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ſtande wären. =- Die Hoſwyler Armenſchule
wurde vorbildlich für viele ähnliche Gründungen
(Linthkolonie, Beuggen, Carras bei Genf, Schur-
tamnen bei Trogen u. a.).
F. zielte durch die Armenſchule auf eine allge-
meine Umgeſtaltung der ländlichen Volksſchule.
Unerläßlich daher, Fürſorge zu treffen für eine
angemejſene Lehrerbildung. Dies geſchah) in
Geſtalt der jogenannten Normallurſe für Volks-
Ichullehrer (Fortbildungskurſe während der Soms-
merzeit), zuerſt in den Jahren 1808/09 durchge-
führt. Einſicht in ihre Unzulänglichfeit und die
unſzeundliche Haltung der Bernex Regierung
veranlaßten F., ſie dann bis 1832 einzuſtellen.
Inzwiſchen übernahm die Armenſchule unter
Wehrlis Leitung die Lehrerausbildung. Als 1832
das erſte ſtaatliche Lehrerſeminar (ſtändige Fort-
bildungskurſe für Volksſchullehrer)eröffnet wurde,
übernahmen Hoſwyler Lehrer (Wehrli, Müller,
Wegmüller) größtenteils den Unterricht. Vom
Hoſwyler Kreis ging auch die Anregung zur
Gründung der erſten „Schullehrergeſellſchaft der
Nepublik Bern" aus. Noch 1833 organiſierte F.,
neben den ſtaatlichen, einen Frühjahrskurs ſür
Lehrer. -- Zu gleichem Ziel ließ F. wiederholt
gute Schriſten unter das Landvolk verbreiten;
auch) Volksfeſte wurden in ähnlicher Abſicht ver-
anſtaltet.
Der Hofwyler Erziehungsſtaat, als Abbildung
der geſelljchaſtlich=-politijchen Ordnung gedacht,
jollie alle Stände und ihre Sonderbedürfniſſe
berücfſichtigen. Schon 1807 wurde der Grund
gelegt zu der rajch zu Blüte und internationalem
Anſehen gelangten Bildungsanſtalt für Söhne
höherer Stände. (Wiſſjenſchaftliche Bildungs-
anſtalt-Gymnaſium, Lehrer: Griepenkerl, Lippe,
Theodor Müller, Fr. Kortum u. a. namhaſte
Perjönlichkeiten). Die Anſtalt, ſtreng und ein-
ſeitig im Geiſte des Neuhumani8mus geführt
(alte Sprachen, Mutterſprache, Geſchichte im
Mättelpunkt), iſt pädagogiſch wenig belangreich:
in Wirklichkeit ein typiſches Kollegium für Herren-
jöhne, ausgezeichnet höchſtens durch den über-
nationalen Geiſt und die Berührung mit den
Bildungsanſtalten ſür niedere Stände. Sie war
weſentlich finanzielle Stüße der geſamten Unter-
nehmung.
Zunigere Sorge widmete F. der 1830 einge-
gliederten Mittelſtand3- und Realſchule, welche
eher nationalſchweizeriſch und i. e. S. erzieheriſch
gedacht war. Die pädagogiſche Leitung wurde
Th. Müller, einem in ſchweizeriſche Verhältniſſe
wohl eingelebten Mecklenburger, anvertraut.
Allgemeime Grundlegung der Berufsbildung
galt als Ziel. Die Realjchule übernahm teil-
weiſe auch die Vorbereitung zum Lehrerberuf.
Hoſwyl jorgte fernerhin für die Ausbildung der
Söhne begüterter Landwirte (ſogen. Höheres
Landwirtſchaftliches BildungsSinſtitut); es beſaß
zeitweiſe eine Töchterſchule (Frauenarbeits-
Tellenberg

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jchule), jeit 1841 eine Kleinkinderſchule; 1844 er-
richtete F. auf dem eigens angekauften Rüttigut
nahe bei Bern eine weitere landwirtſchaftliche
„emenjcule, zugleich al38 Handwerkerichule ge-
acht.
T-8 politiſche Tätigkeit ſteht gleichſall8 gänz-
lich im Dienſte ſeiner pädagogiſchen Beſtrebun-
gen. Den Standesgenoſjen wegen ſeiner aufge-
Härt liberalen Geſinnung entfremdet, griff F. in
die Staats8geſchäfte erſt tätig ein, als nach 1830
die ſogen. liberal-demokratiſche Regeneration an-
brach. (Mitglied des Verfaſſungsrate8, des
Großen Rates, Vorſteher des Erziehungs8depar-
tements, 1833 Landammann). Aber auch das
neue Regiment begegnete ihm mit Mißtrauen
(F-. eignete ſich ſeines ungebändigten Tempera-
ments wegen nicht zum Staat8mann). Die Exr-
richtung der kantonalen Lehrerbildungsanſtalt
in Münchenbuchſee 1832 wurde auf jein Be-
treiben beſchloſjen. Unerträglichfeit mit dem
Rektor Pf. Langhans entzog ihm aber bald allen
Einfluß auf die Anſtalt. F.8 Bemühungen, die
Hofwyler Anſtalten vom Staate übernehmen zu
laſjen, damit ihr Fortbeſtand nach ſeinem Tode
gejichert würde, mißlangen. Die letzten Jahre
jeine3s Lebens (1835--1844) opferte F. gänzlich)
der inneren Hebung ſeiner Anſtalten und der
Sorge um die menſchheitlichen und nationalen
Zwetde, für die ſie beſtimmt waren. Davon zeugt
jeine damals lebhaft einſeßzende literariſche Tä-
tigkeit (ſ. die „Pädagogiſchen Blätter von Hof-
wyl“). F. jtarb, noch in voller Rüſtigkeit, 73
jährig (2. 11. 1844) an Lungenentzündung. Die
Anſtalt erlebte noch eine kurze Nachblüte unter
der vorzüglichen Leitung ſeines ihn pädagogiſch
überragenden Sohne38 Wilhelm. Familien-
zwiſtigkeiten veranlaßten die endgültige Schlie-
Bung 1848.
F. war als Pädagoge weder theoretiſch noch
praktiſch ein ſchöpferiſch-origineller Geiſt. Er
jaßte jeine Aufgabe dahin, abjeits aller Jdeologie
„genugtuende Anſchauung des Beſſeren“ im er-
zieheriſchen Leben zu verſchaffen. Was ihn aus-
zeichnete und ſeine praktiſchen Erfolge erklärt,
Das iſt die früh entfachte idealiſche (mehr intellek-
tuelle als gefühl3mäßige) Begeiſterung für die in
der Aufklärung und ſpeziell im KantiSmus wur-
zelnden Humanitätswerte, gepaart mit ſtarkem
Tat- und Herrſchaft8willen und organiſatoriſcher
Begabung. Erziehungsgeſchichtlich liegt ſeine
Bedeutung einzig darin, einer der dem Range
nach erſten unter jenen peſtalozziſchen Epigonen
geweſen zu ſein, welche des Meiſters Geiſt in
praktiſch ſich bewährende Tat umzuſeßen be-
ſtimmt waren. Ausgeſprochener Herrſchafts-
iypus (einſeitiger Intellekt-Willensmenſch) ver-
mochte er, obwohl jelber wenig zum Erzieher be-
gabt und ver Menſchenbehandlung fähig, dadurch,
daß er ſeine Begeiſterung auf die Mitarbeiter
ausftrahlie und ihnen mit dem Beiſpiel eiſernen,

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