247
Preisarbeiten von Dresduer, Gaede, Wichmann (1918).
= F. Cramer: Der lateiniſche Unterricht. Ein Hand-
buch für Lehrer (1919). -- A. Scheindler: Methovik
des Unterrichts in der lateiniſchen Sprache (1913). ---
Fr. Hofimann: Der lateiniſche Unterricht auf ſprach-
wiſſenſchaftlicher Grundlage (19212), --- A. Walde:
Praktiſche Anleitung zum Uiterricht in der lateiniſchen
Grammatik (1920*). -- Krüger: Methodik des alt=
ſprachlichen Unterrichts (1929). |
6. Lehr: und Lernmittel. Von den zahlreichen
Lehr- und Lernmitteln, zu deren Entſtehung die
neuen Lehrpläne den Anſtoß gegeben haben,
jeien mit Angabe des Verlages folgende latei-
niſche Unterricht3wertke genannt:
1. W. Hartke u. G. Michaelis, Ludus batinus,.
3. G. Teubner, Leipzig. Für Schulen mit Latein als
zweiter Fremdſprache (ab U 111): F. Wolff u. G. Mi-
d dritter Fremdſprache (ab 11): G. Salomon u. W.
Hartke, Lingua Latina, Lateiniſches Lehr- und Übungs8-
buch; F. Loe>ell u. G. Salomon, Litterae Lati-
nae, Lateinijche Leſeſtoffe. =- 2. M. Siebourg u. L.
Mader, Lateiniſcher Lehrgang. Weidmannſche Buch-
handlung, Berlin. -- 3. Fr. Hoffmann u. H. Wein-
ſtod, Palaestra Latina, Moritz Dieſterweg, Frankfurt
(Main). Für Neformrealgymnaſien, Deutſche Ober-
ſchulen und Univerſitätskurje: Gündel u. Jungblut,
Lateinuntercicht als Kulturkunde: Blementa Latina
(1926?) mit Leſebuch Roma aeterna (1925). = 4. W.
Schwarz, Tiro Latinus. Quelle & Meyer, Leipzig. --

5. M. Schloſſarek, P. Linde, F. Stürmer, Schola
Latina, Treweundt & Granier, Breslau, == 6. Fr.
Humborg, A. Linnenkugel, W. Uhlmann, J.
Uppenfkamp, Ars Latina. (Neuausgabe des F. Schult-
Führer.) Ferdinand Schöningh, Paderborn. |
Alle dieje Unterrichtswerte enthalten Übungs-
ſtoſſe, Sprachlehre und Wörterverzeichniſſe und
nehmen z. T. in Sonderausgaben Rüdſicht auf
die verſchiedenen Schultypen. Die Übungs-
bücher jind für die Unterſtufe nach Klaſſen ge-
trennt; für die Mittelſtufe hat nur der Tiro
Latinus zwei getrennte Bücher. Morgenſtern.
Lamnenhaſtigfeit. 1. Wejen. Unter Launenhaftig-
keit verſteht man einen häufigen, ſcheinbar un-
motivierten Stimmungswechjel. Das launen-
hafte Kind iſt bald ausgelaſſen heiter, ohne daß
ein ſichtbarer Grund vorhanden iſt, bald nieder-
geſchlagen und weinerlich, ohne daß man weiß
warum. Sprunghaſt und unberechenbar wie in
jeinem Gefühlsleben iſt das launenhafte Kind
auch in ſeinem Wünſchen und Begehren. „Es
weiß nicht, was es will" ſagt der Volk8mund.
Das Spielzeug, das eben erſt mit Jnbrunſt exr-
griffen wurde, wird im nächſten Augenblick gleich-
gültig beiſeite geſchoben. Das launenhafte Kind
iſt manchmal der beſte Kamerad, noch häufiger
jedoch der ſchlimmſte Spielverderber. Mit der
Zeit gewinnen die Unluſtgefühle ſv die Oberhand,
daß; das launenhafte Kind den Eindruck des Ver-
drießlichen und Mißmutigen macht. Troß der
Unberechenbarkeit iſt das fortwährende Schwan-
ten und Wandeln derGefühlslage nur ſcheinbar
unbegründet. Bei näherem Eingehen auf die
Cigenart des launiſchen Kindes kann man feſt-
ſtellen, daß der plößliche Stimmung3umſchlag
eine Urſache hat. Nur iſt dieſe ſo geringfügiger

