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Serzeption abſpielen, d.h. ob Erinnexungsſphäre
und Empfindungsjphäre zuſammenſallen oder
nicht. Auch bzgl. dieſer Frage ſind verſchiedene
Anjchauungen vorgetragen und begründet wor-
ven. In der Regel wird eine räumliche Trennung
von Empfſindung3- und Erinnerungsſphäre an-
genommen. -- Die phyſiologijchen G.-theorien
ſind vielfach mit der Anerkennung des pſycho-
vhyſijchen Paraſleliamus verbunden.
Dagegen knüpfen die pſychiſtiſchen G.-
hypotheſen ſehr häufig an die Wechſelwirkungs-
lehre an: Sobald eine Wahrnehmung ins Be-
wußtſein eintritt, iſt ſie im Bereiche des See-
liſchen, und alle Veränderungen, die ſie erleidet,
alle Erſcheinungen, die ſich mit und an ihr
vollziehen, aljo auch die Neproduktionen, werden
nur als jeelijche Vorgänge, d. h. unabhängig von
korrelativen Gehinrnprozeſſen, gedacht. Die pſy-
wijſenſchaſtlichen Entwieklung der einſchlägigen
Anjchauungen, als die beſondere Funktion des
Gehirns im Bereiche der ſeeliſchen Erſcheinungen
noch nicht bekannt war, eine beſonders wichtige
Nolle gejpielt. Mehr oder weniger erſcheint hier
das G. als Fähigkeit der Seele, ſrühere Erlebniſſe
auſzubewahren. So iſt bei Platon die Mneme
die Aufbewahrungsſtätte, die Anamneſis der
Akt der Wiedererimnerung. Für Ariſtoteles
iſt die „Phantaſie" die Nachwirkung der Aistheſis,
in der Mneme ſieht er die Beharrxungstendenz des
Eindru>8, in der Erinnerung einen Willensakt.
Für Auguſtinus ſind die G.-erſchemungen
geiſtige Phänomene. Die Scholaſtiker verſuchen
mehr oder weniger deutlich, die Anſchauungen
Auguſtins mit denen des Ariſtoteles in Emklang
zu bringen. In der Folgezeit wird das G. viel-
ſach als Ausdruck der Fortdauer des Wahr-
nehmungserlebniſſes in der Seele erklärt. Unter
den neueren Lhilojophen iſt namentlich E.
Becher mit Nachdruck für die pfychiſtiſche G.-
lehre eingetreten. S. Freuds Lehre vom Ver-
geſſen kann gleichfalls al8 Anjaß zu einer
pſychiſtiſchen G.-theorie betrachtet werden.
Nicht weniger zahlreich ſind diejenigen Theo-
rien, die zwiſchen der phyſiologijchen und der
pſychiſtiſchen G.-lehre zu vermitteln ſuchen, die
man infolgedeſſen als pſy G.-lehren bezeichnet.
3. Methoden der G.-ſorſchung. Bei der Prü-
fung der Leiſtungsfähigkeit des G. war man ur-
jprünglich im weſentlichen auf den Vergleich an-
gewiejen. Daneben jpielte die auf Selbſtbeob-
achtung gegründete Deſkription der G.-vorgänge
von jeher eine gewijſe Rolle. Erſt H. Cbbing-
haus begann mit der experimentellen Unterſu-
wir der jahrzehntelangen Arbeit G. CE. Müller5.
Die Zahl der Methoden, die man heute in der
G.-forſchung verwendet, iſt beträchtlich. Wir er-
wähnen nur die wichtiaſten.
Gedächtnis

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a) H. Ebbinghau3 verwandte die Erler-
nungsmethode, meiſt in der beſonderen Form
der CrſparniSmethode. Reihen von ſinnloſen
Silben werden jo oft dargeboten, bis eine ein-
oder zweimalige ſehlerſreie Reproduktion mög-
lich iſt. Cs kann ſo die Abhängigkeit des Lern-
erſolges, etwa der Lernzeit oder der Zahl der
notmendigen Darbietungen, von der Beſchaſſen-
heit des Lernmaterial3, vom Lernverſahren und
vom Bewußtſein8zuſtand des Lernenden unter-
jucht werden. Vergleicht man die Reproduzier-
barkeit eines früher gelernten Materials mit der
eines anderen, das zu einer anderen Zeit oder
unter anderen Bedingungen gelernt wurde, ſo
kann man, wenn man nur beide Stofſgruppen
unter gleichartigen Bedingungen bis zum ſehler-
freien Reproduzieren erneut lernen läßt, durd)
Vergleich der Anzahl der erſparten Wiederholun-
gen Unterlagen für die Beurteilung der Nach-
wirkung der vorausgegangenen Cinprägungen
gewinnen. Jnsbeſondere läßt ſich an der ylb-
nahme der Zahl der erſparten Wiederholungen
das Fortſchreiten des Vergeſjens quantitativ
beſtimmen.
b) Da dieſe Methode aber jede3mal die Stiſ-
tung ganzer Reihen fortlaufender Aſſoziationen
ſordert, da ferner durch das zuſammenhängende
Auſſagen die genaue Unterſuchung der für das
Behalten maßgebenden Faktoren erſchwert wird,
ging G. EC. Müller zur Methode des paar-
weiſen Lernens über. Jndem hier jeweils
zwei Glieder der Reihe zuſammen dargeboten
werden und die Feſtſtellung de8 Lernerfolgs
auf dem Wege der iſolierten Prüfung der Feſtig-
keit der Aſſoziationen der Gliederpaare unter
möglichſt gleichzeitiger vollſtändiger Erhebung
Der ſie im Bewußtjein de3 Jndividuums wieder-
ſpiegelnden Momente vor ſich geht, eröſſnet ſie
eine Anzahl neuer Möglichkeiten. Da hier nicht
nur die überwertigen, ſondern aud) die unter-
wertigen Aſſoziationen von Bedeutung ſind,
wird die vollfommene Einprägung des ganzen
Materials nicht angeſtrebt. Vielmehr wird die
Anzahl der innerhalb eines gegebenen Lern-
materials richtig vorgenommenen Zuordnungen,
die Trefferzahl (daher Trefſermethode) der
Beurteilung de3 Lernerſolges zugrunde gelegt,
deögleichen die Reproduktion3zeit (Trefferzeit).
ce) Bei der Methode der behaltenen Glie-
der hat die Verſuchsperſon im Anſchluß an vor-
aus8gegangene Lernakte anzugeben oder nieder-
zuſchreiben, was ſie behalten hat. Die Ergebniſſe,
die je nach Umfang und Art des Lernmaterials,
Arbeitsweiſe und Lernfähigkeit der Verſuch3-
perſon verſchieden ausfallen, werden verglichen.
d) Die Methode der Hilfen iſt dadurch ge-
kennzeichnet, daß die beim Auſſagen eine3 un-
vollſtändig eingeprägten Materials zu gebenden
Hilfen reaiſtriert werden.

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