519 Lüge, Wahrhaft
== Fr. W. Foerſter: Schule und Charakter (191412), --
Habrich: Pädagogiſche Pſychologie (1911). =- Lipp-
mann=-Plaut: DieL. in pſychologiſcher, philoſophiſcher,
juriſtiſcher, pädagogiſcher, ſozivlogiſcher, ſprach- und
literaturwiſſenſchaftlicher und entwiklungsgeſchichtlicher
Betrachtung (1927 ; jachlich-ſyſtematiſches Sammelwerk
mit 24 fachlichen Abhandlungen). Eberhard.
Luſt, Unluſt, Der Terminus Luſt-Unluſt wird
in ver Pſychologie vornehmlich zur Bezeichnung
der Geſühlsqualitäten gebraucht; |. hierzu den
Art. „Geſühl", beſonders die dort gemachten '
Ausführungen über die Unzulänglichkeit der ;
reinen Luſt-Unluſt-Theorie für dieKennzeichnung |
der Geſühls8qualitäten.
Der Volkömund und aud) die pädagogiſche
Terminologie aber verwendet die Ausdrücke
auch in Wendungen wie „Luſt an oder zu einer
Sache haben, Luſt zum Lernen, Unluſt zur
Arbeit ujw.". In dieſen Wendungen bedeuten
die Ansdrücke L. u. U. nicht bloße Qualitäten
eines Gefühls, ſondern ſie bezeichnen eine
aktive Tendenz des Bewußtjeins, ein inten-
tionales und wertendes Gerichtetjein. In
dieſem Sprachgebrauch deckt jich L. u. U. zum
Teil mit den in der Pſychologie und der Päd-
agogikf gebrauchten Ausdrücken Neigung oder
Intereſje.
L. u. U. in dieſem Sinne ſind aber nicht immer
nur eine Folge der Bedingungen des Intereſſes,
jondern ſie find, bejonder3 die allgemeine
Arbeitsluſt oder -unluſt, auch in ſtarkem Maße
abhängig vom augenblicklichen oder vom all-
gemeinen Ernährungs- und Geſundheit3zu-
ſtand, von körperlicher und geiſtiger Friſche oder
Ermüdung. Beſonder3 plößlich auſtretende und |
anhaltende Unluſt zu körperlicher und geiſtiger
Tätigkeit iſt vielfach das Anzeichen oder der '
Vorbote körperlicher oder geiſtiger Erkrankung.
Über die Luſt im Sinne des Intereſſes [. den
Art. „Intereſſe“ (Abſchn. 3ff.) und die dort
angeführte Literatur. Herchenbach.





Luther, Martin. 1. Kindheit und Jugend.
2. Studienzeit. 3. Im Kloſter zu Erfurt.
4. Die erjten Dozentenjahre. 5. Der
Bruch mit Rom. 6. L.5 reformatoriſches
Programm und der Reichstag zu
Worms. "/. Der Ausbau des Werkes.
8. Die Zeit der Erſtarkung des Luther-
tums und L.5 Alter.
1. Kindheit und Jugend. L. entſtammte
einem im thüringiſch-fränfiſchen Grenzgebiet
weitverzweigten Bauerngeſchlecht, das auch im
thüringiſchen Dorfe Möhra, ſeinem Geburtsort,
(jüdlich von Eiſenach unweit des Oberlaufes
der Werra) wohnhaſt war.
Von der Familie L.3 darf mit Sicherheit angenommen
werden, daß ſie urdeutſchen Geblüts war. Der Familien-
name -- auch in der Form Ludher, Luder, Lüder und
ähnlich gejehrieben --- iſt von Lothar abzuleiten. Die
Großmutter väterlicherſeits war eine aeborene Linde-

igkeit -- Luther 520
mann und ſoll aus dem fränkiſchen Neuſtadt ſtammen.
Die Mutter war eine geborene Ziegler. Die Annahme
ſlawiſcher Blutmiſchung in der Familie iſt durc nichts
zu belegen. Von den vier Söhnen von L,3 Großvater
Heine Luder erhielt nach der auch in Möhra herrſchenden
Sitte der Jüngſte ven väterlichen Hof. Die drei älteren
Söhne mußten demnach ſich auf eigene Hand durchs
Leben ſchlagen. Der zweite Sohn Klein-Hans hat wegen
einiger Naufereien nicht gerade außergewöhnlicher oder
gar ernſter Art die Gerichte beſchäftigt. Ander38 der
älteſte Sohn Groß-Hans, der ſich durch ſolide Arbeit-
jamkeit auszeichnete.
Mit ſeiner Frau und einem erſtgeborenen
Söhnchen begab Hans L. ſich wohl im Herbſte
1483 nach Eisleben, um als Bergmann ſein
Brot zu verdienen. Dort bezog er in der in
der Nähe der Vetrifirche belegenen Langen
Gajſe, die heute Dr. Lutherſtraße heißt, ein
tleines Häuschen, in dem ihm Montag, den
10. November 1483, gegen Mitternacht ſein
zweiter Sohn geboren wurde, den er am
nächſten Tage -- dem Martinstage -- vom
Pfarrer Nennebecher auf den Namen Martin
taufen ließ. Schon nach einigen Monaten
ſiedelte Hans L. nach dem damals im Mittel-
punkt des dortigen Bergbaues gelegenen
Mansfeld, diesSmal zu bleibendem Aufenthalte
über. Dort verbrachte Martin ſeine Kindheit.
Auch) wenn er es uns nicht erzählte, daß ſeine
Mutter im Walde geſammeltes Brennholz
auf dem Rücken ins Haus tragen mußte,
wird man anzunehmen haben, daß die all-
mählich recht finderreich gewordene Familie
zunächſt in Sorge und Armut lebte. Erſt
langjam gelangte Hans L. durch Beteiligung
jan kleineren Bergwerksöunternehmungen zu
einem mäßigen Wohlſtande -- bei ſeinem Tode
betrug ſein Vermögen 1250 Gulden -- und zu
Anjehen, denn als einer der „Vierherren“ hatte
er die Mansſelder Bürgerſchaft vor vem Ma-
giſtrat zu vertreten. Die Erziehung Martins
im Elternhauſe wird ſchlicht und hart geweſen
jein. Daß er von Vater und Mutter je und dann
Schläge befam, berichtet er ſelbſt, ebenſo aber
auch, daß nach einer beſonders harten Züchtigung
der Vater ihn „wieder zu ſich gewöhnte".
Davon, daß er zuhauſe beſonders tiefe religiöſe
Cindrücke empfangen hätte, berichtet er nichts.
Der Vater hat ſich 1497 für einen biſchöflichen
Ablaß intereſſiert, die Mutter galt ſpäter als
ſleißige Beterin. Jedenfalls haben allerhand
Spuktgeſchichten über Hexen und aus dem
Bergwerk, die Martin daheim hörte, auf ihn
tieſere Eindrücke gemacht, als jene Äußerungen
gut mittelalterlicher Frömmigkeit, die doch nicht
jo weit ging, daß Hans L. ſich bei einer Krankheit
dazu entſchließen konnte, ſeine Kinder durch
ein der Kirche gemachtes Vermächtnis zu
benachteiligen. Wohl aber hat Hans L. offenba1
jrühzeitig die Begabung ſeines Martin erkannt
und ſich entſchloſſen, ihm eine gute Schul-
bildung angedeihen zu laſſen.

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