835 Hiße -- Höflichkeit 836
gerötet, die Angen glänzen, es treten Kopf- | Natürlichkeit, Geſ und Verſtand ſich
ſchmerzen, das Gefühl der Beklemmmung und E38 gibt
Trockenheit im Halje auf; bei höheren Graden
wird die Haut trocken und brennend, es ſtellt ſich
Flimmern vor den Augen und Ohrenſauſen ein;
die Herzaktion wird ſtürmiſch, die Glieder be-
ginnen zu zittern, die Sprache wird lallend, und
es fommt zu Bewußtloſigkeit. Wir haben das
Bild des Hibſchlage3, dex zum Tode führt,
ſjalls die Wärmeſtauung nicht beſeitigt wird.
Dem Hibjſchlage begegnen wir hauptſächlich
in den ſeuchtwarmen tropiſchen bzw. jubtro-
piſchen Ländern, doch auch bei uns im heißen
Sommer, wenn die Luſt warm und ruhig und
mit Feuchtigkeit ſtark geſättigt iſt (Gewitter-
jehwüle). Gtarfe körperliche Anſtrengungen,
bejonders Märſche, die eine große Wärmepro-
duktion bedingen, führen dann leicht zum Hiß-
Ichlag. Auch in warmen, mit Menſchen über-
füllten Räumen, wo die Luſt infolge de3 ausge-
atmeten bzw. durch die Schweißjekretion ver-
dunſteten Wajjerdampſes mit Feuchtigkeit ſtark
gejättigt iſt, kann es zu Wärmeſtauung und hiß-
Ichlagähnlichen Symptomen kommen.
Cin Schulkind gibt pro Stunde etwa 20 g
Wajjer und 50 Kalorien an die Außenluft ab.
Im allgemeinen wird die Temperatur eines
Schulzimmers hierdurch etwa um 2--3* erhöht;
ſtärfer als die Temperatur ſteigt der Feuchtig-
feitsgehalt. Die Temperatur des Schulzimmer3
joll daher nach Möglichkeit um 19 * € gehalten
und der Feuchtigkeitsgehalt durch genügende
Lüftung herabgeſezt werden. Für die Schulen
muß eine mindeſtens dreimalige Luſterneuerung
in der Stunde geſordert werden. Die Lüſtung
während des Unterrichtes muß unabhängig von
den Fenſtern erſolgen ; daneben joll eine Durch-
lüftung der Klaſſenzimmer durch Öffnen der
Venſter, beſonders während der Pauſen, keines3-
wegs unterbleiben. Jm Sommer ſoll der Unter-
richt, ſobald die Temperatur in den Klajſjen-
räumen um 10 Uhr morgens 25 * € beträgt, aus-
ſjallen (Hißeſerien). Huntemüllex,
Hohſhnlen fiir Muſik [. Hochſchulweſen und
das Bildungsweſen der Länder.
Hochſhnlwejen |. Schlußband (Nachträge).
Hodegetik ji. Führung (erzieheriſche).
Höflichkeit, 1. Weſen und Äußerungen. H. iſt
Bildung; das Gegenteil der H., die Rückſichts-
lojigfeit, iſt Natur. Darum ſollte H. dem Er-
zieher zu eigen ſein und dem Zögling zu eigen
werden. Das gilt von der echten H. als einer
Ausdrudsform de3 Herzens, die zu allen Zeiten
und unter allen Geſchlechtern gleich iſt und ihre
tieſſte Quelle in dem Geiſt der Liebe Chriſti hat
(Math. 20, 28; Joh. 13). Es gibt auch eine
äußere und herkömmliche H., die nach Zeit
und Mode wechſelt und gelegentlich von



leichweit entfernt (Grußſormen !).
ferner eine „landeSübliche" oder konventionelle
H., die vem Ol gleicht, das die inneren Di8harmo-
nien und die äußeren Reibungen in der Geſell-
Ihaft3maſchine überwinden helfen muß. Es gibt
auch eine kalte, ablehnende H., die wie ein Schat-
ten ohne Leib wirkt, aber für den Dünkelhaſten
oder Taktloſen heiljam werden kann. Wenn
Dieje herzloſe H. ſich zur Maske verſteiſt, wird H.
zur Heuchelei oder Kriecherei. Goethe umſchreibt
den Bezirk der H. treffend in Ottilien8 Tagebuch:
„Es gibt eine H. des Herzens, ſie iſt der Liebe ver-
wandt. Aus ihr entſpringt die bequemſte H. des
äußeren Betragens3.“ Die natürliche H. hat zwei
Seiten: als negative Leiſtung iſt ſie Anſtand,
der uns meiven heißt, was für andere läſtig oder
widerwärtig jein könnte; ihren poſitiven Wert
kennzeichnete der Nömerx ſinnvoll mit humanitas,
Menjchlichfeit. Denn in der freundlichen H.,
die aus dem ganzen Benehmen jpricht, bekundet
ſich, daß ich in dem andern die menſchliche Per-
jönlichkeit ehre, daß ich ihn als weſensgleid) an-
erkenne, auch wenn die Geſellſchaſt die Rollen
verſchieden verteilt hat, ja daß ich ihm, rein
menſchlich angejehen, den Vorrang laſſen könnte
und zu dienen bereit wäre aus der gegenſeitigen
humanen Bezogenheit und um des chriſtlichen
Gewiſſens willen. Wer im Umgang mit Kindern
und Untergebenen immer die von Gott geſchaf-
jene Seele des andern vor Augen hat, wird
weder in Grobheit ſich gehen laſſen und ab-
ſichtlich die Höflichkeit8pflichten vernachläſſigen,
noch durch Ungejc Der Naturanlage oder der Erziehung an den Tag
legen, noch durch „Schneidigteit"“ oder Groß-
ſpurigkeit dasGeltungsbedürfnis zur Schauſtellen
und den andern in den Winkel rücken (ſ. Art.
„Beſcheidenheit“); er wird auch nicht bloß gegen
einige die H. beweiſen, ſondern gegen alle. Jede
Form der Rücdſichtsloſigkeit bekundet einen Man-
gel an vornehmer Geſinnung und verbittert,
jedeH. gewinnt („Mit dem Hut in der Hand. . .“).
Der Höfliche zeigt ſchon dem Fremden, mehr noch
dem ihm irgendwie Verbundenen: ich achte dich,
ich bringe dir Wohlwollen entgegen, ich bin be-
reit zu ſriedlich-ſreundlichem Umgang und dienſt-
willigem Verkehr. Die in der H. ſymboliſch aus-
gedrücdte Humanität iſt ihven Urſprüngen nach
joziale Gerechtigkeit und ſich mitteilende Güte.
2. Höflichkeit des Erzieher5. Die H. des Cr-
ziehers iſt eine Schranke, vor der oft Unart und
auch Böswilligkeit des Zöüögling3 haltmachen;
durch die H. der Beſehl3ſorm wird mancher Un-
gehorſam im Keime erſtickt. Denn der H. und
Teinfühlichkeit eignet eine ſuggeſtive Gewalt;
jie entwaſſnet den Unſeinen und läutert ihn.
Wo „Schlaſro>pädagogik" herrſcht, d. h. wo der
Erzieher ſich gehen läßt im Verkehrs8ton und die
guten Umgangsformen außer Kurs ſett, da hält

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