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(3. B. vas Zeichnen und den Gejang). Die Be-
deutung de3 Techniſchen für dieſe Fächer wird
aber dadurch ebenſowenig aufgehoben, wie 3. B.
die Bedeutung der „Maltechnik“ fix die Malerei
durch deren Charakter als Kunſt. --- Wie erſicht-
lich, ſtehen die angegebenen Merkmale der Fer-
tigfeit in innerem Zuſammenhang mitein-
ander; von einem -- wenn auch nur relativen ---
„Fertigjein" und ver Erlangung eines ſolchen
tann nur da die Rede ſein, wo im Zuſammen=-
wirken pſychiſcher und phyſiſcher Funktionen
ein die Erreichung irgendwelches Zweckes ſicher-
ſtellende3 Verſahren zur Anwendung kommt.
Bei rein-geiſtigen Fähigkeiten, zumal ſolchen,
die im Dienſte idealer Güter und Werte ſtehen,
gibt e8 kein „Fertigjein".
E3 bedarf hier keiner weiteren Erörterung, daß
und warum Fertigkeiten nur durch Übung ge-
wonnen werden können. Gewiß ſind auch bei
ihnen Kenntniſſe, iſt auch bei ihnen ein Wiſſen
nötig; ohne Kenntnis der techniſchen Methoden
können auh keine techniſchen Fertigkeiten erzielt
werden. Aber die Fertigkeiten ſelbſt werden,
da e3 ſich bei ihnen um Tätigkeiten handelt,
nur durch vielfache, planmäßige Wiederholung
der Tätigkeiten, d. h. eben durc Übung erlangt.
Und zwar erſtreckt jich die Übung nicht nur auf
das Shyſiſiche, auf die Bewegungen, ſondern
auch auf die geiſtigen Tätigkeiten: das Beob-
achten, das innere „Schauen“, das Denken, und
ſchließlich auch auſ das Wollen. Steht auch die
Willenstätigkeit bei der Aneignung von Fertig-
keiten nichtim Vordergrunde des „Üben3“, ſoiſtſie
dabei dod) ein wichtiger Faktor; ſehr oft erſordert
die Aneignung und auch die Anwendung einer
Fertigkeit ein hohes Maß von Willens3anſpan-
nung. Im übrigen zeigt ſich hier, daß ſich die
Fertigkeit auch in der Aneignung8-Methode von
ven Kenntniſſen unterſcheiden; Kenntniſſe wer-
den nicht „eingeübt“, jondern „eingeprägt.“
Und aud) darin unterſcheiden ſich beide, daß die
Kenntniſſe auf allen geiſtigen Gebieten ein
integrierender (wenn auch nicht immer primärer)
Beſtandteil der Bildung ſind, während dies auf
die Fertigkeiten, auf die Beherrſchung dieſer
oder jener Technik nur für die Gebiete zutrifft,
bei denen die zu erwerbende Bildung eine
Leiſtungsfähigkeit (im Arbeiten, Schaffen, Ge-
ſtalten) umſchließt. Auf dem religiöſen und ſitt-
lichen Gebiet, bei dem der Begriſſ der Leiſtungs-
fähigkeit überhaupt nicht anwendbar iſt, ſind
zwar gewiſſe Fertigkeiten ſür den Crwerb der
Bildung, auch wohl für den AuS3druck des mit
der Bildung erzeugten inneren Leben3 not-
wendig, aber ſie können hier nicht als Beſtandteil
der Bildung ſelbſt gelten. Seine lehte Erklärung
ſindet dieſer Unterſchied zwiſchen den Kennt-
nijſjen und Fertigkeiten wohl in dem verſchieden-
artigen Verhältnis, in dem Wiſjenſchaſt und
Technik zu den übriaen Geiſte3aebieten ſtehen.
Kenntniſſe und Fertigleiten

1270
3. „Kenntniſſe und Fertigkeiten“ und die Jdee
der Bildung, Aus dem Weſen der Kenntniſje
und Fertigkeiten folgt, daß ihre Vermittlung im
Jugendunterricht, wenn ſie recht verſtanden und
ins Werk geſezt wird, die wiſſenſc und techniſche Bildung repräſentiert, wie ſie
ſich dieſer Unterricht eben zur Auſgabe machen
lunn und muß, und daß ihre Aneignung ebenſo
zur Bildung des Menſchen gehört, wie
Wiſſenſchaſt und Technik zur Kultur der Menſch-
heit gehören. Wenn Vermittlung und Aneig-
nung der beiden Bildungs3elemente heute zu-
weilen mit einer Nichtachtung behandelt werden,
als läge derartiges weit unter dem Niveau echter
Menſchenbildung, ſo beruht das auſ einem Phan-
tajiebild menſchlicher Vollendung, das weder in
der Wirklichkeit des Menſchen noch in ſeiner
idealen Beſtimmung eine Stüße findet. Mögen
Kenntniſſe und Fertigkeiten auc niemals die
höchſten Bildung38= und Verſönlichkeit8werte
jein können, ſo heißt das do) nicht und kann
daraus nicht abgeleitet werden, daß ſie nicht voll-
gültige und vollberechtigte Beſtandteile menſch-
licher Bildung ſeien. Auch die höchſte und feinſte
Bildung wäre unvollkommen und bliebe ein von
tauſend Nöten und Verlegenheiten bedrohtes8
Stückwerk, wenn ſie nicht ein ſicheres Wiſſen
und (techniſche8, „praktiſche8") Können in ſich
jchließt -- ſo ſehr jich auch beides nach dem in-
dividuellen Bedürfni8 bemeſſen mag. Das
befannte Wort Goethes (zu E>ermann) von den
„Narren“, die denken, ſie „verlören ihr Talent,
wenn ſie ſich um Kenntniſje bemühten, obgleich
jedes Talent ſich durch Kenntniſſe nähren muß
und dadurch erſt zum Gebrauch ſeiner Kräfte
gelangt“ --- drückt aus, was Kenntniſſe für die
geiſtige Bildung bedeuten, und was von den
Kenntniſſen gilt, gilt auch von den Fertigkeiten,
denn ohne ſie iſt das Talent auch nicht imſtande,
ſich zu nähren und ſeine Kräſte zu gebrauchen. --
In dieſem Zuſammenhange muß nun auch
betont werden, daß beides materiale Bildungs-
elemente ſind! jowohl die Kenntniſſe (bei venen
es ſchon da8 Wort anzeigt), al38 auch die Fertig-
keiten; denn auch bei dieſen iſt immer zunächſt
an die Beherrſchungen beſtimmter Methoden,
an ein Können mit beſtimmtem Inhalt ge-
dacht. Aber in der rechten Weiſe erworben und
angeeignet, tragen beide doch auch zur formalen
Bildung mit bei: zur Schulung der pſychiſchen
bzw. auch phyſiſchen Funktionen, und darüber
hinaus auch zur „allgemeinen“ wiſjenſchaſtlichen
und techniſchen Schulung. Nur müſſen es eben
-- aus Gründen nicht nur der formalen, ſondern
mehr noch der materialen Bildung -- ſichere
Kenntniſſeund wirkliche Fertigkeiten ſein, die ſich
die Schule für ihre Jugend zum Ziel ſetzt und die
ſie ihr mit auf den Weg gibt; denn Unſicherheit,
Unſertigkeit, Stümperhaftigkeit iſt hier und hier
gerade nicht Bildung, ſondern Manael an Bil-

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