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Volksſchulen weſentlich günſtigere Voraus-
jezungen gegeben. Da wo die Vorausſezungen
für die Staatsunterſtüßung gegeben ſind, joll
ſie ſich in der Negel auf 60 Prozent des Betrages
belauſen, der zur Beſoldung der vollbeſchäftigten
Lehrer aufgewendet wird.
Neben den privaten Minderheitösſchulen ſehen
die beiden Ordnungen auch öſſeniliche Volks8-
ſchulen für die däniſche und polniſche Minderheit
mit der „Minderheitsſprache“ als Unterrichts-
ſprache vor. Abgeſehen von den drei Grenzkreiſen
Flen3sburg Stadt und Land und Süd-Tondern,
wo für die dänijche Minderheit bejondere Beſtim-
mungen gelten, künnen die privaten Minderheit3-
volfsjſchulen, bei denen die Vorausſezungen ſür
die Gewährung einer Staatsunterſtüzung wäh-
rend drei aufeinander ſolgender Jahre gegeben
ſind und noch fortbeſtehen, auf Antrag der Er-
ziehungsberechtigten von 40 volksſchulpflichtigen
Kindern in eine öffentliche Minderheitsvolks-
jhule umgewandelt werden, ſofern nicht die
Erziehungsberechtigten einer größeren Zahl
der Schüler widerſpricht. Bei der Anſtellung
von Lehrern an dieſen üöfſentlichen Schulen iſt
dem Elternbeirat dieſer Suren Gelegenheit
zu Vorſchlägen zu geben. Außerdem gelten
bis zum 1. April 1934 für die Errichtung öffent-
licher Volksſchulen mit der Minderheitsſprache
als Unterrichtsjprache und für die Umwand-
lung privater Minderheitsvolksſchulen die öffent-
lichen Übergangsbeſtimmungen.
Neben den Vorſchriſten der beiden Ordnungen
iſt der ſür einzelne Regierungsbezirke gegebene
Erlaß des Unterrichtsminiſters vom 31. Dezem-
ber 1918 -- U HI A 1420 -- (Zentralblatt für
die Unterrichtsverwaltung 1921, S. 42) über pol-
nijchen Schreib-, Leſe- und Religion3unterricht
in Kraft geblieben. Ein gleicher Erlaß gilt auch
für wendiſchen Schreib-, Leſe- und Religions-
unterricht in dem Regierungsbezirk Liegniß.
Außerhalb Preußens ſind im Freiſtaat Sachſen
durch das Übergangsgeſeß für das Volksſchul-
wejen des Freiſtaates Sachſen vom 22. Juli 1919
(Geſetß- und Verordnungsblatt ſür den Freiſtaat
Sachſen, 15. Stü, Nr. 91, S. 164 ff.) einige
Beſtimmungen über den Unterricht in Schulen
mit wendiſcher und gemiſchtſprachiger Bevölke-
rung gegeben. Minderheitsſhulen in dem oben
dargeſtellten Sinne ſind dort aber nicht vor-
geſehen. Gürich.
Minderwertigfeitzgeſühl |. GSelbſtgefühl,
Schamgefühl, Soziale Gefühle.
Mineralogie | Chemie- und Mineralogie-Unter-
richt.
Miſſion j]. Innere Miſſion,
Chriſtentums.
Miſſion5pädagogik. 1. Die Theorie. Den leben-
digen Mittelpunkt und unverrückbaren Regulator
aller M. zu allen Zeiten bildet die „Botſchaft"
Weltmiſſion des
Minderheits3jc
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de3 Evangeliums, die im Gehorſam gegen den
erhöhten Herrn zum Zwe> der Jüngerwerbung
ergeht (Matth. 28, 9). Aber mit der neuerlichen
Wendung der Theologie in das Frümmigkeits-
leben und der gleichzeitigen AusSrichtung der
Pädagogik auf Ganzheit und Lebenshemächti-
qung hat ſich auch das miſſionariſche Erziehungs3-
Denfen vertieft und erweitert. (E8 vermag fich
nicht mit der „Ausrichtung“ der Botſchaft zu
begnügen, jondern weiß ſich verantwortlich dafür,
daß dieſe Ausrichtung ſo eindruckskräftig wie
möglich erfolge, unter Ausnußung aller uns
geſchenkten Gaben und Erkenntniſſe und in
Würdigung des Umſtandes, daß die Völker
Aſiens und Afrikas in dem Übergang zum
„Reiſealter“ ſtehen, damit die alte völkerer-
ziehende Kraft der Ausdruck in einer durch die kataſtrophalen Er-
ſchütterungen neu ſtrufturierten Welt finde. Das
heißt: über das rein Lehrhaſte der Verkündigung
(die doktrmäre Methode und den bloßen „Unter-
richt“) greift die erziehliche Haltung grundſäßlich
hinaus, um ſämtliche Lebensträger des miſſio-
nariſch- pädagogiſchen Bereichs (Schule, Sitte,
Mutterſprache, heimatliches Milieu, die geiſtige
und religiöſe Mentalität, aber auch Feier und
Andacht, Gebet und Gemeinſchaft) in den Dienſt
des Aufbaues der chriſtlichen Perſönlichkeit zu
ſtellen und auch die ſozialen Lebensfelder draußen
und daheim (Haus, Gemeinde, Kirche) und leßt-
lich die allgemeine Miſſionspflicht eines jeden
Chriſten für den Dienſt eimer „religiöſen Erzie-
hung“ (j. d.) zu orgamjieren. Jm Gefolge dieſer
Leben3pädagogik geht die Einſicht einher, daß
die Auſgabe der M. ſich nicht auf die Schule
oder gar auf den NReligionöunterricht beſchränkt,
ſondern daß letztlich alle Miſſion3Sarbeit, auch
die ärztliche, die ſoziale, die Predigttätigkeit
„angewandte Pädagogik“ iſt, jo gewiß andror-
ſeit3 nicht „Pädagogijierung“ der Miſſion da3
lezte Ziel jein darf, ſondern jenes immer nur
Mittel zum Zweck der Chriſtianiſierung der
Völkerwelt durch motivkräſtige Darbietung des
Cvangeliums iſt. Auf dieſes Prinzip m AusSgeſtaltung der Schule und des
ganzen Gemeindeaufbaues hat ſich die erwei-
terte Tagung des Internationalen Miſſions-
rates Oſtern 1928 in Jeruſalem in Abgren-
zung gegen national- oder kolonial-pädago-
giſche Beſtrebungen einmütig zurügezogen; die
Grgebnijſe dieſer Konferenz, die auch für die
proteſtantiſche M. emen Markſtein und Neu-
anfang bedeutet, liegen vor in dem Bande
„Religious Education“ des achtbändigen Kon-
ferenzbericht8 (London 8W 1, International
Missionary Counci)).
2. Die Praxis, Als Exponent der M. ſteht
die Schule vor uns; ſie treibt Menſchheitser-
ziehung wie keine andere Macht der Erde und
rechtfertigt mit ihren rund 50 000 proteſtan-

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