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demjenigen PantheiSmus als einer mög-
lichen Auſſaſjung der Welt beiſtimmen können,
der jeder Neigung entſagte, das unendliche Reale
in einer andern Form als der des Geiſtigen zu
begreifen; religiös aber teilen wir die Stimmung
nicht, welche die pantheiſtiſche Phantaſie zu be-
herrſchen pflegt: Die Niederdrüchmg allo3 Env-
lichen gegen das Unendliche, die Neigung, alles,
was Wert für das lebendige Gemüt hat, nur als
vergänglich, nichtig und hinfällig zu betrachten
gegenüber der Mazeſtät des Einen, auf deſſen
formale Eigenſchaften der Größe, Cinheit, Cwig-
feit und Unerſchöpflichkeit ſie alle Verehrung
konzentriert.“ Won den Gottesbeweiſen exr-
kennt er vor allem den ontologiſchen an, den er
aber nicht nur als einen logiſchen Beweis ver-
ſtanden wiſjen will, jondern den er auf die un-
mittelbare Gewißheit der notwendigen Forde-
rungen des Gemüts zurückführt: „Es iſt eine un-
mittelbare Gewißheit, daß das Größte, das
Schönſte und Wertvollſte nicht bloßer Gedanke,
ſondern Wirklichkeit ſein muß, weil es unerträg-
lich an ſich jein würde, von dem Jdeal zu glauben,
daß es eine Vorſtellung ſei, die das Denken wohl
in ſeiner Arbeit erzeugt, die aber in der Wirklich-
feit feim Dajein, keine Macht und keine Gültig-
keit habe. Wäre das Größte nicht, ſo wäre das
Größte nicht, und es iſt ja unmöglich, daß das
Größte von allem Denkbaren nicht wäre.“ --
Nicht nur die Schöpfung der Welt nach einem
göttlichen Plane und durch die Gedanken Gottes
wird von ihm philoſophiſch geſtüßt, ſondern auch
die Regierung der Weltentwieklung durch Gott
wird ſeſtgehalten. Wunder find dabei nicht aus-
geſchloſſen, doch ſind ſie nicht als Durchbrechun-
gen des Naturlauſs zu verſtehen, ſondern als
Cinwirkungen Gottes auf einzelne Seelen, die
dann, an die Geſetze des natürlichen und geiſtigen
Lebens gebunden, neue Anſtöße der Entwicklung
und neue, vem allgemeinen Weltplan gemäße
Anfänge geiſtiger Bewegung in die Welt ein-
führen. Das Ziel der Weltentwicklung und der
Geſchichte iſt nicht die vollendete Moralität, wie
es Kant meinte, jondern die Seligkeit als eine
auf das Ganze der Welt bezogene Luſt, die zu-
gleich den höchſten erlebbaren Wert danſtellt.
Literatur. Von den oben aufgezählten Werken
8.3 ſind neu herausgegeben worden: Syſtem der Philo-
jophie, Bd. 1: Logik (19282); Bd. 11: Metaphyſik (1912),
von G. Miſch. Mitkrofo8mos, Bd. 1--111 (1924), von
Raymund Schmidt. Geſchichte der Äſthetik in Deutſch-
land (1913). Im übrigen vgl. das Verzeichnis der Au8-
gaben der Werke und der Kollegdiktatein F. Uoeberwegs3
Grundriß der Geſchichte der Philoſophie, Bd 1V (19231?)
S. 299 f. = Darſtellungen. EC. Pfleiderer: L.3
philoſophiſche Weltanſchauung (18842), = G. Miſc<:
Einleitung zu ſeiner Au8gabe von L.3 Logik (19282), --
M. Wentſcher: H. L., Bd. 1: Leben und Werke (1913).
-- H. Johannſen: H. L. (1929). -- J. W. Schmidt-
Japing: L.3 Neligion3philoſophie, dargeſtellt im Zu=
| menhang mit L.3 philoſophiſchen Grundanſchauungen
DJ.
Leiſegang.
Loße -- Lübe> (Bildungsweſen)

506
Lüben (Bildungsweſen). 1. Allgemeines. Das
Schulweſen eine38 kleinen Stadtſtaates wie
Lübe> hat engere Grenzen, aber auch andere
Möglichkeiten der Entwicklung als das der
größeren Länder. So muß es ſich bewußt bleiben,
daß ſeine Kräfte beſchränkt ſind. Daher hat man
jolchye Anſtalten wieder auſgehoben, die für einen
weiteren Kreis als das Land wirkſam ſind, wie
die Baugewerkſchule, oder die eine einſeitige
Ausbildung einer Beamtengruppe befördern,
wie das Lehrerſeminar, und hat daſür außer
den allgemeinbildenden Schulen ſolche Fach-
ſchulen eingerichtet, die einer größeren Zahl
von jungen Leuten es möglich machen, ſich für
einen Beruf aus8zubilden, den ſie auch außerhalb
ausüben können.
Weiter iſt dagegen der Wirkungskreis eines
tleinen Schulweſens geſte>t, wenn es gilt, neue
Wege zu verſuchen. Da laſſen ſich die perſön-
lichen Vorbedingungen dafür leichter ſchaffen,
und es wird nicht ſo gehemmt durc) die Bedenken
des Präzedenzſalles und der Konſequenzen für
weitere, verſchiedenartig geſtaltete Gebiete. Auch
ſind in Lübe> Staat und Stadt eins3; dieſe beiden
Mächte arbeiten alſo nicht, wie e3 ſonſt zuweilen
geſchieht, wohl einmal gegeneinander.
2. Verwaltung. In der Verwaltung des
lübekiſchen Schulweſens treten die Züge der
Bürgerrepublik ſtark hervor. Nach dem grund=-
legenden Unterricht8geſeß von 1885 nebſt zurzeit
26 Nachträgen und dem Über die Umgeſtaltung
ver Oberſchulbehörde von 1928 ſorgt für Unter-
richt und Volksbildung die Oberjchulbehörde.
Sie beſteht aus drei Senatoren, von denen einer
den Vorſiß hat, und zwölf bürgerlichen Mit-
gliedern, von denen 4 vom Senat, 8 durch die
Bürgerſchaft berufen werden. Der bürokratiſche
Beſtandteil der Behörde, der Landesſchulrat und
der Schulrat (dem zurzeit noch eine Hilfskraſt
zugeordnet iſt), ſind nur beratende Mitglieder und
ausführende Organe, die inſonderheit auch die
Sculaufficht ausüben. An den Sißungen der
Behörde nehmen außerdem noch mit beratender
Stimme teil Vertreter der Lehrerſchaft, die von
ven Shulfammern gewählt werden, und weiter
Vertreter beteiligter Verwaltungen und Orga-
mſationen, wie der Bibliotheksdirektor, das
Landesjugendamt, die Schulvorſtände der Be-
ruſ8- und Fachſchulen, der Sportverbände, des
Bibliothek8perjonals, der Turnwart, der Phyſi-
kus. Gine ganze Anzahl von Kräſten, die in
größeren Ländern nur unmittelbar wirken kön-
nen, jind alſo in der entſcheidenden Behörde
vereinigt. Das ſchaltet manche Verzögerung
Des Inſtanzenweges aus, die im großen Ge-
bieten unvermeidlich iſt.
3. Schulauſbau. Der Auſbau des Schulweſens
trägt in zweierlei Hinſicht eigene Züge: durd)
das Geſetz über die Vereinheitlichung der Mittel-
und Volkſchule iſt der Gedanke der Einhe113-

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