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Intere)je, welches die Kinder in ſpäteren Jahren
diejen Geſchichten entgegenbringen ſollen, iſt
vorweggenommen und dadurch abgeſtumpft;
dann langweilen jich die Kinder ſpäter im Reli-
gion3unterricht, und Langeweile iſt mit der
jchlimmſte Feind im Unterricht.
4. Das Schulkind. Die kirchliche Erziehung des
Kindes im ſchulpflichtigen Alter iſt vor allem ge-
knüpft an ven Neligionöunterricht der Schule, an
den Kindergotte3dienſt um Sonntagin der Kirche,
an die Beeinſluſſung des Kindes im Kinderhort,
an die Konſirmandenſtunde und an die Konfir-
mation. Der Religion3unterricht in der Schule
hat die Auſgabe, die Kinder mit der Geſchichte
und der Perſon Jeſu bekannt zu machen, mit
ihrer Vorbereitung im Alten Teſtament und mit
der von ihm ausgegangenen Wirkung im Neuen
Teſtament. Die dem Unterricht zu Gebote
ſtehenden Mittel ſind Bibel, vor allem das Neue
Teſtament, Geſangbuch und KatechiSmus. Der
Kindergotte38dienſt joll dem Kinde eine ſonntäg-
liche Feierſtunde ſchenken, in welcher ſeine Seele
zur andächtigen und ehrſurchtsvollen Anbetung
Gottes geführt werden ſoll. Hier ſoll das Kind
das Beten und Danken lernen, hier ſoll die Liebe
des Kinderſreundes ihm recht lebendig vor Augen
geſtellt werden, und ſeine Liebe zu vem Herrn
Jeſus als jeinem beſten Freunde foll wachgerufen
und gepflegt werden; hier ſoll e8 jingen und
jubeln lernen und zugleich zu dem bewußten Mit-
erleben der Feſtesſreuden der Gemeinde, ja ſogar
zum Mitarbeiten in der Gemeinde (etwa durch
die Überbringung der Ernteſeſtgaben an Kranke
oder durch Einübung von Deklamationen und
Gefängen zur Reformationsſeier) mit heran-
gezogen werden. Wenn das Kind von dem
Helfer oder der Helferin beſucht wird, wenn ſich
an den Kindergottesdienſt der Elternabend an-
ſchließt, dann wird das Band zwiſchen dem Kinde
und der Gemeinde immer feſter geſchlungen. --
Der Kinderhort bietet dem Kinde Beſchäftigung
in der ſchulfreien Zeit; der rechte Hortleiter oder
die rechte Hortleiterin wird dabei treffliche Ge-
legenheit haben, gute Samenkörner in die Herzen
der Kinder auszuſtreuen. Je ungezwungener,
je jelbſtverſtändlicher und von innen heraus-
fommend das geſchieht, um ſo mehr iſt der Erfolg
für ſolche Betätigung zu erhoffen. -- Vom Kon-
ſirmandenunterricht und der Konfirmation wird
in bejonderen Artikeln geſprochen werden. --
Im Intereſſe des Kindes muß der- Kirche alles
daran liegen, daß das Kind am Religionsunter-
richt der Schule teilnimmt und daß alle Unter-
richtöſtunden im Geiſte chriſtlicher Erziehung auf-
gefaßt und erteilt werden. Wie herrlich geſtaltet
ſich unter dieſem Geſicht8punkt das Stoffgebiet
im geſchichtlichen, im literariſchen, beſ. deutſchen
und im naturwiſſenſchaftlichen Unterricht; die
Macht der Perſönlichkeiten, der Zuſammenhang
des Geiſteölebens8, die Ehrfurcht vor der Natur,
Kirchliche Erziehung

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vor der Schöpfung, vor dem Menjchen, vor dem
eignen Körper, vor dem eignen Jc jolhem Unterricht hell beleuchtet, und in dem
Kinde werden Kräſte geweckt, die e3 durch das
ganze Leben begleiten können.
5. Die konfirmierte Jugend. Die firchliche Er-
ziehung iſt mit der Konfirmation nicht abge-
Ichlojſen. Jett beginnt erſtihre ſchwerſte Aufgabe.
Die heranwachſende Jugend von 14--21 Jahren
will verſtanden werden, will völlige Freiheit zu
ihrer Entwieklung haben und will dabei dennoch
geführt ſein. Jugend iſt Jugend, ſo gut wie der
Frühling Frühling iſt und kein Herbſt. Jugend
iſt kein bloßes Durchgangsalter zu einem ſpäteren
Leben, ſondern ſie will in ihrer Eigenart, ihrer
Eigenherrlichfeit gewürdigt werden. Jugend
verträgt keine Nörgelei, kein zwangsweiſes Be-
vormunden, fein Auſdringen von beſtimmten
Anſichten, Dogmen, Meinungen, LebenS3-
prinzipien; ſie will ſelbſt taſten, ſuchen, reifen,
ſich vervollfommnen. Gewiß iſt die Jugend nicht
fertig, weder mit dem Leben noch mit dem
Wiſſen noch mit der Erfahrung, noh mit ſic)
ſelbſt. Sie ſehnt ſich nach Führung, aber von der
führenden Hand eines Menſchen, der ihr Kante-
rad und Freund und Vertrauter zugleich iſt, der
ihre Sprache kennt und in ihrer Sprache mit ihr
redet. Die Jugend iſt auch auſgeſchloſjen für
religiöſe Lebensfräfte, nur muß ihr die Religion
eben als die heldenhafte Geſtalt des Daſeins
gegenübertreten; die Perſönlichkeit Jeſu, jein
ſieghafte3 Leben und Sterben, ſeine Kraft,
Männer heranzubilden, Charaktere voll feuriger
Glut und ausgerüſtet mit der Selbſtloſigkeit
heroiſcher Hingabe für andere, kann der Jugend
das Herz abgewinnen, wenn ſie ihr in der rechten
Weije vor Augen geſtellt wird. Die Jugend hat
das Bedürſmis, Lebensfragen zu beſprechen,
Gedanken über Weltanſchauung3probleme aus-
zutauſchen, die Verſchiedenartigfeit der Ex-
ſahrungsurteile zu vernehmen und gegeneinander
abzuwägen. Die Jugend hat das Verlangen, mit
anderer Jugend zuſammen zu ſein, zujammen zu
wandern, zu ſingen, zu turnen, zu ringen, ſich
ihrer Jugend zu freuen. Die firchliche Erziehung,
die dies alles im Auge hat, wird mit der größten
Sorgfalt nach den allererſten und allerbeſten
Vertönlichkeiten juchen, die ſie als Führer in
dieſen Dienſt an ver Jugend hineinſendet; denn
hier kommt ſchlechterdings alles auf die Perjön-
lichfeit, auf ihre Gabe und ihre Kraft an. Unter
dieſent Geſichtspunkt kann auch der Gedanke an
eine ſogenannte „firchliche Schonzeit“ völlig auf-
gegeben werden; ſollte darunter die Abwehr von
etwas rein Außerlichem, etwa dem Zwang zur
Beteiligung am Kultusleben oder dem Verſuch
eines lehrhaſten oder moraliſchen Einredens auf
die Jugend verſtanden werden, dann wäre die
„ürchliche Schonzeit" angebracht; aber dann
wäre dies ganze Verhalten ſo unrichtig, daß es

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