475
drei Lehrfräſten und je eine Hilfsklaſſe mit
einer Lehrkraft in Lemgo, Bad Salzuflen, Schöt-
mar, Lage, Blomberg und Oerlinghaujen.
Blöde Kinder nimmt die Anſtalt ECben-Czer
bei Lemgo, ſfürjorgebedürftige Mädchen
von vier bis zu 12 Jahren die Sophienanſtalt
bei Detmold und männliche Fürſorgezüg-
linge die Anſtalt Grünau bei Schötmar auf.
Kleine Kinder, deren Mütter tagsüber durch
beſondere Arbeit in Anſpruch genommen ſind,
finden von morgens bis abends Wartung und
Pilege in der Paulinenanſtalt in Detmold und
in Kinderbewahranſtalten anderer Städte des
Landes. =-
Für Schulen und Unterricht gibt der lippijche
Staat nach vem Etat ſür 1929 3247719 2.4
aus; nach Abzug der entſprechenden Einnahmen
im Betrage von 330343 ZA verbleiben an
Koſten 2917376 ZA. Wenn dazu nach Abzug
der Einnahmen noch die Aus8gaben ſür hiſtoriſche
und fünſtleriſche Zweeke, für die Lanvesbiblio-
thef und das Lande3muſjeum mit insgejamt
93041 24 hinzugerechnet werden, jo betragen
die Koſten des Landes für das Bildung5wejen
3010417 24
Literatur. Die lippiſchen Lande8veropTrdnUn-
gen(LVO.), (Lipp. Geſ.-Sammlung) und Verordnungen enthalten.
Der Staatöhaushaltöplan für das Nec 1929. Schmidt (Deimold).
Lijpeln |). Sprachheilpflege.
KSiteratuyurfuyndlicher Unterricht ſ. Schrifttum.
Lob j. Belohnung.
Lotte, John. 1. Leben. 2. Weltanſchau-
ung. 3. Rädagogiſche Anſichten. 4. Bedeu-
tung.
1. Leben. L. wurde 1632 in Wrington (ſüdl.
von Briſtol) geboren. Seine Cltern -- jein Vater
war RechtSanwalt -- ſchemen ſich ſehr ſorgſältig
und verſtändig um die Erziehung ihrer Kinder
bemüht zu haben. Jedenfalls rühmt L. an dem
Vater, er habe es verſtanden, die Autorität recht-
zeitig in Freundſchaſt und Freiheit übergehen
zu lajjen. Mit 14 Jahren kam er in die Weſt-
minſterſchule in London. Hier gehörte faſt die
ganze Tagesarbeit dem Überſeßen, der Gram-
matif, dem Verſemachen, dem Deklamieren und
I Dis8putieren i in lateiniſcher und griechijcher Spra-
che; die Methode war die des Vortragens, Auf-
gebens und Abhörens, die Moral der Schüler-
ichaft bedenklich; körperliche Züchtigungen wur-
den pft wegen nur geringer Formfehler ver-
hängt. L. hat ſpäter über dieſe Schule wie über
die andern jeiner Zeit nur vernichtende Urteile | 1
ausgeſprochen und bezeichnet das Treiben und
den Unterricht in ihnen als entwürdigende Skla-
verei (Gedanfen über Erziehung 8 94 u. 8.). --
Mit 20 Jahren bezog er die Univerſität in Oxford,
wurde Lehrer für Griechiſch, Rhetorik und Moral-
Lippe (Bildungsweſen) -- Locke

476
philoſophie, ſchied aber 1666, von dem Unter-
richtsbetrieb nicht befriedigt, 'aus und widmete
jich dem Studium des Carteſius und Baco, die
ihn weg von dem SkeptiziomuS auf den Weg DEr
Beobachtung und Erſahrung wieſen. Jnzwijchen
war die Negierung auf ihn auſmerkſam geworden
und hatte ihn als Sekretär des engliſchen Ge-
jandten 1665 zu politiſchen Verhandlungen mit
vem Kurfürſten von Brandenburg nach Cleve
gejandt. Zurüdgekehrt jetzte er ſeine Studien
namentlich in den Naturwiſjenjechaften und der
Medizin fort. 1667 ſchloß er eine dauernde
Freundſchaſt mit Lord Aſhley, Graf von Shaf-
teöSbury, dem ſpäteren Schaßkanzler in London,
und wohnte in deſjen Hauſe als Berater in po-
ſitiſchen Dingen, bejonders mit der Sorge für die
Erziehung des kränklichen Sohnes Aſhleys be=-
traut. Dabei gewann er das Vertrauen der Fa-
milie jo jehr, daß man ihm ſpäter auch die Er-
ziehung des Enkels übertrug. Als Aſhley 1673
entlaſjen wurde, lehrte L. zwei Jahre Medizin
in Oxſord und bereiſte dann drei Jahre lang
Frankreich. Zurückgekehrt betätigte er ſich wieder
als politijcher Berater jeines Freundes in den
Kämpfen des Parlaments mit dem König, bis
jener wegen des Verdachts, an einer Ver-
jchwürung gegen das Leben des Königs beteiligt
zu ſein, nach Holland flüchten mußte, wo er bald
ſtarb. L. war genötigt zu folgen und lebte von
1684-1689 als Verbannter in Amſterdam,
Leyden, Utrecht und Notterdam, unermüdlich
philojophiſchen und mediziniſchen Studien hin-
gegeben. Hier erſchien 1687 der „Verſuch über
den menſchlichen Verſtand". Als nach der Ver-
treibung Jakobs 11. Wilhelm von Oranien
König von England geworden war, konnte L.
1689 wieder zurückfehren und wurde Appella-
tionörat an dem höchſten Gerichtöhof in London,
jpäter auch Mitglied des „Handelrates". Ex er-
ſreute ſich im hohem Maße des allgemeinen Ver-
trauens und wurde von der Regierung oſt als
Gutachter und Berater herangezogen. Bezeich-
nend iſt, daß, als die Regierung eine Herab-
jezung des Zinsfußes und eime Erhöhung des
Nennwerts der Münzen plante, L. es war, der
aus der Natur des Geldes ſcharſſinnig nachwies,
daß man durch derartige Mittel auf die Dauer
die Währung eines Landes nicht auſrecht ex-
halten könne. =- Von Amtsgeſchäften überladen
und von zunehmender Kränklichkeit geplagt,
ergriſſ er jreudig die Einladung jeines Freundes
Sir Francis Maſham, bei ihm in ſeinem Land-
hauſe in Oates bei London zu wohnen. Zu
anregendem Freundesfkreije hat er hier die leßten
3 Jahre ſeines Lebens zugebracht. 1693 gab er
die Brieſe, die er ſrüher an die Familie des be-
ſreundeten Edward Clarke über Erziehungsfragen
geſchrieben hatte, auf Drängen ſeiner Bekannten
als „Gedanken über Erziehung“ heraus. Theo-
logiſche Studien, namentlich über die Vernunft-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.