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ruht e8, daß man von den Leiſtungen d es menſch-
lichen Geiſtes ſpricht, da ja alle, weil unter der
gleichen Herrſchajſt der Logik ſtehend, an dem
Bau der Erkenntnis zuſammen arbeiten können.
Analogien dazu ſinden ſich nur auf dem Gebiet
der praktijchen Vernunſt, nicht auf dem des
„Seelen“lebens. Troßdem gibt es auch in der
Sphäre des Intellefts individuelle Verſchieden-
heiten. Und zwar kann man nicht bloß von
Intelligenzgraden ſprechen, ſondern auch von
Intelligenzty pen. ,
Die Verſchiedenheit der Intelligenz dem
Gradenad) iſt allbekannt. Geht die intellektuelle
Begabung über ein gewiſſes Maß hinaus, ſo
ſpricht man von einem „intelligenten“ Menſchen.
Andererſeits kann die Intelligenz bis zum
Stumpſjinn hinabſinken. Wo die Mittel dazu
ausreichen, ſucht man neuerdings den intellektuell
Tieſſtehenden (neben den durch Krankheit ujw.
Zurückgebliebenen) durch Zuſammenfaſſung in
beſonderen Klaſſen die Sache zu erleichtern.
Die krankhaften Störungen des Jntellekts,
ſo wichtig ſie ſind, auch für die Pädagogik, bilden
ein Kapitel für ſich und können hier nicht be-
ſprochen werden.
Die Unterſcheidung von JIntelligenztypen iſt
wegen der großen Abweichungen der philo-
ſophiſchen und pſychologiſchen Standpunkte keine
einheitliche. Jm Anſchluß an den Artikel über
den Intellekt (f. d.) können wir unterſcheiden
Menſchen, bei denen der Verſtand ſtark in den
Vordergrund tritt („Verſtande3menſchen“),
Menſchen mit beſonders hochentwickelter Ur-
teilsfraft, was durchaus nicht mit der Ver-
ſtande3begabung zuſammenfällt (ſ. Art. „JIn-
tellett“), und ſolche, in denen die Vernunft
(ſ. Art. „Intellekt“) bejonders rege iſt. Leßtere
ſind für die Beſchäftigung mit philoſophiſchen,
theologiſchen und überhaupt Weltanjc fragen vor anderen geeignet. Doch darf nicht
außer acht gelaſſen werden, daß bei der Ent-
wicklung der einzelnen Seiten des Jntellekt3 das
Interejje, mag e8 von Haus aus vorhanden oder
von anderen angeregt ſein, eine maßgebende
Rolle ſpielt. Auch die konſtruktive Phantaſie
(]. Art. „Intellekt“), welche in alle genannten Ge-
biete hineinſpielt und auf allen von großer Be-
deutung iſt, iſt von jehr verſchiedener Leiſtungs-
fähigkeit. E35 gibt Menſchen, welche kaum im-
ſtande ſind, ſich ein Oktaeder vorzuſtellen. Mit
diejem Mangel an konſtruktiver Phantaſie mag
es zuſammenhängen, daß manche Menſchen für
Mathematik -- hauptſächlich handelt es fich dabei
wohl um die Geometrie =- [ov wenig Begabung
zeigen. Doch wird auch hier das von Haus aus
mangelnde oder durch einen wenig geſchickten
Lehrer nicht genügend angeregte Jnterejſe ſtark
mitwirken.
Die Fähigkeit, wirklich neue Jdeen zu pro-
duzieren, iſt ſehr ſelten, läßt fich durch die CEr-
Intelligenz -- Intelligenzprüfungen

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ziehung nicht beeinfluſſen und gehört wohl auch
der wiſjſenſchaftlichen Seite nach ins Gebiet des
Genies, das man bekanntlich nicht züchten kann.
Für den Unterricht iſt natürlich die Be-
obachtung und Berückfichtigung der Intelligenz-
typen von höchſter Bedeutung. An ſeiner ſtarken
(Seite angefaßt, wird mancher Schüler, welcher
jonſt zu verſagen droht, unter der Leitung eines
verſtändigen Lehrers, welcher zugleich das Jnter-
ejje zu weten verſteht, Selbſtvertrauen ge-
winnen und entſprechende Fortſchritte machen.
Literatur. G. Anſchütz: Die Intelligenz (1913). --
A. Lorand: Die menſchliche Intelligenz und ihre Stei-
gerung (1914). -- W. Stern: Die Intelligenz der
Kinder und der Jugendlichen (19202). -- E. Meumann:
Wille und Intelligenz (1925). -- W. Stern und
O. Wiegmann: Methodenſammlung zur Intelligenz
prüfung (1926?). -- Ziehen: Prinzipien und Methoden
der JIntelligenzprüfung (1918). =- W. Höger: Über
den objetftiven Wert von Jutelligenzprüfungen (1919).
=“- F. Rimat: JIntelligenzunterſuchungen (1925).
Koppelmann.
Futelligenzprüfungen. 1. Begriff. 2. Pſychi-
atriſche Intelligenzprüfung. 3. JIntelli-
genzprüfung in der pädagogiſchen Pſy-
Gruppenprüfung. 6. Zukunft3aufgaben.
1. Begriff. Unter Intelligenz verſteht man
nach einer von den meiſten anerkannten Be-
griffsbeſtimmung W.Stern3die „allgemeine
geiſtige Anpaſſungsfähigkeit an neue Aufgaben
und Bedingungen des Lebens". Ob es ſich bei
ihr um eine einheitliche Fähigkeit handelt,
vder vb die „intelligenten“ Verhaltung3weiſen
aus einer Kombination verſchiedener Fähigkeiten
fließen, kann hier nicht entſchieden werden,
fann aber zunächſt auch dahingeſtellt bleiben
angeſichts der Tatjache, daß ſich der Begriff eines
beſtimmten (individuell annähernd konſtanten)
allgemeinen Niveaus der Intelligenz als prak-
tiſch brauchbar, ja unentbehrlich erwieſen hat.
Die Feſtſtellung der (vergleichsweiſen) Höhe
dieſes Niveaus iſt biSher das Hauptziel der J.-P.
2. Pſychiatriſche Jntelligenzprüfung. Die Ge =
ſchichte der JIntelligenzprüfung als eines Hilfs-
mittels im Dienſte von Unterricht und Er-
ziehung iſt noch nicht alt. In der Pſychiatrie
hat man allerdings den Kranken ſchon ſeit ſehr
langer Zeit gewiſſe Fragen und Aufgaben ge-
ſtellt, deren Löſung oder Nichtlöſung dem Arzt
ein gewiſſes Bild von der Geſamtlage ihrer Ver-
ſtande3ſfähigteit geben follte. Gewiſje Probleme,
die auch bei der heutigen pädagogiſchen J.-P.
eine Nolle jpielen, ſind ſchon im der pſychia-
triſchen Prüfung deutlich hervorgetreten, ſo die
Notwendigkeit, Fragen und Aufgaben zu wählen,
die von eigentlich ſchulmäßigem Wiſſen und
Können möglichſt unabhängig ſind, ferner die,
den beſonderen Umſtänden des Einzelfalles ge-
recht zu werden, da ja nicht alle Unterſchiede der
Menſchen Intelligenzunterſchiede ſind, demnach
ein Verſagen oder ein Erfolg in dieſer oder jener

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