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jorxmungen geleſener oder nur gehörter ſremd-
jprachlicher oder deutſcher Texte, Beantworten
von Fragen, Umjeten direkter in indirekte
Rede und umgekehrt werden auf allen Stuſen,
nur immer mit ſteigender Schwierigkeit wieder-
kehren. Für die Übung beſonderer grammatiſcher
Kapitel und als Prüjſtein für ihr Verſtändnis
behält die Hinüberſeßzung troß aller Reform im-
mer noch ihren Wert. Als Zielleiſtung iſt die
ſreie Arbeit über einen inhaltlich vom Prüfling
beherrjchten Zuſammenhang zu fordern. Der
Auſſaß über einen dem Schüler fremden Stoff,
den er erſt gedanklich bewältigen muß, bietet
ſchon in der Mutterſprache große Schwierig-
keiten und jollte in der fremden Sprache nicht
als Zielleiſtung verlangt werden.
1) Der Lejeſtoſſ, der von Anſang an einen
wichtigen Platz einnimmt und von Jahr zu Jahr
mehr in den Mittelpunkt rückt, iſt nach drei Ge-
ſichtspunkten auszuwählen: nach der geiſtigen
Reiſe des Zöglings und ſachlich nach dem des
dichteriſch Wertvollen und dem des national und
geſchichtlich Bemerkenöswerten. Dabei muß der
Grundjaß gelten, daß ſür unſere Jugend bei der
verhältniSmäßig geringen verfügbaren Zeit nur
die fünſtlerij ragendſten Erzeugnijſe in Betracht kommen
können. Dur) eine ſchriftlich niederzulegende
Überſicht über das von jeder Klaſſe Geleſene
muß dafür geſorgt werden, daß die Au8wahl für
jeden Jahrgang am Ende der Schulzeit ſchließ-
lich alle wejentlichen Beſtandteile des fremden
Kulturlebens umfaßt. Bei der Beſprechung iſt
jeder einzelne Schriftſteller und jedes einzelne
Werk in ſeine Zeit hineinzuſtellen und ſoweit
angängig aus ihr heraus zu erklären. Dabei
werden auch andere Kulturdenkmäler der be-
treſſenden Zeit, namentlich die bildenden Künſte,
die weltanſchaulichen Richtungen uſw., immer im
Vergleich mit ähnlichen Strömungen der deut-
Ichen Entwicklung, heranzuziehen jein. So wird
nad) und nad) im Lernenden ein Bild der frem-
den Sonderart in ihrem geſchichtlichen Werden
entſtehen. Das iſt heute wohl das einzig zeit-
gemäße Verſahren, Literatur- und Kultur-
geſchichte zu treiben. Die Art, wie das fremde
Schriftwerk zu leſen iſt, hängt von dem Gegen-
ſtand und ſeiner Schwierigkeit ab. Bei einfachen
und leichten Gedanfengängen mag die nach dem
Lejen einjeßende Beſprechung, die Zuſammen-
ſaſjung und der Bericht in der fremden Sprache
genügen. Bei ſchwierigen Stoffen, bei ihrer Ver-
tieſung und dem Eindringen in die äußerſten
gedanklichen Hintergründe (Shakeſpeare!) iſt
aber die Herüberſeßung und die Beſprechung zu-
nächſt in deutſcher Sprache m. E. nicht zu ent-
behren, wenn anders man der Würde des Gegen-
ſtandes anch nur einigermaßen gerecht werden
will. Achtet man dabei peinlich auf den an-
gemejjenen deutſchen Ausdruck und verfährt
Neuſprachlicher Unterricht -- Niemeyer

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man nach dem Grundſaße: wie würde ſich der
Verſajjer ausgedrückt haben, wenn er ein Deut-
ſcher geweſen wäre?, ſo liegt darin eine für das
Verſtändnis und das Eindringen in den Stil
beider Sprachen höchſt ſörderliche Übung.
