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Leben-Jeſy-Unterricht. 1. Gryndfäßliches zur
Leben-Jeſju-Forſchung und ihre Bedeutung für
den R. UU. Das Leben, Sterben und Auſ-
erſtehen Jeju ſind die Heilstatſachen von zen-
tralex Bedeutung für unſer perſönliches Glau-
bensleben wie auch ſür die ganze Chriſten-
heit. Vorbereitung, Gründung und Geſehichte
des Neiches Gottes ſimd nur von vem auf die
Crde gekommenen, gen Himmel gefahrenen und
einſt wiederkommendenChriſtus aus zu verſtehen.
Dieje einzigartige Stellung Jeju erklärt das Ver-
langen der Theologen und Pädagogen nach einer
Biographie Jeſu, die eine Geſamtſchau ſeines
Lebens und Wirkens und damit die Erkenntnis
höchſter Offenbarung erleichtert.
Ter religiöje Ausgangspunkt der modernen
„Zeben-Jeju-Forſchung“", deren Urheber Schlei-
ermacher iſt, iſt die Frage, ob der Jeſus des Glau-
bens der Jejus der Geſchichte ſei. Die Trennung
des „bibliſchen“ und des „hiſtoriſchen“ Jejus-
bildes hat bei radikalen Forſchern zu völlig nega-
tiver Kritik geſührt. Denn wenn die geſchichtliche
Wirklichkeit nur da anerkannt wird, wo alles
Übernatürliche und Übermenſchliche abgeſtreift
iſt, muß das LebenSsbild des Herrn verblaſſen zu
einem Jdealbild, das menſchlicher Phantaſie ent-
ſprungen iſt, und das höchſtens einen Helden
oder Märtyrer mit geſteigerten menſchlichen
Qualitäten und Fähigkeiten in ſeine Umgebung,
jeime Zeit- und Geiſtesgeſchichte hHineinſtellt,
um von hier aus ſein Denken und Handeln zu
erflären und begreiſlich zu machen. Solche Bio-
graphien Jeſu haben ihre Kraftloſigkeit und Un-
brauchbarfeit ſür religiöſe Erziehung und Unter-
richt ſehr bald jelbſt bewieſen.
Die Sc hiſtoriſch treuen Lebensbildes ergibt ſich aus dem
Mangel an wirklichen „hiſtoriſchen“ Quellen.
Die Cvangelien und Schriften ves Neuen Teſta-
ments wollen nicht Urfunden im Sinne der Ge-
ſchichtswiſſenſchaft ſein, ſondern Zeugniſſe gläu-
biger Menſchen, die mit dieſem Jeſus gelebt und
die dieſen Chriſtus erlebt haben, und die durch
ihr Bekenntnis und ihre Darſtellung den Glau-
ben an Jeſus Chriſtus weden, feſtigen und ver-
tieſen möchten. Darum ſteht im Mittelpunkt
aller Berichte der handelnde und rettende Gottes3-
john und im Zentrum der Predigt und Unter-
weiſung der gekreuzigte, auferſtandene und
wiederkommende Herr. So erklärt ſich auch ihre
Sorgloſigkeit in der und die daraus dem Forſcher erwachſene Scwie-
rigkeit, die geſchichtliche Reihenfolge zu rekon-
ſtruieren. Dazu tritt die verſchiedene ſubjektive
Bewertung der einzelnen Cvangelien, die, ent-
jprechend der Einſtellung des Theologen, ſofort
verſchiedene Aufſaſſungen und Darſtellungen
ergibt, Die Geſchichte der Leben-Jeſu-For-
Ichung beweiſt die Unmöglichkeit, ein hiſtoriſch
zuverläſſiges Jeſusbild zu zeichnen. Der Re-

Leben-Jeju-Unterricht

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ligionöſehrer, der jeinen Leben-Jeju-Unterricht
auf die wiſjenſchaftlichen Grgebniſſe ſtüßen
wollte, würde auf einen ſchwankenden Grund
bauen, da ex nicht in der Lage wäre, die Arbeit
ver Geſchichtswijjenjchaſft zu leiſten, zu prüfen
und zu beurteilen. Der Glaube aber, den er in
Schülerherzen anbahnen möchte, bedarf eines
unerichütterlichen Feljengrundes.
Daneben gibt es wiſjenjchafkliche Darſtellun-
gen des Lebens Jeſu, die die auseinanderſtehenden
Handlungen und Reden Jeſu zuſammenſtellen
wollen, um jo die Entſtehung eines einheitlichen
Bildes zu ermöglichen. Durch die Geſamtſchau
der Geſchichte des bibliſchen Jejus Chriſtus joll
der Reichtum der Gotte3oſſenbarung erjc werden. Die Forſcherarbeit, den hiſtoriſchen
Hintergrund jeines Leben8 auſzudeden, Die
„Erfüllung der Zeiten“ in der Geſchichte darzu-
jtellen, aus den verſchiedenſten Quellen das Tat-
jachenmaterial zu jammeln, das uns die Um-
welt Jeju erkennen läßt, iſt von größter Bedeu-
tung ſür den Religionö3unterricht, weil dadurd)
die „ichaubare Seite" vieler Ereigniſſe, die die
Crſajjung innerer Vorgänge unterſtüßt, heraus-
gearbeitet wird. Der Lehrer bekommt damit ſür
die Belebung und Ausſchmücung, ſür die kinde3-
gemäße Geſtaltung der bibliſchen Erzählungen
eine Grundlage, die nicht Dichtung iſt, ſondern
joweit als möglich der geſchichtlichen Wirklich-
feit entſpricht. Dann vermag er auch den Be-
weis zu erbringen, daß der bibliſche Jeſus ge-
ſchichtlich iſt, daß die Apoſtel und Lehrer jener
Zeit Zeugen des lebendigen Heiland3 ſind, der
auch Menſchen der Gegenwart begegnet und
ſie zu Zeugen berufen will.
Borausſehzung ſolcher Jejuösbegegnungen im
Schüler- und Menſchenleben iſt aber nicht ein
einheitlich geordnetes Lebensbild de38 Herrn,
jondern die Berührung des empfänglichen Her-
zens durch den au3 dem lauter und rein ver-
kündigten Cvangelium wirkenden heiligen Geiſt.
2. Methode und Bedeutung des Leben-Jeſusz
Nnterzichts. Unter den Pädagogen wurde nicht
nur die Forderung einer einheitlichen Leben-Jeſu-
Darſtellung erhoben, ſondern auch die der Grup-
pierung des geſamten Religionö3unterricht3-
ſtoffes um den Mittelpunkt Jeſus Chriſtus, alſo
die Durchführung des zips. (Dörpſeld, v. Rohden, Thrändorf). Der
Hauptverſechter dieſer Beſtrebungen war Schul-
rat Bang in Dre3den.
Bang will zunächſt einmal bei den Kindern
eine lebhafte und andauernd wachſende Teil-
nahme als Vorſtufe des Glaubens ſchaffen. Als
vpädagogiſch-pſychologiſches Mittel zur Exrrei-
jung diejes Ziele3 jieht er die hiſtoriſch-prag-
matijc der jedoeh die Hilfe des heiligen Geiſtes
treten müſje. Die Notwendigkeit eines ein-
heitlich-anſchaulichen Lebensbildes leitet Bang

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