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und innerpolitiſchen Strömungen des 19. Jahr-
hunderts aus den Augen verloren hatte, geht die
noologiſche Bädagogit zurück. Aber ſie iſt ſich
bewußt, daß wir dieſes Ziel nicht mehr auf dem-
jelben Wege erreichen können wie frühere Ge-
nerationen. So können wir z. B., was die höheren
Schulen angeht, vor allem nicht mehr die Anſicht
des Neuhumanismus als richtig anerkennen, daß
der Weg zu dieſem Ziele alicin vurch das Grie-
mehr in der idealen Verklärung, die die Neu-
humaniſten ihm gegeben hatten. Allerdings
erfennen auch wir noch die wunderbare und
eigenartige Größe der Antike an, aber wir ſehen
auch ihre Schranken. Die Antike ſtellt einen vor-
wiegend künſtleriſchen Lebenstyp dar, der durch
ven religibs-ethiſchen Lebenstyp des Chriſten-
tums eine weſentliche und notwendige Ergän-
zung erhalten hat. Und gerade dieſer religiv8-
ethijche Lebenstyp des Chriſtentums iſt auch ein
Hauptbeſtandteil des Deutſchtums8 geworden.
Das Deutſchtum hat aber mit einer erſtaunlichen
Aſſimilationskraft auch die Vorzüge anders ge-
arteter Lebens8geſtaltungen in ſich auſgenommen,
ſo iſt 3. B. das helleniſche Schönheitsideal im
ſeinem vollen Glanze in unjere klaſſiſche Dichtung
eingegangen. So ſtellt das Deutſchtum eine
Syntheje von Griechentum und Chriſtentum
und als ſolche die höhere Einheit dar. DeShalb
muß auch diejes Deutſchtum echter Art, de3halb
muß der deutſche Jdealismus die Grundlage
unſerer geſamten Jugenderziehung werden. Nur
auſ ſeinem Boden iſt in unſerer Zeit an deutſchen
Schulen noch eine humaniſtiſche Erziehung zu
erreichen. Kein anderer hat aber diefen deutſchen
JdealiSmus für unjere Zeit von neuem ſo frucht-
bar gemacht wie Rudolf Eucken. Deshalb hat die
noologiſche Pädagogit auch ſeine Philoſophie zu
ihrer Grundlage ausgewählt.
(Cs fehlt mir hier ver Raum, um zu zeigen, wie
ſich eine ſolche noologiſche Bädagogik in Cinzel-
fragen der Erziehung und des Unterrichts aus-
wirkt. I< muß im Hinblick darauf auf mein
Werk „Noologijche Pädagogik" verweijen, in
dem dies des Näheren ausgeſührt iſt.
7. Zujammenfaſſung. Die Pädagogik hat die
Bedürſniſje des geſamten geiſtigen Lebens zu
berückfichtigen. Cs mußaber ſür das geſamte gei-
ſtige Leben unjerer Zeit als Ziel gejezt werden,
über JndividualiSmus und SozialiSmus hinaus
zu einem jittlich-religivſen JdealiSmuSs zu
gelangen, dejjen Gebote für den Ginzelmenſchen
und für die Geſellſchaft in gleicher Weiſe bindend
ſind, und der von dem Einzelmenſchen, ſtatt ihn
einfach dem Willen der Mehrheit zu unterwerfen,
vielmehr fordert, daß er ſich dieſem Willen wider-
jekt, wenn derſelbe, was leider nur zu häufig der
Fall iſt, den Forderungen der moraliſchen Welt
nicht entjpricht. Nur aus dieſem Kampfe
zwiſchen der moraliſchen Welt oder der Geiſte3-
Noologijc
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welt und der Welt der Erfahrung ſind alle wirk-
lichen Fortſchritte der Menſchheitsentwicklung
hervorgegangen. Dieſen Kampf hat aber niemals
die Mehrheit, ihn hat ſtets nur eine Minderheit
großer Perjönlichfeiten geführt, die ſich als Voll-
ſtrecker der Gebote einer unſichtbaren Welt, als
Werkzeuge einer höheren Macht fühlten und die
im dieſeni Bewußtſein den Widerſtand der
ſtumpfen Welt auf ſich nahmen und zu über-
winden verſuchten, unbefümmert um die Ge-
ſahren, die ihnen dabei drohten.
Damit iſt auch der Erziehung ihr Ziel vorge-
zeichnet. Dieſes Ziel iſt nicht der fich von allen
Bindungen löſende Übermenſch, aber auch nicht
der der Mehrheit blind folgende Herdenmenſch<,
ſondern der im einer unſichtbaren Welt ewiger
Ordnungen wurzelnde und dadurch von ſeiner
jelbſtiſchen Jndividualität und von der Geſell-
ſchaft innerlich unabhängige ſittlich-religiöſe
Menjc<. Eine Erziehung, die ſich dieſen ſittlich
religibſen Menſchen als Ziel ſekt, ſorgt auch am
beſten für die Gemeinſchaſt; denn dieſe wird
immer um jo vollkommener ſein, je größer die
Zahl ihrer wahrhaft ſittlichen Einzelglieder itt.
Deshalb erweiſt ſich eine in metaphyſiſchen Zu-
jammenhängen wurzelnde idealiſtiſche Perſön-
NOfeitapädagogit auch als die beſte Sozialpäd-
agogik.
teratur. Nudolf Eu>ens Hauptwerke.
G. Budde: Die Wandlung des Vildungsideals (19092).
-=-- Derſelbe: Nevlogiſche Pädagogik (1914). -- Der=
ſelbe: Geiſtige Strömungen und Erziehungsfragen im
19. Jahrhundert und in der Gegenwart (1921, 1926).
Budde.
Nord-Amerika |. Vereinigte Staaten von Nord-
amerika (Bildungsweſen).
Normalwortimethode |. Leſeunterricht.
Nvrmen |[. Wert uſw.
Norwegen (Bildungswejen). 1. Zur Cin-
ſührung. 2.Volks| j Schulen. 5. Privatſchulen, darunter
Volksho Hochſ des Schulweſens.
1. Zur Einführung. Um ſich einen klaren Be-
griſſ von dem Bildung3weſen Norwegens zu
machen, iſt es nötig, gewiſſe geographiſche und
hiſtoriſche Verhältniſſe ins Auge zu faſſen. Auf
einem Areal von etwa 324 000 qkm wohnen
etwa 2: Millionen Menſchen, alſo etwa
7 Menſchen auf dem Quadratkilometer. Be-
ſonders im Norden und in den inneren Teilen
des Landes liegen die Menſchenwohnungen
vereinzelt, oft meilenweit voneinander. Die
damit verbundenen Schwierigkeiten ſind ein
Hauptproblem des norwegiſchen Bildungs-
weſens. Ferner iſt die hiſtoriſche Tatſache zu
beachten, daß Norwegen im Hochmittelalter eine

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