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jreie Zeit ausfüllen jollen, jo werden ſie meiſt
übertrieben. Auch treibt die Jugend heute
nicht nur Spiel und Sport, ſondern auch noch
jv manches andere. Die Sorge, daß ſie es nicht
mehr genügend lernt, ernſtlich zu arbeiten, iſt
nicht ganz unberechtigt. Der beſte Zeitvertreib
und der jicherſte Schuß gegen die Langeweile
und ihre Gefahren iſt Arbeit. Gewiß, ſie iſt
jauer, aber ohne Fleiß kein Preis!
Schulz (König3berg).
Langjamfeit (Schwerſälligkeit). 1. Weſen. Untex
Langjamkeit im pädagogiſchen Sinne verſteht
man eine verminderte Bewegungsfähigkeit in
körperlicher, jprachlicher und geiſtiger Hinſicht.
Sie iſt nicht wie die Trägheit ein Nichtwollen,
jondern ein Nichtkönnen. Cine verlangſamte Be-
wegung iſt auch nicht von Unluſtgefühlen be-
gleitet wie die auf Trägheit beruhende. Die Ver-
langjamung der Bewegung kann gleichzeitig auf
allen drei Gebieten auftreten. Häufiger aber
fommt es vor, daß bloß ein oder zwei dieſer Ge-
biete bei derjelben Berſon betroffen werden. Am
häufigſten iſt die Verbindung zwiſchen Denk-
lſangſamfeit und Langſamkeit im ſprachlichen
Ausdruc.
2. Urjoche. Tempo und Rhythmus der Bewe-
gung ſind in der geſamten körperlichen und gei-
ſtigen Konſtitution des Menſchen begründet.
Langſamkeit iſt ein Funktionsſchler und beruht
im der Regel auf Hemmungen im motoriſchen
Apparat, jei es im Zentralorgan oder in den
Nervenbahnen. Sie kann aber auch im Tempera-
ment des Menſchen verwurzelt fein. Namentlich
ver Phlegmatiker neigt zur Langſamkeit in jeder
Beziehung. Auch angeborene oder anerzogene
Trägheit und Läſſigkeit können Teilurſachen der
Schwerfälligkeit ſein. Schließlich kommen noch
Umgebungseinſſüſſe und Erziehungsfehlex als
Urſachen in Betracht. Kinder, die in bäuerlicher
Umgebung aufwuchſen, haben oft eine gewiſſe
Steiſheit und Ungelenkigkeit der körperlichen Be-
wegungen an ſich. Andere, die in der Einſamkeit
ohne Spielgefährten oder ohne ſonſtige geiſtige
Anregung groß wurden, neigen zur verlang-
jamten Erfaſſung der Wirklichkeit.
3. Wertung und pädagogiſche Maßnahmen. Lang-
jamkeit iſtnicht unter allen Umſtänden ein Fehler,
der die Leiſtung oder die Brauchbarkeit des
Menſchen herabmindert. Es gibt Handarbeiter,
die jich jo jchwerfällig anſtellen, daß man ihnen
am liebſten helfen möchte, und die doch in bezug
auf Menge und Güte der Leiſtung überraſchender-
weije manchen flinken Arbeiter übertreffen.
Sprachliche Langſamkeit iſt oft ein Zeichen von
Vorſicht und Überlegung, Denklangſamkeit nicht
jelten ein Beweis von Denkgründlichkeit. Eine
jo begründete und gerechtfertigte Langſamkeit zu
bekämpfen, hieße zugleich zu Flüchtigkeit und
Oberſlächlichfeit erzießen. Ganz abgeſehen davon
aber iſt es außerordentlich ſchwer, eine in der
Langeweile -- Lateiniſcher Unterricht




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innerſten Natur des Menſchen begründete Eigen-
art mit Erfolg zu bekämpfen. Etwas anderes iſt
es, wenn Langſamkeit in der Hauptſache auf
Trägheit und Läſſigkeit beruht. Hier können An-
jporn und Auſmunterung in bejcheidenem Um-
jang helfen. Das iſt der einzige Fall, bei vem
Langſamkeit moraliſjc) zu bewerten und durch
Erziehungsmittel zu beeinfluſſen iſt. Jm übrigen
aber hilft bei jeder Art Langſamkeit nur Übung
und immer wieder Übung, um die gewiſſermaßen
eingeroſteten Bahnen geläufig zu machen. Einer
jolhen Übung kann auch nur dann Erfolg be-
jehieden jein, wenn ſie für den Zögling ſo inter-
ejjant geſtaltet wird, daß er Freude an der Arbeit
und am Erfolg gewinnt. Dazu gehört eine ein-
gehende Kenntnis der ſeeliſchen Eigenart des
Kindes und ein hervorragendes pädagogiſches
Geſchick. Spornhauer.
Lateiniſcher Unterricht. 1. Geſchichte. 2. Der
heutige Stand. 3. Bildungswert. 4. Lehr-
jtofſ. 5. Lehrverfahren. 6. Lehr- und
Lernmittel.
1. Geſchichte. Auch nach dem Untergang des
römiſchen Reiches blieb die lateiniſche Sprache
das Bindemittel für die Nationen de8 Abend-
landes; ſie wurde die Sprache der Kirche für
Gejeßgebung, Gottesdienſt, Schule und amt-
lichen Verkehr; und die lateiniſche Literatur blieb
auch das Bildungsmittel der da jede höhere Bildung, nicht bloß die kirchliche
und juriſtiſche, das Lateiniſche zu ihrer Voraus-
jezung hatte. Benedikt von Nurſia in Umbrien
(480--543) machte den Kloſterſchulen den
Unterricht der Jugend zur Pflicht, dem aber erſt
die Lehrbücher des oſtgotiſchen Miniſter3 Caſſio-
dor (Mitte des 6. Jahrhunderts) die Richtung
wieſen. Zunächſt wurden in den Benediktiner-
löſtern nur die künftigen Mönche unterrichtet,
dann aber auch die Söhne der höheren Stände.
Neben den Kloſterſchulen entſtanden, beſonders
Durch Karl den Großen gefördert, in den größeren
Kirchenſprengeln Kathedral- oder Domſchulen,
zum Teil Stiſftsſchulen, und ſeit dem 13.
Zzahrhundert auch Parochial- oder Pfarr-
jhulen. Die Lehrer waren ausſchließlich Geiſt-
liche. Es war natürlich, daß für die Erlernung
der lateiniſchen Sprache die römiſche Literatur
die Grundlage bildete. Grammatik lernte man
aus Donats (353) Ars, Weltgeſchichte aus
Orojius (5. Jahrh.), dem Ausſchreiber des
Rivius. Auch Sueton, Seneka und Quintilian
wurden herangezogen, und als Gegengewicht
gegen die heidniſchen Bücher die Kirchenväter,
die gegen Ende des Mittelalters den klaſſiſchen
Leſeſtoff faſt völlig verdrängten. Von Dichtern
las man die 42 äſopiſchen Fabeln Avian3 in
elegijcgem Maße (5. Jahrh.), die hexametriſchen
jogenannten Disticha Catonis und Vergil, da-
neben Lukan und Statius und von c

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