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und ganze J< zum Gegenſtand ihrer Arbeit
macht.
Literatur. Adam Smith: Selbſtbiographie D. H8.
(1777). = Burton: Liſe and Correspondence o! D. H.
(1846). =- Engliſche Ausgabe der Werke H.8 von Green
und Groſe, 4 Bde. (1898). -- Deutſche Überſetzungen:
Th. Lipp3: Abh. über die menſchl. Natur (1895, 1904,
1906); N. Nichter: Unterſ. über den menſchl. Ver-
ſtand (1907*); Fr. Paulſen: Dialoge über natürliche
Religion (19052); W. Bolin: Die Naturgeſchichte der
Religion (1909). =- Fr. Jodl: Lehen und Phiwſophie
D. H.3 (1872). =- Meinong: Hume-Studien (1877 bis
1882). = R. Richter: Der Skeptizigmus 11, S. 235 bis
428. -- Dazu die neueren Geſchichten der Philoſophie.
Bruhn.
Humor |. Hohn uſw.
Hutten, Ulrich v. (1488-1523), der ritterliche
Kämpfer für GeiſtesSſreiheit und deutſches Weſen,
ſpiegelt in Verjon, Leben und Schriften das
leidenſc neue Zeit vom Mittelalter löſte. Geboren auf
Burg Stedelberg als Sohn 'eine3 fränkiſchen
Ritters, wird er mit 11 Jahren ins Kloſter Fulda
getan, um Mönch zu werden. Den Siebzehn-
jährigen treibt unbändiger Freiheitsdrang zur
Flucht. Vom Vater verſtoßen, führt er 12 Jahre
hindurch das Wanderleben eines fahrenden
Schüler38. Von Köln ausgehend, beſucht er die
meiſten Univerſitäten Deutſchlands und, in
zweimaligem längeren Aufenthalt, auch die-
jenigen Italiens, immer hin- und hergeriſſen
zwiſchen ſeiner leivenſchaſtlichen Natur, die ihn
im Abenteuer, Nöte und frühe3 Siechtum ver-
ſtridte, und einem glühenden Drang nach dem
Wahren und Schönen, der ihn bald zur Zierde
des gelehrten Humanismus, zum Dichter und
literariſchen Vorkämpfer gegen undeutſches
Wezjen und römij dem er dur) ſcharfe Reden gegen den Herzog
Ulrich von Württemberg, durch ſatiriſche Cpi-
gramme gegen die Venediger und den Papſt,
durch mutiges Eintreten für Reuchlin und
tätigen Anteil an den „Brieſen der Dunkel-
männer" an die Spiße der deutjchen Humaniſten
getreten, von Kaijex Maximilian 1517 in Aug3-
burg zum poeta laureatus gefrönt und vom
Erzbijchof Albrecht von Mainz in Dienſt genom-
men war, trat er als „ein fertiger Mann" 1518
mit der Herausgabe der Schrift „Laurentius
Vallas"“" über die angebliche Schenkung Kon-
ſtantins, der er eine ironiſche Widmung an Papſt
Leo X, beiſügte, in den durd) Luther entfachten
Kampf wider Rom ein, ohne freilich zunächſt
von jeinem humaniſtiſchen Standort aus ein
Verſtändnis für den Mönch von Wittenberg ge-
winnen zu können. Die Leipziger Disputation
von 1519 erſt ließ ihn die Größe des Reformators
xfennen, in dem er ſortab den Führer im Be-
reiungskampf Deutſchlands gegen das römiſche
Joch erbli>te und deſſen Geiſteswaffen er jeiner-
eits mit Feder und Schwert zum Sieg zu ver-
jeljen hofjte. Durch Melanchthons Vermittelung
Hume -- Hutten

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bot er Luther den Schuß ſeines Freundes
Sickingen an und warb in dringlichen Briefen
perjönlich um Luthers Bunde38genojſenſchaft für
die geplante Erhebung der Ritterſchaft, der Städte
und vielleicht auch Bauern gegen Rom, doch ohne
den Reformator für ſeine patriotiſch-revolutio-
nären Ziele gewinnen zu können. 1520 führt
er in ſeinem Dialog „Vadiscus oder die römiſche
Dreieinigkeit" die gleiche machtvolle Sprache
gegen rümiſche Aus8beutung, Argliſt und Laſter-
haſtigfeit wie Luther in feiner wenige Monate
darauf erſcheinenden Schrift „An den chriſtlichen
Adel", ohne daß die leßtere von der ſeinigen
irgendwie abhängig wäre. So wenig überhaupt
die Anſicht berechtigt iſt, daß Luther erſt durch
den Vorgang H3. ermutigt worden ſei, ſich an
die deutſche Nation zu wenden, ſo gewiß viel-
mehr der Patriot Luther bereits auf dem Plane
war, als H. Rom den Krieg erklärte, und niemals
mit der „Hutten-Sickingenſchen Revolutions-
partei“ im Bunde geſtanden hat, jo gewiß iſt
andrerjeit3 die Berührung zwiſchen beiden
Männern nicht nur für ſie, ſondern für den
Verlauf der Reformation von Bedeutung ge-
wejen. Wie Luther nicht zum wenigſten aus
der begeiſterten Hingabe des Nitter3 den frohen
Glauben an das deutſche Volk geſchöpft haben
wird, in dem er hinfort die Sache des (Cvan-
geliums zur Sache der Nation machte, ſo ſtreiſte
H. unter dem Eindruck der Perſönlichkeit Luthers
die „humaniſtiſche Löwenhaut"“ ab, lernte deutſch
ſchreiben und dichten und ſeine patriotiſchen Ziele
mit Bibel und lutherijcher Glaubensfreiheit
zuſammeniſchauen, ſo wenig man andrerſeits
von tieſerem Eindringen in Luther3 religiöſes
Crlebnis bei ihm wird reden dürfen. Im übrigen
gingen beide getrennte Wege: Luther den des
religiöſen Geiſteskampfes unter dem Schuß der
deutſchen Fürſten, H. den der nationalen Selbſt-
hilfe unter Vorgang des Kaijer3 und, falls dieſer
verſagte, der Ritterſchaft und Bürger. Huttens
Weg ſollte nicht zum Ziele führen. Mit dem
mißglückten Verjuch, den Erzherzog Ferdinand
für ſeine Pläne zu gewinnen, ſezt der Um-
jchwung in jeinem Lebensdrama eim. Mit dem
Bannſtrahl wider Luther erfolgte aud) das Ver-
langen Noms auf Auslieſerung H8. Sickingen
bot dem BWVerfemten Unterkunft auf ſeinen
Burgen, den „Herbergen der Gerechtigkeit“.
Die Muße nußt H. zu einer Schlag auf Schlag
folgenden Reihe von Kampfesſchriften voll
lodernden Zornes, in denen er die Nation zun
FreiheitsSkampf auſruſft: Klagjchreiben an König
Karl, den Kurfürſten von Sachſen, Erzbiſchof
Albrecht, die Deutſchen aller Stände, Gloſſen
zu der Bannbulle, Gedichte über die Verbrennung
von Luthers Schriften, Klage und Vermahnung
gegen die übermäßige Gewalt de3 Papſtes,
Die Bulle oder der Bullentöter uſw. Jmmer
drohender wird ſeine Sprache; immer ſchwerer

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