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allen Staaten -- und zwar ohne Unterſchied für
die Volk8-, mittleren und höheren Schulen ---
im weſentlichen die gleiche jein. Gleiche Dauer
der Einzelferien iſt erwünſcht.“ Darauf iſt ent-
jprechend einem Beſchluſſe des Reichsſchul-
ausſchuſſes eine Bekanntmachung ves Neich3-
miniſters des Innern vom 16. 5. 1922 ergangen,
nach der die Dauer der Schulferien im ganzen
Reiche 85 Tage beträgt, einſchließlich der darin
enthaltenen Sonn- wid Feiertage, und es den
Ländern Überlaſſen bleibt, die Ferien in dieſer
Geſamtdauer nach ihrem Ermeſſen zu verteilen.
Der Preußiſche Unterrichtsminiſter hat am
18. 11. 1922 entſprechend verfügt. Bei den
grundjäklichen Beſtimmungen des Miniſterial-
Erlaſſes vom 6. 11. 1913 verbleibt es. Die
ſünf Tage mehr ſind in erſter Linie den Pfingſt-
jerien zuzulegen; die ganze Woche nach dem
Pfingſtfeſt ſoll unterrichtsfrei bleiben. Erwartet
wird, daß Tagungen der Lehrer und Lehrer-
verbände nur noch innerhalb der Ferienzeit ab-
gehalten werden. Der Sonntag, der dem Sonn-
abend folgt, an dem der Schuljchluß ſtattfindet,
gilt als erſter Ferientag, der am Schluß der
Ferien liegende Sonntag als erſter Schul-
wochentag. Die meiſten deutſchen Länder
kennen außerhalb der allgemeinen Ferien nur
Hißeferien, Bayern auch Kälteferien.
Die ſrühere Verſchiedenheit des Beginns
des Schuljahrs (Oſtern oder Michaelis) iſt jetzt
bejeitigt, nachdem die Unterrichtsverwaltungen
der Länder auf Grund einer Beſchluſſes des
NReichsſchulausſchuſſes vom Oktober 1920 die
Vereinbarung getroffen haben, den Beginn des
Schuljahres an ſämtlichen allgemein bildenden
Schulen einheitlich auf das Frühjahr zu verlegen.
zn wenigen preußiſchen Regierungsbezirken und
im Freiſtaat Sachſen iſt der Schulbeginn auf den
1. April, in Bayern auf den 1. Mai angeſeßt.
Bei der verſchiedenen Anberaumung und
Verteilung der Sommer- und Herbſtfe-
rien (in Oſt- und Mitteldeutſchland getrennt, in
Weſt- und Süddeutſchland zuſammengezogen)
iſt es verblieben, da nach einem Beſchluſje des
13. Ausſchuſſes der Reichsſchulfonſerenz das
völlige zeitliche Zuſammenſallen aus wirtſchaft-
lichen Gründen nicht empfehlen3wert erſcheint.
Für die Lehrer gelten die Ferien als Urlaubs5-
zeit. Die für die Univerſitätsferien er-
lajjenen Vorſchriften, welche in Preußen nur
hinſichtlich der Oſter- und Herbſtſerien einen
allgemeinen Charakter haben, werden nicht mehr
beachtet. Jn der Praxis hat eine Ausdehnung
der Zeit ſtattgefunden, in der Vorleſungen nicht
gehalten werden. Sachſe.
Fertigkeiten ſ. Kenntniſſe uſw.
Fibel. 1. Geſchichtliches. 2. Bedeutung
als Lehrmittel. 3. Geſtaltung 4. Schriſt-
art. 5. Bildſchmu>. 6. Ausſtattuna.
Ferien -- Fibel

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1. Geſchichtliches. Der Name „Fibel“ wird
von einigen Forſchern (3. B. Kluge) hergeleitet
von fibula = Spange, Heft; wahrſcheinlich be-
deutet er aber (nach J. Grimm u. a.) eme „kleine
Bibel“ (Bibel = Buch). Urſprünglich bildete die
Bibel die Grundlage für das Leſjenlernen. In
den Kloſterſchulen des 8. bis 10. Jahrhunderts
wurde nach Cinprägung der Buchſtaben in dem
lateinijchen Pſalter geleſen. Das Schreiben
wurde erſt ſpäter erlernt. Zur Vorbereitung
auf das Bibelleſen wurden Abc-Büchlein ge=-
ſchaffen, die als Vorläufer der F. angeſehen wer-
den können. Solche Abc-Büchlein entſtanden be-
ſonders nach Erfindung der Buchdruckerfunſt.
Sie enthielten außer dem Abc noch den Glauben,
die Gebote, das Vaterunſer und einige Gebete.
In den Schulen der Reformation3zeit wurde das
Leſenlernenzu dem Zwecke geübt, daß da3 Volk die
Bibel in deutſcher Sprache leſen könne. So wird
in dem ſächſiſchen Schulplan Melanchthons vom
Jahre 1528 gefordert, daß die Kinder zuerſt leſen
lernen aus „der Kinder Handbüchlein“. Valen-
tin J>eljamer gab 1534 eine F. unter dem Titel:
„Die rechte Weis auf3 kürziſt leſen zu lernen“
heraus, in der bereit3 die Lautiermethode ange-
wandt wurde. Um den Kindern das Merken der
Buchſtaben zu erleichtern, nahm man jpäter
kleine Bildchen von Tieren, Pflanzen oder Ge-
räten auf, die durch derbe Knittelverſe erläutert
wurden. AlsSinnbild der Auſmerkſamfeit wurde
vielfach der Hahn zum Titelbild gewählt. Auf den
großen Wert der Anſchauung als Grundlage ves
Unterricht3 wies zuerſt Comenius in ſeinem 1657
erſchienenen „orbis pietus“ hin, der durch Bilder,
Benennungen und Beſchreibungen dieECrlernung
der deutſchen und zugleich der lateiniſchen Spra-
dung von Leſen und Schreiben. Der Ausdruc
„Fibel“ wurde erſt im 18. Jahrhundert allge-
meiner. Von den F.1u jener Zeit haben beſondere
„Bedeutung erlangt: die Halleſche Waiſenhaus-
fibel, Baſedows „Kleines Leſebuch für Kinder
aller Stände" und Rochows8 „Kinderſreund“
1776. Reſtalozzi benußte zum Leſenlernen Papp-
täfelchen, auf denen die Vokale rot, die Konſon-
nanten ſchwarz bezeichnet waren. Seine F. ent-
hielt lange Übungsreihen von Silben und Wör-
tern. Die F.1n folgten in ihrer Geſtaltung den
verſchiedenen Leſelehrmethoden. Erſt im 19.
Jahrhundert, als man ſich endgültig von der
Buchſtabiermethode abgewandt hatte und neue
Wege ſuchte, entſtand eine mannigſaltigere Fibel-
literatur. Der Begründer der Lautiermethode
Stephani gab 1802 eine „Fibel oder Clementar-
buch zum Leſenlernen“ heraus. Für die Ver-
bindung des Schreibens und Leſens trat
Graſer (|T 1841) ein. Auf ſeine Anregung hin
entſtanden zahlreiche Schreibleſefibeln. Die
analytiſch-ſynthetiſche Methode fand ihren Bahn-
brecher in dem Franzoſen Jacotot (1770-1840),

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