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tung und Richtung zu geben, müjjen auch ihrer
Natur nach von dem Menſchen Schweres und
Schwerſtes fordern: Selbſtverleugnung, Selbſt-
bezwingung, Aufopferung, und Hingabe, Glay-
ben an Unſichtbares und Unbegreifliches --
wenngleich ſie ihm ſür dies Alles auch die
beſten Kräfte darbieten. Kein Wunder, daß
jie auf ſtärkeren Widerſtand ſtoßen als 3. B.
intellektueile oder äſthetiſche oder teniſche
Werte, und daß ſie jo viel mehr Abſage er-
fahren. Cs ſind das alles perſönliche Selbſt-
entſcheidungen, über die ein anderer nicht
Herr iſt und gegen die auch die Argumente
eines andern zumeiſt nicht auſkommen. Wird
aber über jolche Selbſtentſcheivungen hinaus
der Verſuch gemacht, mit Berufung auf die ge-.
ſhichtlichen Wandlungen, aber ohne Be-
achtung des Ewig-Gleichen in der Menjſchen-
natur und im Leben des Menſchen, die abjolute
Geltung der grundjäßlich zu beſtreiten und ſo dann eine
prinzipielle Stellung gegen dieje Normen zu
begründen, jo muß das zurückgewieſen werden.
Es iſt nicht alles wandelbar, was in die Ge-
ſchichte eintritt und mit der Geſchichte foxtlebt,
und ganz bejonders muß an vem geſchichtlichen
und geſchichtlich fortwirkenden Chriſtentum
zwiſchen Wandelbarem und Unwandel-
barem, zwiſchen Nelativem und Abſo-
lutem unterjchieden werden. Das iſt eine
Forderung von grundſätlicher Bedeutung; ſie
gilt auch ſür uns Chriſten. Vergeſſen wir, daß
das Chriſtentum bei jeinem Gang durch die
Zeiten Wanvelbares an Formen und Ge-
ſtaltungen mit ſich verbunden hat und ver-
bindet, und daß es mit ſeinem geiſtigen Gehalt
jeder Zeit ihre Aufgaben ſtellt, ihr auch die Wege
der Erfüllung zeigt, die Kräfte ver Überwindung
verleiht, jo endet das in einem HiſtoriSmuSs, der
ſich dem Leben verſchließt und nur noch das Ver-
gangene bewahrt. Anderſeits aber: vergißt es
eine junge oder alte Generation oder eine ober-
ſlächliche, die Geſchichte mechaniſch in Geweſenes
und Werdendes zerteilende Pädagogik, daß im
Chriſtentum Unwoanvdelbares liegt, deſſen keine
Zeit je entraten kann, und daß es gerade mit
dieſem Unwandelbaren Grundlage unſerer Kul-
tur iſt, mehr noch als die Antike und die Selbſt-
entfaltungen deutſchen Geiſtes, jo endet das,
wenn es ſich erſt im Leben auswirkt, mit einer
Kataſtrophe. Es mag ſeine Schwierigkeiten
bieten, vas Unwandelbare am ben, das „Weſen“, die „Subſtanz“ begrifſlich zu
präziſieren; das was immer und für jeden gilt, weiß es aud) bei
allem Zwieſpalt der Konſeſſivnen, weiß auch,
welches der ewig gültige Sinn der alten Worte:
Rechtfertigung, Verſöhnung, Wiedergeburt uſw.
iſt, und dies Cwig- und Allgemein-Geltende wird
denen entgegenzuhalten ſein, die auch die reinſte
Gegenwart3pädagogit -- Gehirnerkranfungen

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und höchſte, durc die Geſchichte längſt als un-
Üüberbietbar erwieſene Offenbarung des Gött-
lichen einer geiſtloſen Relativierung unterwerfen
möchten. --
Die Lage iſt heute ernſt. Nicht das Chriſten-
tum iſt bedroht, auch nicht die wir brauchen uns um ſie nicht zu jorgen. Aber
unjer Volk iſt bedroht, in der Neinheit und Kraft
jeines inneren Lebens. Der Gewijſensernſt, der
jich innerlich gebunden und verpflichtet fühlt,
iſt bei vielen geſchwunden; die groben Ver-
fehlungen, Vergehen, Verbrechen höufen ſich
in erjchrefendem Maß; in den ſexuellen Dingen
ſteigt uns, wie Spranger einmal ſagt, „der
Schlamm allmählich bis an den Hals“. Man
ſollte hiex nichts beſchönigen und zude>en; der
Schaden wird damit nicht geheilt. Aber freilich
ſollte auch nichts ſchon verloren gegeben werden;
die Liebe muß auch hier noch alles hoffen. Nur
wird uns nod) allen zur rechten Zeit, warnend
und wegweiſend, die Erkenntnis kommen müjſen,
daß einem Volk, deſſen ſittliche3 Leben ſchon der
Fäulnis verfallen iſt, nicht mehr zu helfen iſt,
und daß das Sittliche mit ſeinen unerbittlichen
Anſprüchen an menſchliche Selbſtzucht und
Selbſtüberwindung die Seele eine3 Volkes nicht
bezwingt, wenn es nicht aus religiöſen Tieſen
auſſteigt. Schwarz.
Gehirn j. Nervenſyſtem.
Gehirnertrankungen. A. Die Gehirnhaut-
entzündungen. 1. Die Erkrankungen der
harten Hirnhaut, der dura mater.
11. Die Erkrankungen der weichen Hirn-
häute: 1. Die Genicdſtarre (zerebro-
jpinale Hirnhautentzündung), 2. a) Die
eitrige (fortgeleitete) Hirnhautent-
zündung, b) Die tuberkulöſe Hirn-
hautentzündung, ec) Die ſeröſe (ſlüſ-
ſige) Hirnhautentzündung. I1U1L Die
Folgen der Hirnhautentzündungen.
B. Die Gehirnenizündung. Die zere-
brale Kinderlähmung. C. Die Gehirn-
erweichung. D. Die Gehirnerſchütterung.
E. Die Mißbildungen des Gehirns. Pb. Die
Geſchwülſte des Gehirns.
Die Gehirnerfrankungen können hier nur eine
kompendiöſe, zuſammenfaſſende, nicht für Ärzte
berechnete Darſtellung erfahren. Nur ſoweit
ihre Erſcheinungen im weſentlichen auch ſür den
Nichtarzt erfennbar jind und ſoweit bejonders
der Beginn der Krankheiten vom Erzieher er-
kannt werden muß, um pädagogiſche Fehler zu
vermeiden, ſollen die verſchiedenen Krankheit3-
erjcheimungen hier zur Erörterung kommen.
Dabei jollen auch die oft nicht ſofort in die
ECrjcheinung tretenden, mannigſache Erziehungs-
ſchwierigkeiten mit ſich bringenden Folge-
zuſtände beſonders berücſichtigt werden.
A. Die Gehirnhautentzündungen. Die ver-
ſchiedenen Formen der Hirnhautentzündungen

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