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wertung leicht den Charakter der L., es ſei denn,
daß jeht etwa die Geläufigfeit ſelbſt als ein Au3-
Druc der L. angeſehen wird. Von beſonderer
Bedeutung für die Entwicklung zur Verſönlich-
keit iſt es, wenn der Menſch feine Fähigkeit
zum Vollzug ſittlicher Leiſtungen erlebt, da im
Zuſammenhange damit das Phänomen der
fittlichen Selbſtachtung entſteht, das nicht nur
Der ſtärtjte Hebel der ſittlichen Entwicklung, ſon-
dern auc) Bedingung einer autonomen Sittlich-
keit iſt. Die für die Menſchheit bedeutendſten
Leiſtungen ſind die ſchöpferiſchen, auſſteigend
von rein techniſchen Erfindungen bis zu rein
geiſtigen Leiſtungen auf den Gebieten Wiſſen-
ſchaft, Kunſt und Religion. Aber während die
techniſche L. meiſt zu einem leicht erfaßbaren
Nutßwert führt, ſezen die rein geiſtigen ſchüöpfe-
riſchen Leiſtungen ein ſolch hohes Maß des Ver-
ſtehens voraus, wie es nur bei wenigen zu finden
iſt, und oſt wird es erſt eimer ſpäten Nachwelt
möglich, die Größe einer ſolchen L. zu erfaſſen.
Im Schulleben ſpielen die Leiſtungen der Schüler
eine erhebliche Nolle; denn wir haben uns daran
gewöhnt, den Schüler nach ſeinen Leiſtungen zu
beurteilen. Hierbei verdient zweierlei die Auſ-
merkſamkeit des Pädagogen: in der Struktur der
Schule liegt es begründet, daß die intellektuellen
Leiſtungen im Vordergrunde ſtehen ; nur zu leicht
wird darum von ihnen aus fälſchlich ein Urteil
über die Gejamtperſönlichkeit gefällt. Schon
dabei kommt der Menj< zu kurz, und wenn
wir noch berüdſichtigen, wie im Berufsleben der
Menſch wieder leicht nur als Arbeitsfraft ge-
wertet wird und wie die ungeheure Differen-
zierung der Beruſe die Einſeitigkeit wieder ver-
ſtärkt, jo laufen wir Gefahr, gerade diejenigen
Seiten der menſchlichen Perſönlichkeit in ihrer
Entwicklung zu hemmen, die für die Sittlichkeit
und unſer Gemeinſchaftsleben von entſcheidender
Bedeutung ſind. Ferner ſtellt man ſich meiſt
den Schluß von der L. auf die Begabung zu
leicht vor; beſonders jollte man fich hüten, aus
gegenwärtig vorliegenden Leiſtungen allzu weit-
gehende Schlüſſe über die zukünftige Ent-
wicklung deſjen ziehen zu wollen, der die L.
jebt vollzogen hat. Die Unſicherheit dieſes
Schluſſes wird beſonders im Zuſammenhang
mit der Begabungsforſchung klarzulegen ſein
(ſ. Art. „Begabung uſw.“). Kußner.
Leiſtungsfehler |. Fehlerkunde.
Leitfäden [. Lehr- und Lernmittel.
Lektionsplan ſ. Stundenplan.
Lernbuch ſ. Lehr- und Lernmittel.
Lernen und Lehren. 1. Gegenſtände des
Lernens. 2. Vorgänge des Lernens.
3. Schule und Lernen. 4. Lehren.
1. Gegenſtände des Lernens. Das „Lernen“
aehört zu den pädagogiſchen Begriſfen, die unter
Leiſtung -- Lernen und Lehren


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dem ECinſluß tieſgreiſender geiſte3- und bildungs-
geſchichtlicher Entwieklungen eine Verengung
erlitten haben. Was heute gemeinhin unter
dem Lernen des Kindes und des Jugendlichen,
vejonders aber unter vem Lernen des „Schülers“
in der Schule und im Unterricht verſtanden wird,
ijt im weſentlichen die -- im Einprägen und
(Einüben jich vollendende -- Aneignung von
„Fenntnijjen und Fertigkeiten", von „Wiſſen
und Können", wozu dann nur noch, bei etwas
tieſerem Blid für das Weſen und die Wir-
fungen diejer Aneignung, gewiſſe formale
Clemente: 3. B. die logijcge Schulung, das
„Denkenlernen“, und die Schulung phyſiolo-
giſcher Funktionen hinzutreten. Das Lernen
iſt hier alſo gewiß nicht auf das „Aus-
wendiglernen"“ beſchränkt, iſt auch nicht als
„medhaniſches" Lernen gedacht, braucht auch
micht als ein Anſammeln und Aufhäuſen von
„wten“, d. h. unverwerteten und unverwert-
baren Kenntniſſen gedacht zu ſein, auch nicht
als ein bloßes Empfangen überlieferter Lehren
im Gegenſaß zu dem „GCrarbeiten“, dem ſelbſt-
tätigen Erwerb der Kenntniſſe; das alles kann
man zugeben und bei den kritiſchen Erwägungen
mit in Nechnung ſtellen, und wird doch die üb-
liche Auffaſſung vom Lernen, auch die vom
Schul-Lernen, für zu eng halten müſſen. Den
vollen Smn der Sache fann auch hier die
Sprache uns nahebringen; ſie führt -- nicht nur
altes Leben, ſondern auch ewige und unver-
gängliche Wahrheiten mit ſich. Hören wir auf
ſie, wie ſie ganz ohne pädagogiſche Neflexionen
vom Lernen ſpricht, jv entnehmen wir den
mannigfachen Worten und Wendungen, daß
der Menjc< und alſo erſt recht doch der jugend-
liche Menſch auch lernen foll, Glauben und
Ehrfurcht zu haben, ſich in Selbſtzucht unter
ewige Geſeße zu beugen, den Menſchen als
Menſchen zu lieben und ihm hilfreich zu ſein,
jich in die Gemeinſchaft zu fügen und einzu-
ordnen, auch des Schönen ſich zu freuen und
Schönes zu geſtalten u. dgl. mehr. G38 ſind
das wenige Andeutungen, aber aus ihnen
dürfte joviel hervorgehen, daß es ſich mit dem
Lernen der Jugend -- und zwar gerade mit
dem geiſtigen und dem auf die poſitiven
Werte bezogenen Lernen -- doch etwas an-
ders verhält, als ſelbſt die pädagogiſchen For-
mulierungen zuweilen den Anſchein erwecken,
daß in dem Umkreis ſeiner Gegenſtände nicht
nur Kenntniſje und Fertigkeiten, Wiſſenſchaft
und Technik liegen, ſondern auch das Sittliche
und das Heilige, auch das Verbundenſein in
der Gemeinſchaft wie auch das Schöne
und das Crhabene in Kunſt und Natur --
aber das alles als beſondere Werte und nicht
etwa nur wieder als Gegenſtände des Wiſſens.
Und wir werden nicht fagen können, daß das
Lernen in diejen irrationalen Bezirken, alſo

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