1253
nijſen des Unterrichts und hat ſich in dieſer Be-
jc zeigt und einen Plaz in der Schulgeſchichte
erworben.
1. Sein Lebensgang. K. wurde am 6. April
1830 in Goldbach bei Gotha geboren und ſtammte
aus ärmlichen Verhältniſſen. Sein Väier war
Saiſonarbeite,1 =- Holzhauer, Schnitter, Dreſcher
--, von geſundem Menſchenverſtand und ge-
meinnüßbigem Streben; die Mutter betreute mit
nimmermüdem Fleiß und hingebender Liebe das
Haus. Neben diejen „größten Wohltätern“
jeines Lebens, die in der Fürſorge für ihn wett-
eifern, übte die Großmutter mütterlicherſeits
mit ihrem Sinn für Geiſtiges weſentlichen Ein-
jluß auf den Werdegang des Knaben, und durch
den von ihr betriebenen Übergang in das Haus
ihres jüngſten Sohne8, der als Lehrer nach El-
geröburg verjeßt war, fand der Sechsjährige
[ehzeitig jeine Lebenslinie. Der Vlan, Muſik-
ireftor zu werden, lenkte ihn nur kurze Zeit von
dem eigentlichen Ziel der Lehrerlaufbahn ab;
die Freude an der Muſik nahm der Empfängnis-
ſrohe al8 ein Erbe aus der Thüringer Wald-
heimat und dem liedfrohen Lehrerhauſe mit ins
Leben. Mit 16 Jahren nahm ihn das Seminar
in Gotha auf und führte ihn aus der Welt der
Natur und der Kunſt in die des Wiſſens hinüber;
in der Freude am Studium und an der Muſik und
in enger Fühlung mit den benachbarten Eltern
vergingen ihm die drei Jahre unter den aller-
beſcheidenſten Leben3verhältniſſen. Cine ſchul-
prattijche Bildung pflegte das Seminar noch
nicht planmäßig; den Mangel empfand er, als
er 1850 der erſten Bürgerſchule in Gotha als
Lehrer zugewieſen wurde und troßz der Abgangs8-
note 1 hilflos den Kindern gegenüberſtand. Seine
Verlegenheitsabſicht, eine Organiſtenſtelle in
Tlorenz anzunehmen, gab er auf und erſekte
den Sto> durch das vorbeugende „wachſame
Auge“, als ihn ein erfahrener Amt8genoſſe auf
das Geheimnis des Unterrichts hinwies. Fortan
ſtrebte er durch lebendige Anſchaulichkeit der
Darbietung und Erweckung des Intereſſes die
Schüler nicht nur für den Lehrer, ſondern auch
für den Lehrſtoff zu gewinnen; ſo gewann er
jelbſt die Schule unverlierbar lieb. Die end-
gültige Anſtellung führte ihn 18562 in das ge-
werbſleißige, auch geiſtig regſame Ruhla. Hier
verdiente ex ſich die Sporen im Elementarunter-
richt, in der gemiſchten einklaſſigen Schule (mit
175 Schülern) und in der Oberklaſſe der Knaben-
ſchule. Er verfaßte ſeine erſte Schrift, eine Hand-
reichung für den deutſchen Unterricht, und brachte
es troß jeiner Jugend bis zum Inſpektor der
ſtaatlichen Gewerbeſchule und zum Mitgliede
er Lehrplankommiſſion für die Volksichulen des
Herzogtums, die den 1862 herau8gekommenen
amtlichen Lehrplan vorbereitete. Die Ernen-
nung (durch die Regierung) zum Direktor der
Kehr

1254
Bürger- und Gewerbeſchule in WalterShaujen
(1859) brachte den in Ruhla warm Gewordenen
in innere und äußere Konflikte, da die Be-
ſezungsfrage zwiſchen Miniſterium und Stadt
ſtrittig war und die Bürgerſchaft gegen K.5 Er-
nennung proteſtierte, ex außervem als Nicht-
ſtudierter erſtmalig die Gepflogenheit durchbrach,
die Schuldirektorenſtellen im Gothaiſchen mit
Theologen zu beſezen. Dazu kam, daß die örtlichen
Schulverhältniſje troſtlos waren! keine Gehalt8-
ordnung, kein Lehrplan, keine Lehrmittel; daſür
herrſchten Standesrücſichten und der elterliche
Geldbeutel in der Schule. Aber al8 K. nach
vierjähriger Wirkſamkeit den Ort verließ, herrſchte
Ordnung, und die Schule war aus einem Ge-
genſtand der Abneigung der Stolz der Bürger
geworden. Für K. erfüllte ſic) nun mit der Be-
rufung als erſter Lehrer und Inſpektor des Se-
minaxrs3 in Gotha (1863) das Ziel jeiner Wünſche,
und in der Tat bedeutet Gotha den Gipfelpunkt
ſeiner Wirkjamkeit. Er leitete die Seminar-
Übungsſchule und verſchaffte ihr durch die aus-
führliche Beſchreibung des Leitbildes einer Se-
minarſchule in ſeiner „Praxi8 der Volksſchule"
(S. 1-92) den Ruf einer Muſteranſtalt; am Se-
minar unterrichtete er unter dem genialen Karl
Schmidt, dann unter Fr. Dittes in Praktiſcher
Pädagogik, ſpäter auch in der Geſchichte der
Pädagogik. 1872 wurde ex ſelbſt, wohlvorberei-
tet, Direktor. Aber ſchon ein Jahr ſpäter folgte
er dem Ruf des preußiſchen Miniſters Falk, „um
ſeine Einſicht und Erfahrungen dem Schulweſen
eincs größeren Ganzen zu widmen". Das kam
jv: Da3 fortſchrittliche Volköſchulgeſeßz von 1863
hatte als Vorbedingung für die Auſnahme ins
Seminar die Sekundareiſe eines Gymnaſiums
oder die Primareiſe der Realſchule gefordert.
K. hielt, wie ſeine Vorgänger und ſeme Mit-
arbeiter, dieſe Art der Vorbildung ſür wenig
geeignet und ſchlug an ihrer Stelle die Errichtung
einer an die Volksſchule anſchließenden vierflaſ-
ſigen „Fortbildungsſchule“ vor. Unter dieſer
Voraunsſezung hatte er 1872 die Leitung der
Anſtalt übernommen. Als das Miniſterium ſeinen
Plan beim Landtag nicht durchzujeßzen vermochte,
ging K. nach Preußen, übernahm die Leitung des
Seminars in Halberſtadt umd vertauſchte dieſe
1884 mit Erfurt. An beiden Orten wirkte er an
der Geſtaltung der Lehrerbildung im Sinne der
„Allgemeinen Beſtimmungen" von 1872. Die
Hundertjahrfeier des Halberſtädter Seminars
hatte ihm von der philoſophiſchen Fakultät der
Univerſitöt Jena den Ehrendoktor gebracht, und
bei der Überſiedelung nach Erfurt wurde er zum
Schulrat ernannt. Aber ſchon am 18. Januar
1885 wurde er durch einen Herzſchlag in der
Fülle jeiner Arbeitskraft abgerufen. Er liegt an
der Seite jeiner Mutter in Gotha begraben.
2. Literariſche Wirkſamkeit. K.38 Bücher ent-
ſtanden ſämtlich aus der Praxis für die Praxis.
AN»

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.