Lateiniſcher Unterricht -- Launenhaftigkeit

248
Art, daß ſie der Aufmerkſamkeit ver Umgebung
entgeht. Das launenhafte Kind iſt in der Regel
empfindlich und reizbar, und der geringſte Anſtoß
genügt, um heftige Gefühlsentladungen aus8-
zulöjen. In vielen Fällen iſt die Laune bedingt
durd) den Körperzuſtand. Das launenhafte Kind
ijt mehr als andere abhängig vom allgemeinen
Körper- und Leben38gefühl, von Witterung, Tem-
peratur und Umgebung. Meiſt kommt dieſer
Einfluß der Umwelt dem Kinde ſelbſt nicht zum
Bewußtjein. In Einzelfällen kann auch eine rein
jeeliſche Zuſtändlichkeit den Stimmungswechſel
auslöjen, etwa eine gefühlöbetonte Erinnerungs-
vorſtellung, oder es können Hemmungen im Vor-
jtellungösablauf den Gefühlsinhalt ves Bewußt-
jeins beherrichen. Obwohl demnach die aus-
löjenden Momente der Laune auch für den Fach-
mann nicht immer erfennbar ſind, muß ſtets eine
Urjache für jeden Gefühls8wechſel angenommen
werden, abgeſehen natürlich von den Fällen, bei
denen es ſich um eine krankhafte Gemütsſtörung
handelt.
2. Nrjache, Launenhaſtigkeit wächſt leicht auf
dem Boden körperlicher Erkranfung oder ner-
vöjer Schwäche. In den meiſten Fällen aber iſt
jie das Ergebnis einer ſalſchen Erziehung. Das
launenhafte Kind wird nicht geboren, jondern er-
zogen. Cine launiſche Mutter erzieht ſich ſtets
ein launenhaſtes Kind. Ein unbeherrſchter und
unausgeglichener Vater kann ſeinen Sohn nicht
im jeeliſchen Gleichgewicht erhalten. Durch Ver-
wöhnung und Verzärtelung, durch wahlloſe Exr-
ſüllung wechſelnder Wünſche wird Launenhaftig-
teit begünſtigt. Auch gut erzogene Kinder ſtehen
während und nach einer körperlichen Krankheit
immer in Gefahr, launenhaft zu werden. Wäh-
vend der Fieberperiode und bei Schmerzen iſt die
Launenhaftigkeit ſchon im Körperzuſtand be-
gründet. Hernach aber in der Rekonvaleſzenz
wird Launenhaftigkeit künſtlich hervorgerufen
durch übertriebene Sorge und Zärtlichkeit der
Umgebung. Die Angehörigen können dem eben
erjt geneſenen Liebling nichts abſchlagen, und
dieſe falſche Behandlung wird in die geſunden
Tage hinein fortgeſezt. So erzieht das Eltern-
haus einen Tyrannen, der ſich ſelbſt und ſeiner
Umgebung zur Qual wird.
3. Wertung. Das launenhafte Kind iſt aſozial.
E3 fühlt ſich in dex Gemeinſchaft nicht wohl und
jtört die Gemeinſchaft. Wegen der Unberechen-
barkeit ſeiner Stimmungen und Einſälle wird es
für jeine Umgebung ungenießbar und im praf-
tijchen Leben vielfach unbrauchbar. Das launen-
hafte Kind iſt gewöhnlich auch eigenſinnig, an-
jpruchsvoll, anmaßend und egoiſtiſch. Launen-
haſtigfeit führt demnach zu erheblichen mora-
lijchen Defekten. Sie kann, wenn ſie nicht recht-
zeitig befämpft wird, auch zu ſchwerwiegender
jeelijchen Störungen wie Hyſterie und Query-
lantentum geſteigert werden.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.