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auf S. 207 f. die Literatur zur bildenden Kunſt. =
Weiter Keſtenberg: Muſikerziehung und Muſikpflege
(1922). -- Kolb: Kunſtunterricht an den allgemein-
bildenden Schulen (1920). -- L. PBallat: Kunſterziehung
durch Zeichnen und Handarbeit (in der Feſtſchrift zu
G. Kerſchenſteiners8 70. Geburtstag). -- Zur Durch-=
führung der Kunſterziehung in der preußiſchen
Schulreform: „Die Neuordnung des preußiſchen
höheren Schulweſens“ (1924). = Richert: Richt-
linien für die Lehrpläne der höheren Schulen
Preußens, 2 Teile (1925). = Handbud des Ar-
beitzunterrichtes an höheren Schylen, Heſi 5,
Frankfurt a. M. 1925, welches (mit Angabe reicher
Literatur) enthält: Preiß: Arbeitöunterricht in dex
Muſif; Franke: Kunſtbetrachtung umd Arbeits-
unterricht; Kolb: Bildhaftes Geſtalten. =< Zur
Funſtbetra (1920). = A. Lichtwark: Übungen im Betrachten
von Kunſtwerken (19181). = L. Juſti: Deutſche Mal-
kunſt im 19. Jahrhundert (1921). -- P. Brandt: Sehen
und Crkennen (1923*), -- VP. Ueding: Kunſtgeſchichte
in Einzelbetrachtungen, 4 Bde, (1927). = Weitere
Literatur zur Kunſtbetrachtung bei Franke: Kunſt-
betrachtung und Arbeitsunterricht, S. 54 f. -- Zur
fünſtl. Durchdringung des Geſamtunterrichtes:
Burkhardt: Muſikaliſche Durchdringung des deutſchen
Unterrichtes auf höheren Schulen (1925). = W. Franke:
Bildende Kunſt und Myſtik (in Cberhard, Lebens3voller
RNeligionsunterricht, 1925). Franke.
Funſtgewerbe- und Handiwerkerſchulen ſ. Fach-
ſchulweſen und das Bildungsweſen der Länder.
Kurzſchrift. 1. Geſchichte der Kurzſchrift.
2. Entſtehung der deutſchen Ginheits-
furzſchriſt. 3. Wejen der Kurzſchrift.
4. Kurzſhriſtliche Wiſſenſchaft. 5. Kurz-
ſchriftunterricht in der Schule. 6. Me-
thodif des kurzſchriftlichen Unterrichts.
7. Verwendung der Kurzſchrift.
1. Geſchichte der Kurzſchrift. Die Kurzſchrift
iſt feine Erfindung der Neuzeit. Schon die arabi-
ſchen Zahlen, die noch heute gebraucht werden,
ſind in ihrer Kürze, Deutlichfeit und praktiſchen
Verwendbarkeit eine Kurzſchrift zu nennen. Von
der altgriechiſchen Stenographie (etwa 4. Jahr-
hundert v. Chr.) ſind nur dürſtige Reſte vor-
handen; dagegen iſt die Kurzſchrift der alten
Nömer genau bekannt; fie wird nach ihrem Be-
gründer Marcus Tullius Tiro (1. Jahrhundert
v. Chr.), einem Freigelaſſenen des Staats-
mannes und Redners Cicero, Tironiſche Noten
genannt. Von dieſer Kurzſchrift, die die Wörter
meiſt auf einen einzelnen Buchſtaben verkürzte,
jo daß dieſe „Noten“ rein gedächtniSmäßig zu
lernen waren, ſind Reſte noch in der heutigen
Schrift vorhanden: Z = denarius, Pfennig,
auch = deleatur, auszuſtreichen; 2 libra,
Pſund; C = centum, hundert, M = mille,
tauſend. Die tironiſchen Noten wurden in allen
Gegenden des römiſchen Kaiſerreiches gelehrt
und geſchrieben und waren noch im Frankenreich
Karls des Großen in Anwendung; die leßte
Urkunde mit tironiſchen Noten iſt in Deutſch-
land aus dem Jahre 941, im Frantreich aus dem
Jahre 1067.
