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tiſchen Schulanjtalten und 2% Millionen Schü-
lern (die katholiſche Weltmijjſion repräſentiert
ungefähr gleich große Zahlen) den Ruf der
Mijſion als des älteſten und wirkſamſten Trägers
der Crziehung an der Völkerwelt. Das Miſſion8-
jchulwejen baut ſich aus eigenen Bedürſnijjen in
ven drei Stufen der Gemeindeſchule, dex Mittel-
jchule und des Seminars (bzw. der Hochſchule)
elaſtiſch auf und empfängt aus den örtlichen oder
individuellen Verhältniſen jeine beſondere Aus-
geſtaltung; neben diejen Formen der „Heiden-
ſchule" erſteht va, wo vor jich geht, die vſt ſreilich nux ideell von jenen ſich unterſcheidet.
Während urſprünglich die Erfolge der Samm-
lung von Heidenktindern in EClementarſchulen
gering waren, hat der infolge der ziviliſatoriſchen
Angleichung heute durch die Welt der primitiven
vie der öſtlichen Kulturvölker hindurchgehende
Bildungshunger die Schulen aller Art zu Brenn-
punften des Interejjes für die Kinder, die Eltern
und die Staatsverwaltungen gemacht. Beſon-
ders günſtig ſcheint die Lage in den britiſchen
Hoheit3gebieten Afrikas zu liegen, wo nach dem
Kriege eine Umſtellung der Kolonialregierung
zur Bejahung des eingeborenen Volkötums vor
ſich gegangen iſt; die Loſung iſt nicht mehr der
„ihwarze Engländer“, ſondern der „gute Aſri-
kaner“. Da dieſes Erziehungsziel durchaus mit
Den alten und bewährten Grundſäßen der
deutſchen M. und mit den neueren amerikaniſchen
Der Phelp3-Stoke8-Kommiſſion (vgl. Th. IJ.
Jones: Kducation in Africa und Education in
Kast Africa, 1920 u. 24) zuſammenfällt, ſo iſt
die Regierung grundſäßlich bereit, den Miſſionen
das gejamte Volksſchulweſen zu überlaſſen und
es finanziell zu ſtüßen =- wiewohl bei dieſer Lage
nicht überjehen werden kann, welche inneren
Schwierigkeiten angeſichts der Verſchiedenartig-
keit der lezten Triebſedern der Miſſion aus dieſer
Arbeit8gemeinſchaft erwachſen können. Koms-
plizierter noch wird die Lage, wo im Zuſammen-
hang mit dem Exſtarfen des Nationalgeſühls und
des Raſjengegenſatzes die Regierung das Schul-

MiſjionS8pädagogit -- Mittlere Reiſe

wejen als ein Mittel und eine Stüße ihrer Staats-
hoheit ſelbſt in die Hand nimmt: in Britiſch-
Indien gliederte ſich die Schulverwaltung das |
Miſſionöſchulweſen auf dem Wege des Schul-'
zuſchuſſes ein und unter; in Japan nahm die
Negierung das Volksſchulweſen ausſchließlich in
Anjpruch und ließ den Miſſionen nur in dem
Kindergarten und der höheren Schule Bewe-
gungsfreiheit; in der Türkei und Perſien (ſ. Art.
„ilamijches Bildungsweſen") iſt die Miſſions-
ſchule als ſolche durch die Geſekgebung ganz abge-
riegelt, und das revolutionäre China zeigte nicht
minder Neigung, das Miſſionsſchulwejen nach
„nationalen Gejichtöpunkten“ zu droſjeln, hat
aber neueſtens zu dem Prinzip der Religions-

freiheit umgelenkt. Zu dieſen politiſchen An-
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ſprüchen kommt in den öſtlichen Ländern das
Reſtaurationsſtreben der jeit alters herrſchenden
Religionen, das ſich z. T. mit ven Kräſten des
Chriſtentums, aber gegen es wappnet, und --
als gemeinjamer Gegner der mihtehriſtlichen
Religionen und des Chriſtentums -- die breit
durch die Welt gehende Front des „Säkularis-
mu8", de8 aufgeklärten Diesſeitsdenkens. Dieſe
Fülle der Verſchränkung von Ausſichten und
Hemmungen, geijtigem Jingen und ungeiſtlichen
Machtmitteln, Angleichungsſtreben und BVer-
abſolutierungsneigung madchen es unmöglid, ein
allgemein zutreſſendes Bild der Lage oder all-
gemeingültige Nichtlinien ſür das miſſionariſche
Berhalten zu entwerſen; die Denkſchrift von
Jerujalem begnügt ſich daher mit der Feſtſtellung
loyaler Anerkennung der Staatsſhulhoheit, deren
Erziehungsmonopolaber eingeſchränft wird durch
den Anſpruch der M. auf ein loyales Privat-
jchulwejen. Jm allgemeinen wird ſich aus der
Lage der Gegenwart ſür die Zukunft der Saß
rechtfertigen laſſen; die Miſſionsſchulen werden
Qualitätsöarbeit leiſten oder -- ſie werden nicht
jein; das bedingt weithim eine Reſorm, nicht
zuleßt des NReligionöunterrichts im Sinne von
Abſchn. 1.
Nach der Statiſtik 9on 1925 umſaßte die pro-
teſtantiſche Weltmiſſion 742 Kindergärten mit
21 005 Kindern, 46 580 Elementarſchulen mit
2165842 Schülern, 1512 Mittel- und Realſchulen
mit 188 952 Reifeſchülern, 101 Colleges und
akademiſche Anſtalten mit 22 827 Studenten,
297 Lehrerjeminare mit 11 442 und 461 theo-
logiſche Seminare mit 11363 Seminariſten.
Die Krone einer eigengeſetlichen M. ſind nicht
die j Hochſchulinſtitute, ſondern die Lehrer- und VNre-
diger-Seminare, die Bibelſrauen- und Cvan-
geliſtenkurſe.
Literatur (außer der genannten). Denkſchrift
des deutſchen Evangel. Miſſions8ausſchuſjes an
das Auswärtige Amt in Berlin „betreſſend das Miſſions8-
Schulweſen, insbejondere den Unterricht in fremden
Sprachen in den Miſſionsſchulen“, in: Verhandlungen
ver 9, kontinentalen Miſſionskonſerenz S. 64 F. (1897). --
Sc Schußgebieten (1914). --- Derſelbe: Das Schulweſen
in den deutſchen Schutzgebieten (1914; enthält wertvolle
Schulſtudien), =- J. Nichter: Evangeliſche Miſſion8-
funde, 2 Bde. (1927*?).-- Sc Olbergs (Jeruſalem-Bericht der deutſchen Delegation,
1929?). = Cberhard: Der Erziehungsgedanke in der
Weltmiſſion (1929), -- Zeitſchriften: a) Neue Allge-
meine MiſſionS3zeitſchrift (1924 ſf.); Evangeliſches Miſſi-
onsmagazin (1846 ff.); The International Review of
Missions (1911 ff.). b) Miſſion und Unterricht (1912 ff.);
Kducational Review (für China, 1906 ff.); Modern
hiducation (für den vorderen Orient, 1928).
Cberhard.
Mittelſchulen [. Mittleres Schulweſen.
MittlereNeiſje. 1. Seit Beginn des vorigen Jahr-
hunderts gilt als au8gemacht, daß zum Eintritt
in ein Hochſchulſtudium der Nachweis einer

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