zum Geheimnis. Die Luſt
des G.3 umfängt und beeinflußt das Kind, und
das Kind ergreiſt und bejaht dieſe Luſt, ſobald
das Geiſtige in ihm zum Durchbruch gelangt.
C3 folgt in der Periode von 4--8 JI. die Zeit der
„infantilen Erregung“ (P. Häberlin), in der auch
für das religiöſe Leben im allgemeinen und ſür
das G.Sleben im beſonderen der Grund gelegt
werden muß in Haus und Schule. Die jeeliſche
Formbarkeit des Kinde3 bis zum 8. LebenSsjahr
iſt einzig ſtark und entſcheidungsreich ; ſie präſor-
miert oft den Charakter für das ganze Leben.
Darum beginnt bald die Anleitung zur Konzen-
tration der erwachenden Seele durch Hände-
falten, Bildbetrachtung, Hilfen zu wertender
Stellungnahme. E83 folgt die taktvolle Klärung
der Phantaſiereligion durch den Erzieher, denn
das G. iſt ein geiſtiger Akt -- und nicht bloß
myſtiſche Verſenkung -- und das Beten erfor-
dert darum Cinſicht und Verſtändnis von dem
Beter. Jetzt muß die Schule durch wertbetonten
Lernſtoff eine gewiſje Fülle des G.3materials
herbeiſchaffen, und die Kinder werden allmählich,
nachdem im erſten Schuljahr das G. ein Beten
des Lehrers mit den Kindern aus pſychologiſcher
Unterbauung und in Anknüpfung an die mannig-
ſachen Möglichkeiten der Schulleben3gemein-
Ic G.öleben verſelbſtändigt; die Reife des Lehrers
ſügt jedod) noc) lange dem Kindergebete hinzu,
was dem evangeliſchen Glaubensgeiſte gemäß iſt
und in eine neuteſtamentliche G.8verfajjung
hineinleitet. Neben dieſer mehr Gemeinſchaft
regelnden Arbeit der Schule muß aber immer
und entſcheidend das häusliche Vorbild eines
wirklichen G.3leben3 einhergehen, und das Abend-
gebet der Mutter -- nicht mehr über, ſondern
mit ihren Kindern -- ſollte auch in den kritiſchen
Jahren der Reifung nicht erlöſchen; Liebe und
Feinfühligkeit müſſen oft verſchwiegene und
verſchlungene Wege fuchen, um die Scheu des
zu ſeinem J< Erwachten zu ſchonen und ihm
dennod) zur Erſchließung feiner Seele zu ver-
helfen und ihn in einer religiöſen Leben3-
verbundenheit feſtzuhalten.
In der Schule fommt für G.3erz. dem Reli-
gionSunterricht die Hauptaufgabe zu. Er wirkt
als „Unterricht“ Einſichten und flärt Vorſtellun-
gen, aber er ſtrebt als „Seeljorge“ zu den Grün-
den bewegten Seelenlebens hin; und er tritt aus

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