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wejens. -- Die meiſten öffentlichen Anſtalten
unterſtehen dem Ministere de Y'Instruction
Publique et des Beaux Arts, dem ſeit 1920
eime Abteilung ſür Fachſchulwejen (Ungeigne-
ment technique) angegliedert iſt. Frankreich
iſt in 17 BVerwaltungsbezixrke (Acad6mies)
eingeteilt. Jede Academie umfaßt mehrere
Departements und ſteht unter der Leitung
eines Rettor3 (Recvteur), der jehr ausgedehnte
Beſugniſſe hat (Aufficht3recht über alle Beamte
der Univerſität, der höheren Schule und der
Volksſchule; Vorſchlagsre jeßungen; Kontrolle in Finanzſragen, Schul-
zucht, Hygiene; Reviſion des Unterrichts bez.
Durchführung der Lehrpläne und Methoden).
Die Inspecteurs d'Academie (für jedes De-
partement in der Regel einer) kontrollieren die
höhere Schule und leiten das Volks8ſchulweſen.
Die Inspecteurs bzw. Inspectrices Primaires
und die Inspectrices departementales des
Keoles maternelles fontrollieren das Volks-
jhulwejen. Die Inspecteurs gen6raux ſind
dirette Mitarbeiter des Miniſters in der Durch-
führung der Lehrpläne und der Vervollkommnung
der Methoden. Der Amtsbereich dieſer Fach-
inſpizienten erſtreckt ſich auf ganz Frankreich. --
Ausſchüſje (Conseils), in denen neben Mit-
gliedern der Unterrichtsverwaltung Abgeordnete
der Lehrerſchaft ſiken, unterſtüßen die vorgeſeßte
Behörde, jo in Paris der Congeil Superieur de
VInstruetion Publique und die beratenden
Ausſchüſje (Comites consultatifs). Der erſtere
iſt ein jehr wichtiger Verwaltungs- und Diſzi-
plinarausſchuß, der zweimal jährlich zu-
jammentritt. Sämtliche Bildungsanſtalten, von
dem Institut de France und der Univerſität bis
zur Volksjchule, ja auch die katholiſchen Brivat-
anſtalten mit einigen vom Präſidenten der
Republik ernannten Mitgliedern, ſind hier ver-
treten. -- Neben der zentralen Verwaltung
ſjür Hochſchule, höhere Schale und Volksſchule
ijt dem Unterrichtsminiſterium eine Abteilung
für Fach- und Berufsſchulweſen (Bnseignement
technique) angegliedert. Daneben beſteht eine
bejondere Dienſtſtelle für die Kducation phy-
Sique. -- Die Bildungsanſtalten für die ſchönen
Künſte unterſtehen einer beſonderen Abteilung.
Dem Landwirtjchaftsminiſterium iſt der land-
wirtſchaftliche Unterricht unterſtellt, dem Kriegs-
und Marineminiſterium die militäriſchen Bil-
dungsanſtalten, dem Unterrichtsſekretariat für
Handelsmarine und Fiſcherei die Navigation8-
Ichulen, dem Kolonialminiſterium die kolonialen
nſtitute in Frankreich und ſämtliche Bildungs8-
anſtalten in den Kolonien, dem Auswärtigen
Amt die Schulen in den Protektoraten Ma-
roffo und Tunis. -- Maßgebend für Frankreich
jind die Bildungsanſtalten, deren Verwaltung
das Unterichtsminiſterium hat, die alte Uni-
vergite.
Frankreich (Bildung3weſen)

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2. Das Volksſchulweſen (Enseignement
Primaire). Der Enseignement Primaire iſt
erſt durch die dritte Republik ausgebaut, hat
aber jeine Grundſäße der großen Revolution
entlehnt, nämlich die Weltlichfeit (laicite),
Schulzwang (obligation) und Unentgeli-
lichfeit (gratuite). Weder die napoleoniſche
Univergite nod) die Reform Guizot (1833) ---
leztere auf religibjer Grundlage und organi-
jatorijſch ganz nach preußiſchem Muſter --
konnten die Volksſchule recht zur Geltung
bringen. 1882 wurden die Grundſäße der Re-
volution durch die antiklerikalen Kämpfe von
Jules Ferry und Paul Bert zum Abſchluß
gebracht. Seitdem iſt die Volksjſchule --- orga-
niſatoriſch vor allem das Werk von Ferdinand
Buitjſon -- in ihren Grundzügen, beſonders
im Moralunterricht, unverändert geblieben. --
Die Lehrer (Instituteurs) werden vom Reeteur
ernannt. Nach den Geſetzen vom 14. Juni 1854
und 30. Oktober 1886 unterſteht dem Präfekten
und Afademieinſpeltor in jedem Departement
die Verwaltung der Volksſchule. Die Unter-
präſekten haben kein Verwaltungsrecht. Der
Akademieinjpeltor leitet die ganze Verwaltung.
Er berichtet jährlich an den Conseil departemen-
tal, der diejen Bericht an den Generalrat und
das Miniſterium weiterleitet. Die Inspecteurs
primaires beaufſjichtigen die Volksſchule. Sie
berichten über die Ernennung der Lehrer. Die
weiblichen Inſpeltoren ſind für die Kleinkinder-
jchulen, Mädchenſchulen und die Leoles mixtes,
Schulen mit Koedukation, zuſtändig. Neben
diejer Fachaufſicht iſt Inſpizierung durch Laien
vorgejehen (Deldgu6s cantonaux). Die Aus-
gaben werden vom Staat, von den Departe-
ments und den Gemeinden beſtritten. Der
Staat bezahlt die Gehälter für Lehrer und Auſ-
jichtSbeamte, die Unterhaltungskoſten für die
Seminariſten, die Departements vorzugsweiſe
den Unterhalt oder die Miete und die Beſchaffung
und Inſtandſezung des Materials in den Seimi-
nargebäuden; die Gemeinden haben außer den
Ortszulagen für die Lehrerſchaft für Unterhalt
und Miete der Schulgebäude und das Schul-
material zu ſorgen.
a) Die Kleinkinderſchulen oder Kinder-
gärten (Keoles maternelles oder Classes en-
fantines) find öffentliche Bildungsanſtalten. Die
Kcoles maternelles ſind Schulen für Kinder vom
2. bis 6. Lebenöjahre. In den Gemeinden unter
2000 Einwohnern kann an ihre Stelle die an die
Volksſchule angegliederte Classe enfantine treten.
Der Unterricht wird durch Lehrerinnen erteilt.
Schülerzahl nicht über 50 und nicht unter 25. --
Bahnbrechend war in der Methode Fröbel.
b) Die BVolksſchule (Ecole primaire >l6-
mentaire) ſteht allen Kindern vom vollendeten
6. bis zum vollendeten 13. Lebensjahre offen.
Die Eeoles mixtes find für Knaben und Mädchen

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