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der Lehrerbüchereien auch für die Mittel- und
Bolksſchulen, ſoweit es der Umfang der An-
ſtalten und ihrer Bücherjammlungen ermöglicht
und nötig macht. |
Literatuz. Förſtemann: Über Einrichtung und
Verwaltung von Schulbibliotheken (1865). -- Schiv ei=
fe: Adreßbuch der deutſchen Bibliothefen (1893). =
Wieſe-Jrmer: Das höhere Schulweſen in Preußen,
Yd. 4 (1902). --- Grundlegend das ausgezeichnete Buch
voii Dr. Richard Ulrich: Benubung und Einrichtung
von Lehrerbiblivtheken an den höheren Schulen (1905)
und ſein Artikel: Lehrerbibliothefen der höheren Schulen
in Neins Enzytlopädiſchem Handbuch der Pädagogik,
Bd. 5 (1906?). =“- Die Weidmannunſchen Taſchen-
ausgaben von Verfügungen der preuß. Unterricht8-
verwaltung, Heft 28, 55, 58, 62. -- Außerdem für viele
technijc blatt für VBibliothek8weſen und die ſeit 1902 exr-
ſcheinenden Jahrbücher der deutſchen Viblio-
theten. Schmidt (Magdeburg).
Lehrerbildung ſj. Lehrer, Pädagogiſche Ala-
demien, Pädagogiſche Seminare uſw.
Lehrexſortbildung. 1. Notwendigkeit. 2. Er-
reichtes. 3. Grſtrebtes. Vorbildung und Fort-
bildung laſſen ſich nicht ganz ſcharf voneinander
trennen; ſie überſchneiden ſich naturgemäß in der
Zeit zwiſchen den Prüfungen, in denen eine
Lehrbeſähigung erworben wird, und denen, die
zu einer endgültigen Anſtellung berechtigen.
1. Notwendigkeit. Daß eine möglichſt gründ-
liche Vorbildung ſür den Lehverberuſf aus-
ſchlaggebende Bedeutung hat, iſt ſtets wenigſtens
theoretiſch anerkannt worden. Wie ſchwer Mängel
in Dieſer Beziehung jpäter wieder gut zu machen
jind, haben wir in den lezten Jahrzehnten oſt
ichmerzlich erfahren. Daß aber eine allgemeine
und eindringende Fortbildung ebenſo not-
wendig iſt, hat man in ſrüheren Zeiten weniger
empfunden, wie denn auch in Laienkreiſen noch
heute das Urteil allgemein iſt, daß der erſolgreiche
Bejuch der Univerſität die AuSübung des Berufs
ein für allemal ſichere. Und doch führt eine Be-
ſinnung auf die Aufgaben des Lehrerberufs
gerade in unſerer Zeit zu der Gewißheit, daß der
Fortbildung die ernſteſte Sorgfalt zugewendet
werden muß. Die Vorbildung erfolgt in einem
verhältnismäßig jugendlichen Alter; ihrer Dauer
werden immer beſtimmte Grenzen gezogen jein.
Bei der Schwierigkeit des Unterrichts und der
Erziehung kann im beſten Falle nur von einem
guten Anſang die Rede ſein. Ganz offenkundig
iſt die Geſahr, daß ein Lehrer, der nur von dem
einſt erworbenen Beſiß zehrt, ſich bald ver-
ausgabt hat und zu einem handwerksmäßigen
Betrieb herabſimkt. Handelt es ſich nicht bloß
um Vermittlung nüßlicher Kenntniſſe und Fertig-
feiten, ſondern um die Bildung aller geiſtigen
und förperlichen Kräfte, jo iſt hierzu unfähig
jedenfalls der, deſſen eigener Beſitz erſtarrt iſt,
fähig nur der, deſjen Inneres lebendig iſt und
darum auch Leben ſchaffen kann. Recht ver-
itandener Arbeitöunterricht iſt im lezten Grunde
Lehrerbibliotheken -- Lehrerfortbildung

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nicht eine Sache methodiſcher Regeln; ex wird
nu erteilt werden künnen von einem Lehrer, der
jelbſt arbeitet. Die Wiſſenſchaften und Methoden
jind in beſtändigem Umbau und Fortſchritt be-
griffen; es iſt kein erhebendes Schauſpiel, wenn
die Naturwijjenſchaft in der Schulſtube um viele
Jahre hinter der Forſchung zurückbleibt. In un-
jeren Tagen zeigt der natürliche Fluß der Dinge
eine derartige Beſchleunigung, daß es ſich für
Alte wie Junge micht bloß um eine Ergänzung
ihres Bejißes, ſondern um eine Neugewinnung
der Grundlagen unſeres geiſtigen Seins Üüber-
haupt handelt. Der Aufgabenkreis aller Schulen
hat jich erheblich erweitert, zunächſt in ſtofflicher
Hinſicht, noch mehr aber dadurch, daß der Schule
bei dem Verjagen anderer Mächte eine Fülle von
erziehlichen Pflichten zugewieſen iſt. Eine
Schwierigkeit eigener Art liegt noch auf dem Ge-
biete der Volksſchule inſofern vor, als für die
nächſten Jahrzehnte infolge der Neuordnung der
Lehrerbildung zwei Arten von Lehrern mit ganz
verſchiedener Vorbildung vorhanden ſein werden.
Den Geſahren, die daraus in praktiſcher und
idealer Hinſicht entſpringen, wird man nur durch
eine kraftvolle, gemeinſame Fortbildung be-
gegnen können. --Jede Fortbildung hat ſich in
erſter Linie dem Stoff des. Unterrichts zuzu-
wenden. Unerträglid) iſt ein Unterricht, der in
ausgeklügelten methodiſchen Formen einhergeht,
inhaltlich aber dürftig oder leer iſt, während um-
gekehrt der ſachlich Hochſtehende in vielen Fällen
auch bei methodiſchen Mängeln Intereſſe und
Fortſchritt erzielen kann. Methodiſche Fragen
können nur in dem Maß befriedigend gelöſt
werden, als ihrer Bearbeitung eine gründliche
Durchdringung des Stoffe3 vorau8geht. Der
Lehrer muß aus dem Vollen ſchöpfen, muß weit
mehr beſitzen, als er gibt. Nur wer ein klares,
ausgebreitetes Wiſſen beſißt und dauernd weiter-
arbeitet, wird den beiden Haupterforderniſſen
jedes Unterrichts gerecht werden können: Ex-
kennen des Weſentlichen und ſelbſtändige ſprach-
liche Formung, wie ſie die Entwiklungsſtufe des
Schülers verlangt. Wie ſchwer allerdings gerade
heute die wiſſenſchaſtliche Fortbildung iſt, zeigt
eim Blick auf die verſchiedenen Gebiete. Die
Naturwijjenſchaſten haben ihren Bereich in das
Ungemeſßjene ausgedehnt, Geſchichte und Erd-
kunde ihre Rahmen mit reichem und lebendigem
Stoff gefüllt, die Sprachwiſſenſchaften ſind durch
Die Kulturkunde erweitert, die techniſchen Fächer
inhaltlich ſaſt neu geworden. Iſt eine voll-
kommene Beherrſchung eines Faches auch dem
Gelehrten nicht mehr möglich, jo erſt recht nicht
dem im Amte ſtehenden Lehrer. Es kann alſo über-
haupt nur darauf anfommen, daß der Lehrer auf
einem oder mehreren Gebieten ſich ernſtlich
weiterbildet. Entſcheidend iſt nicht die Menge
des Stoſſes, jondern die eindringende Kraft dex
Arbeit. Wer ſie in kleinem Raume wirklich geübt

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