Kunſterziehung -- Kurzj
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Im Mittelalter ging die Kenntnis der tiro-
mjchen Noten völlig verloren, während ſich die
arabiſchen Zahlen überall einbürgerten und die
lateiniſchen Abkürzungen der Zahlen verdräng-
ten. Das erſte ſtenographiſche Lehrbuch der
neueren Zeit exſchien in England, die „charaec-
terie“ von Timothy Bright im Jahre 1588;
manche Dramen Shakeſpeares ſind mit dieſer
Kurzſchrift ſtenographiert und ſo erhalten
worden. England blieb durch zwei Jahrhunderte
die Pflegeſtätte der Kurzſchrift. John Willis
(7 1625) jeßte anſtelle der biSherigen Noten-
ſchrift eine Zeichenſchrift. Jett iſt das gebräuch-
lichſte Syſtem in England das von Pitman
(1813-1897), mit dem neuerding38 das von
Gregg, namentlich in Nordamerika, im er-
jolgreichen Wettbewerb tritt. |
zn Frankreich iſt das verbreitetſte Syſtem das
von Duploye (1833-1912); daneben werden
die Syſteme von Prevoſt- Delaunay und (be-
jonders in der ſranzöſijchen Schweiz) von
Aim eE-BParis gebraucht.
In ſpaniſcher und portugieſiſcher Sprache
wird hauptſächlich nach Übertragungen von
ſranzöſiſchen uud engliſchen, d. h. geometriſchen
Syſtemen (ſ. Abſchn. 4) ſtenographiert, wäh-
rend in faſt allen anderen Ländern kurſive
Schriftungen, meiſt Übertragungen deutſcher
Syſteme, in8beſondere von Gabelsberger, in
Gebrauch ſind.
2. Entſtehung der deutſchen Einheit5kurzjſchriſt.
Während ſich Deutſchland mit der Kurzſchrift
erſt verhältniSmäßig ſpät befaßte, hat es dann
auf dieſem Gebiete alle anderen Länder über-
flügelt, ſowohl in wiſſenſchaftlicher Forſchung
und techniſcher Durchbildung als auch in prak-
tiſcher Anwendung und allgemeiner Verbreitung
der Kurzſchrift. Die erſten brauchbaren deutſchen
Kurzſchriftſyſteme ſind die am Au3gang des
18. Jahrhunderts entſtandenen Syſteme der
Geiſtlichen Moſengeil und Horſtig, die auf
geometriſcher Grundlage beruhen; aber nach
(Gabel3bergers8 genialer Erfindung der kurſiven
Kurzſchrift hatten geometrijche Syſteme in
Deutſchland keine Bedeutung mehr. Franz
Xaver Gabel3berger, 1789-1849, in München
lebend, war der eigentliche Erfinder der deutſchen
Kurzſchrift; ſeit dem Jahre 1817 befaßte er ſich
mit der Auſſtellung ſeiner Kurzſchrift, die er im
Jahre 1834 in der „Anleitung zur deutſchen
Nedezeichenfunſt“ veröffentlichte. Sein Syſtem
wurde im Lauſe der Zeit regelmäßiger und
einfacher geſtaltet, behielt aber im ganzen jeine
urſprüngliche Geſtalt; es war hauptjächlich in
Süddeutſchland und Öſterreich, in Norddeutſch-
land beſonders in Sachſen verbreitet. Wilhelm
Stolze (1798-1867), in Berlin lebend, ſtellte
unter Benüßung der Zeichen Gabelsbergers,
aber mit anderer Verwendung derſelben, ein
neues Syſtem auf, das -- mehrfach arundlegend

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