143
der Spieltrieb des Kindes regt, wird er unter-
drücdt. Daß die Welt des Kinves etwas ganz
anderes iſt, als die nüchterne Welt ver Erwach-
jenen, das erfennt Monteſſori nicht an. Daher
gibt es bei ihr keine Märchen, keine Bilderbücher,
feine Darſtellungsſpiele, wie ſie im Fröbelſchen
Kindergarten jo beliebt ſind, kurz nicht3, was dem
Phantaſiebedürſnis des Kindes entſpricht. Sie
jpricht jo viel von Freiheit und Selbſtändigkeit
Des Kindes, hat aber von beiden Begriffen nur
eine jehr enge Aufſaſſung. Die Freiheit des Kin-
des beſteht bei ihr im Grunde nur darin, daß es
jich aus dem Schrank willkürlich dieſes oder jenes
Beſchäſtigungsmaterial wählen darf. Hat es
jeine Wahl vollzogen, dann darf es nichts anderes
damit vornehmen als das, wozu das betreffende
Material bejtimmt iſt. Selbſt wenn ihm neue
Gedanken dabei kommen, ſv darf ſie das Kind
nicht am Material erproben oder au8wirken laſſen.
Damit unterdrückt ſie die wahre innere Selb-
ſtändigkeit und den Geſtaltung8- und Schöpfer-
trieb im Kinde. Hier ſteht Monteſſori am ſchroff-
ſten im Gegenjaß zu Fröbel.
0. Als Geſamturteil über die Mon-
te)jori-Methode läßt ſich etwa folgendes
ſagen:
a) Unjer gejamtes Erziehungsweſen läßt ſich '
' wachſen iſt. Dabei iſt jedoch der Begriff des Gött-
b) Für die Sinne3pflege und Muskeltätigkeit
damit nicht reformieren.
im jrühen Kindezalter bietet die Methode wert-
volles Materiai. Es fann im dritten und vierten
Montejjori-Methode -- Moralpädagogik

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Moralpädagogift. 1. Bedeutung und Anuz3-
wirkungen. Die M. iſt die Wiſſenſchaft von der
planmäßigen Einführung in die Welt der menſch-
lichen Beziehungen. Das in ihr beſchloſſene Pro-
blem der Blick] Daring für die Geſeke des eigenen
I< und der Geſellſchaft wie der Gewiſſensſchu-
lung gewinnt an Bedeutung, je mehr der zu-
nehmenden ſittlihen Beanſpruchung des mo-
dernen Menjchen ein zunehmende8 Schwinden
der Volk3moral gegenübertritt. Dieſer Rückgang
wird zum Teil auf wirtſchaftliche und ſoziale Ver-
hältnijſe, vor allem aber auf die Entfremdung von
der Religion zurückgeführt; zur Abhilfe de8 Not-
ſtandes erſtreben die einen eine Vertieſung oder
Umgeſtaltung des Religion3unterrichts, die“ an-
dern die Einführung eines beſonderen weltlichen
Moralunterrichts (ſ. d.). Jn dem Begriff der M.
iſt weder eine Bejahung noch eine Verneinung
der religiöſen Kräſte gegeben; aber die Geſchichte
der Ethirk ſpiegelt ſeit den Tagen eines Sofrate3
das Beſtreben wider, das Sittlichhe von dem
Neligibjen abzulöſen und natürlich-vernünſtige
Grundlagen ſür die Moral aufzuweiſen. Sie
zeigt ſreilich auch, zumal unter dem Einfluß des
Chriſtentums, wie in gleichem Verhältnis mit
dem VoſitiviSmus der Sinn für das Göttliche in
der ihrer Endlichkeit bewußten Menſchheit ge-
lichen nicht der Umgeſtaltung entgangen, inſofern
' eine idealiſtiſche Deutung an die Stelle des leben-
digen Gottes, der den Menſchen zu ſeinem Eben-
Lebensjahr des Kindes mit Nußen verwendet | bilde adelt, indem er ihn ſich unterwirſt, einen
werden. ' Gottesbegriſſ ſetzte, der Gott adelt, indem er ihn
ce) Abzutrennen iſt aber der Teil der Mon- nach dem Bilde des vollkommenen Menſchen ge-
tejjori-Methode, der ſich auf die unmittelbare ſtaltet. So gehen die drei Linien einerautonomen
Crlernung von Leſen, Schreiben und Rechnen Moral, die ihren Au8gang8punkt von der le-
bezieht. Jn überwiegender Mehrheit wollen die galen oder ſozialen Sanktion, von dem eu-
Pädagogen unjerer Tage dieſe Dinge nicht vor. dämoniſtiſchen oder ultilitariſtiſchen Denken
dem jiebenten Lebensjahr an die Kinder heran- nimmt, der bringen. Jnwieweit diejer Teil der Monteſſori- ; an der jedem Relativimus und Subjektivis-
Methode unſeren ſonſtigen Clementarſchul- mus entrückten Autorität des Gotte8glaubens,
methoden überlegen iſt, wäre noch zu prüfen. und einer idealiſtiſch-religiöſen Moral, die die
d) Für das fünfte und ſechſte Lebensjahr des Religion in ihrer Bedeutung für das ſittliche
Kindes bietet die Monteſſori-Methode faſt nichts;
für diejes Alter ſind das Fröbelſche Spielmaterial
und der Kindergarten ungleich geeigneter.
Literatur. Maria Monteſſori: Selbſttätige Er-
ziehung im frühen Kindesalter (1913). --- Dieſelbe:
Mein Handbuch (1926). --- Dieſelbe: Monteſſori-
Erziehung für Schulkinder (1926). -- Hilde Heer u.
Martha Muchow: Friedrich Fröbel und Maria
Monteſſori (mit Einleitung von Eduard Spranger;
1927). -- Karl Gerhards: Zur Beurteilung der
Monteſſori-Pädagogik (eine Auseinanderſezung mit
Stern, Heſſen, Spranger, Muchow; 1928). -- „Mon=-
tejjori-Nachrichten“, herau8geg. von der „Deutſchen
Montejjori-Geſellſchaft e. V.“ (Berlin NW. 87, Cux-
havenerſtr. 7). Prüfer.
Moral ). Sittengeſetz, Cthik.
Moraliſcher Schwachjinn |. Schwachſinn.
Moralität j]. Legalität uſw.

Leben auswertet als Trägerin der Kontinuität
im Menjchheitöleben und Vermittlerin gewiſſer
transjubjettiver Gefühlsgrundlagen, durch die
Entwicklung hindurch; ihre Niederſchläge in der
Gegenwart haben ſich beiſpiel8halber ausgeprägt
in den ethiſch-pädagogiſchen Arbeiten eines Ruv.
Penzig, eines Fr. W. Foerſter und eines Raul
Natorp. Dabei handelt es ſich bei den beiden
einander gegenüberſtehenden und durch die
„Zwijchenlöſung“ der Vermmſtreligion mn
Icheinbar überbrückten Gegenſäßen der immanen-
. ten und der tranſzendenten Weltanſchauung um
| den Kampf zwiſchen „Glauben und Unglauben“
nur inſofern, als auch die humane Ethik ihren
Glauben, wenn nicht an Gott, jo doch an eine
| Zdealwelt oder an die Menſchheit oder wenigſtens
| an ſich jelber hat. Dieſes größte Thema der Welt-

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