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theologijche, haben die Univerſitäten Grgänzungs-
kurſe eingerichtet. In dieſen wird aber auch vom
beſten Lehrer meiſt nur oberflächliche Kenntnis
vermittelt werden können; einen Erjatz für das
ſolive Gymnaſialgriechiſch können dieje Kurje
faum bieten.
Literatur. Dörwald: Didaktik und Methodik des
griechiſchen Unterrichts (1900). =- Scheindler: Me-
thodit de3 Unterrichts in der griechiſchen Sprache (1915).
--- Verbindung zwiſchen Altertum und Gegenwart (j.
Abſchn. 2): Henſe-Leonard: Griechiſch-römij tertumskunde (1928 *), S. 8ff., mit reichen Literatur-
angaben, Lammer.
Grimm, Jacob. und Wilhelm. 1. Leben.
2. Lehre.
1. Leben. Selten iſt ein Brüderpaar ſo ge-
ſchloſſen dur Ludwig Karl umd Wilhelm Karl Grimm.
Schon während der Studienzeit ſchrieb J. aus
Paris an W.: „Wir wollen uns einmal nie
trennen, und gejeßt man wollte einen anders
wohin tun, jo müßte der andere gleich auſf-
jagen.“ Und in ſeiner Gedächtnisrede auſ den
Tod des Bruder3 ſagte er am 5. Juli 1860:
„So nahm uns denn in den langjam ſchleichen-
den Schuljahren ein Bett auf und ein Stübchen,
da jaßen wir an einem und demjelben Tijch
arbeitend, hernach in der Studentenzeit ſtanden
zwei Betten und zwei Tiſche in derjelben Stube,
im ſpäteren Leben nod) immer zwei Arbeits-
tiſche in dem nämlichen Zimmer, endlich bis
zuleßt in zwei Zimmern nebeneinander, immer
unter einem Dach in gänzlicher unangefochten
und ungeſtört beibehaltener Gemeinſchaft unjrer
Habe und Bücher, mit AuSnahme weniger, die
jedem gleich zur Hand liegen mußten und darum
doppelt gekauſt wurden.“ Gemeinſame Arbeiten
von ihnen erſchienen mit dem Namen „Brüder“
Grimm, und ſo leben ſie heute im Andenken
der Teutſchen fort. Jhr Lebenslauf iſt ſo eng
miteinander verknüpft, daß er nur ungetrennt
dargeſtellt werden kann.
Väterlicherſeits8 ſtammen ſie aus einem Ge-
ſchlec gebracht hat. Der Vater war NRechtsanwalt,
ſpäter hochfürſtlich Heſjen-Naſſamjcher Stadt-
und Landſchreiber in Hanau. Dort wurde J.
als zweiter Sohn am 4. Januar 1785 geboren;
W. folgte am 24. Februar 1786. Mit vier
anderen Geſchwiſtern, darunter einer Schweſter,
wuchſen ſie heran. (E38 war ein einfaches, aber
glückliches Familienleben im Geiſte des re-
formierten Glaubensbekenntniſſe3. Liebe zur
Heimat und zum Vaterland war der Grund-
gedanfe ihrer Erziehung. Den erſten Unter-
richt genoſſen ſie bei einer Schweſter des Vaters
und dem Stadtpräzeptor Zinkhahn. 1791
ſiedelte die Familie nac) Steinau Über, wo
der Großvater 40 Jahre lang Pfarrer geweſen
war und der Vater jetzt zum Juſtizamtmann
ernannt wurde. Aber ſchon 1796 ſtarb er.
Griechiſcher Unterricht -- Grimm


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Troß wenig günſtiger wirtſchaftlicher Verhält-
niſſe ſorgte die Mutter für eine gute Erziehung,
wobei jie von ihrer Schweſter, Henriette Vhi-
lippine Zimmer, der erſten Kammerſrau der
Kurfürſtin in Kaſſel, unterſtüßt wurde. 1798
zogen J. und W. nach Kajſjel, um das dortige
Lyzeum Fridericianum zu bejuchen. J. meint
in ſeiner Selbſthiographie (bei Juſti, Grundlage
zu einer heſſiſchen Gelehrten-, Schriftſteller-
und Künſtlergeſchichte, Marburg 1831), daß
„das damalige Lyzeum bei weitem nicht unter
die vollfommenſten Anſtalten ſeiner Art gerechnet
werden durſte“. Schon im Frühjahr 1802
ſiedelte J. auf die Univerſität Marburg über:
es fam darauf an, daß ex als ver älteſte der noch
lebenden Geſchwijter möglichſt bald ein Studium
ergriff, das zu einer Stellung führte, die die
finanziellen Sorgen der Familie verringern
konnte. Er wählte das juriſtiſche Studium, aus
keinem anderen Grunde als dem, daß der Vater
Juriſt geweſen war und die Mutter es gern
jah. 1803 folgte W., der wegen ſeiner Krankheit
ein halbes Jahr lang das Zimmer nicht hatte
verlaſſen dürfen, nach Marburg no<. Die
Lehr- und Forſchertätigkeit des jungen Savigny,
dem jie auch perſönlich näher traten, zog die
beiden an. Anfang 1805 reiſte J. auf Veran-
laſſung Savigny38 nac< Pari8, um dieſem bei
jeinen Vorarbeiten für die Geſchichte des
römiſchen Rechts im Mittelalter behilflich zu
jein. Hier nahm er die Möglichkeit wahr, alt-
deutſche Handſchriften, unter anderen die große,
damals in Paris befindliche Liederhandſchrift C
in Augenſchein zu nehmen. Im Herbſt de38
gleichen Jahres kehrte ex über Marburg mit
W. nach Kaſſel zurürt. Januar 1806 wurde
er -- ohne irgendein ſeine Studien abſchließen-
des Examen abgelegt zu haben -- als Sekre-
tariat8-Akzeſſiſt beim kurfürſtlichen Kriegs-
follegium mit einem geringen Jahresgehalt
angeſtellt. W. beſtand im Frühjahr 1806 jein
Cxamen in Marburg. wegen der Ungunſt der
politiſchen Verhältnijje aber kam er zunächſt
nicht zu einer Anſtellung. Als nach dem Zu-
jammenbruch die Franzofen am 1. November
1806 in Kaſjel einrückten, wurde das Kriegs-
kollegium in eine Truppenverpflegungskommiſ-
jion umgewandelt, und IJ. fiel bei ſeiner Kennt-
nis der franzöſiſchen Sprache die Aufgabe zu,
den Dolmetſch zu ſpielen. Als die Laſt dieſer
unangenehmen Arbeit zu ſchwer wurde, nahm
er ſeine Entlaſſung und blieb ein Jahr lang
ohne Anſtellung. Am 27. Mai 1808 ſtarb die
Mutter, ohne eins ihrer Kinder verſorgt zu ſehen.
Erſt am 5. Juli 1808 konnte J., und zwar auf
Betreiben des Geſchichtichreiber3 Johannes
von Müller, em Amt antreten. Ex wurde
Privatbibliothefar des König8 Jerome und am
17. Februar 1809 außerdem Auditeur au Conseil
d'Etat mit einem bedeutenden Gehalt. Dieſe

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