Literatur. Eine eingehende Überſicht über die Ge-
ſchichte des n. U.8, eine Darſtellung und Kritik ſeine
Methoden und eine Würdigung der einſchlägigen Lite:
ratur gibt Aronſtein: Methodik des n. 1.8 (19262),
Nod) eingehender in der ſprachpſychologiſchen Begrün:
dung iſt Otto: Methodik und Didaktik des n. 1.8 (1925?)
Dieje beiden Werke, die durchaus nicht auf einem ein:
jeitigen Standpunkte ſtehen und die in ihrer wiſſenſchaft:
lichen Haltung von den Anhängern der verſchiedenſten
Richtungen anerkannt werden, bieten dem, der ſic
genauer über den n. U. belehren laſſen will, alles Nötig
und auch genügende Hinweiſe auf alle weitere Literatur
Daher ſeien hier nur noch einige neuere Verdöffent:
lichungen genannt. Sprachpſychologiſche Unterſuchunger
bieten Eggert: Übungsgeſeze im fremdſprachlichen
Unterricht (1911) und Otto: Zur Grundlegung dei
Sprachwiſſenſchaft (1919). =- Maßvoll reformeriſch ein:
geſtellt ſind die Schriften von H. Strohmeyer, vor
denen beſonders hierher gehören: Das neuſprachlich«
Gymnajium (1926) und Methodik des n. 1.8 (1928)
Streng reſormeriſch iſt Walter- Olbrich: Zur Methodi:
des n. U.3 (19178). Die allgemeine Forderung de!
„Arbeitöjſchule“ wird auf den n. U. angewendet vo1
Krüper: Die arbeitsöunterrichtliche Ausgeſtaltung de;
n. U.8 (1926?) und N. Münch: Vom Arbeitsunterrich
in den neueren Sprachen (1927). Gegen Übertreibunge1
der Reform, des Kulturunterricht3 und de3 Arbeitsöſchul
gedankens wendet ſic) Martini: Schule und Wiſſen
ſchaft (1928, Neuere Sprachen, Bd. 36, Heft 6 u. 8), Fü
den Tonfall ſind unentbehrlich: Klinghardt-Four
meſtreau-Olbrich: Franzöſiſche Intonationsübunge1
(1926), Klinghardt-Klemm: Übungen im eng
liſchen Tonfall, und Peters: Die Auffaſſung der Sprach
melodie (1924). Über beſondere Werke zum franzöſiſche
oder engliſchen Unterricht ſj. diefe Artikel. Als neueſte
aus reiner Praxis hervorgegangene Werke wären nv.
hinzuzufügen die beiden Bücher von O. Schmidt
Methodik des franzöſiſchen Unterrichts (1923) und Metho
dik des engliſchen Unterricht8 (1929), ſowie da8 Bud) vo
Haa: Überſicht über den ſpaniſchen Unterricht in dei
höheren Schulen Deutſchland8 und des übrigen Europ,
(1929). Martini
Niederlande ſ. Holland (Bildungsweſen).
Niemeyer, Auguſt Hermann.
1. Sein Leben. Ein Urenkel Auguſt Herman
Trandes, wurde N. am 1. September 1754 ii
Halle a. S. geboren. Mit neun Jahren verlo
er die Mutter, der er den Einſchlag Franckeſche!
Dlutes verdankte, und vier Jahre ſpäter ſtar.
jem Vater, der Archidiakonus8 an der Marien
kirche. Eine wie Frances Frau der Famili
v. Wurmb entſtammende Verwandte, die fein
gebildete und geiſtvolle Witwe des einſtige!
kaiſerlich ruſſiſchen Leibarzte8 Dr. Lyſthenins
wurde jeine Pflegemutter und übermachte ihn
jchon bei Lebzeiten ihr reiches Vermögen. Bi
1771 beſuchte er das Pädagogium der Francke
jehen Stiftungen und ſuchte dann alles, was ihn
die theologiſche und philoſophiſche Fakultät ve
Univerſität Halle bot, ſich anzueignen. Ausge
dehnte Reiſen erweiterten ſeinen Geſichtsfkrei
und brachten ihm die perſönliche Bekanntſchaf
Leſſings und Klopſto>s. 1776 trat er ſeine Lehr

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