1067 Pädagogiſches Schrifttum
Sculräte Prenßens. H.: Schulrat Notermund, Hilde3-
Heim, und Dr. G. Schmidt, Lehe; V.: Belß, Langenſalza.
=- Beitſchriſt für gemeindliche Schulverwaltung. R.:
Stadtſchulrat Dr. Anders, Berlin-Steglip, Nathaus;
V.: Beltz, Langenſalza. Heijenbrok,
Pädagogiſche Seminare. Es ſind dies mit
höheren Schulen verbundene Einrichtungen, die
Der prattiſchen Ausbildung der Studienreferen-
dare (der ſrüheren Kandidaten des höheren
Schulamtes) dienen, aus denen Lehrer an höheren
Edhulen (Studienräte) hervorgehen.
1. Geſchichtliches. Ginrichtungen für die päd-
agogiſche Ausbildung der Lehrer an höheren
Schulen gab es ſchon, bevor es einen höheren
Lehrerſtand überhaupt gab, alſo ſchon vor 1810.
Cs waren dies Seminare an Univerſitäten.
Dieje hatten ſachwiſſenſchaftliche (philologiſche)
und pädagogiſche Ziele, weil Theologen als
Lehrer ſür die höheren Schulen pädagogiſche
und philologiſche Vorbildung haben mußten,
jo in Göttingen (Geßner, Institutiones reischo-
lasticae 1715), Halle (J. S. Semler). In dieſen
Seminaren wurden aud) praktiſche Unterrichts8-
verſuche vorgenommen, die durch perſönliche Be-
ziehungen zu den in den Univerſitätsſtädten be-
jtehenden Schulen ermöglicht wurden. Daaberdie
Mitglieder dieſer Seminare Studierende waren,
fehlte ihnen das Fachwiſſen, und das Streben nach
dieſem mußte notwendigerweiſe das Übergewicht
befommen. So wurden philologiſche Seminare
daraus (F. A. Wolf).
Starf mit philologiichen Aufgaben belaſtet
waren auch die Seminare, die unmittelbar an
Schulen angegliedert waren. Auch A. H.
France mußte in ſeinem 1696 gegründeten
Seminarium praeceptorum Fachwiſſenjchaft pfle-
gen, weil dieſe eben den Mitgliedern fehlte.
„zmmerhin aber lag hier doch der Schwerpunkt
bei der praktiſchen Ausbildung, weil es eine
Cinrichtung an der Schule war, die Schule darum
nicht zum Anhängſel werden konnte. Jn dem
pädagogiſch ſo ſtark intereſſierten 18. Jahrhundert
fam die Bewegung ſtarf vorwärts. Ein ſicht-
bares Zeichen iſt die Oſtern 1788 erfolgte Ein-
richtung des Königlich Pädagogiſchen Seminars
mm Berlin. Unter der Leitung Gedikes wurde die
pädagogiſche Anleitung tatkräftig in den Vordexr-
grund geſtellt, wenn die philologiſche auch nicht
ausgeſchlojjen wurde. 1810 nun wurde durch die
Echaffung einer philologiſchen Prüfung der
Lehrerſtand an der höheren Schulen endgültig
von dem Theologenſtand lo8gelöſt. Daß es dazu
fam, ijt dem Neuhumani8mus zu verdanken,
Der aus vem Gymnaſiallehrerſtand weniger
einen Lehrerſtand als einen Gelehrtenſtand
machen wollte. Das war einer pädagogiſchen
Ausbildung, wie ſie der Philanthropismus des
18. Jahrhunderts wenigſiens wollte, nicht günſtig.
Doch war troß allem die Gigengeſeklichkeit der
entjtandenen Bewegung ſo groß, daß ſie zwar

= Pädagogiſche Seminare 1068
umgebogen, aber nicht mehr unterdrückt werden
onnte. 3 kamen die Seminare an den Pro-
vinzial-Schulfollegien, z. B. Bre8lau 1813, es
fam vor allem das Probejahr 1826, das für jeden
verbindlich war und von dem nur ver einem
Seminar angehörende Kandidat beſreit werden
fonnte. Theoretiſche Ausbildung erhielt der
Probekandidat nicht. Ex konnte ſich die Anſtalt,
an der er das Probejahr ableiſten wollte, wählen;
es fonnte alſo jede Anſtalt in Betracht kommen.
Der Probekandidat ſah und hörte erfahrenen
Lehrern beim Unterricht zu, machte dann ſelber
Unterrichtsverjuche und lernte ſo wie der Lehr-
ling vom Meiſter ſein Handwerk. Eine theore-
tijch-pädagogiſche Ausbildung erhielten die dem
Seminar angehörenden Kandidaten der Aera
3ohannes Schulzes auch nicht. Da Hraten wieder
die fachwiſſenſchaftlichen Übungen in den Vor-
dergrund. Auch Männer wie Auguſt Bvekh, der
von 1819-1867, Boniß, der von 1867-1875
das Berliner Seminar leitete, konnten troß ihres
weiten Blickes und troßvem ſie die Pädagogik
nicht unterſchäßen wollten, ihren inneren Ein-
jtellungen nach die philologiſchen Übungen nicht
aufgeben. Das eigentlich pädagogiſche Seminar
konnte nun einmal aus den Kräften des 19. Jahr-
hunderts, dem Jahrhundert des „fachwiſſen-
jehaftlichen EnthufiaSmus" nicht geboren werden.
5 iſt kein Zufall, daß es in Halle in engſter An-
lehnung an das alte Francke'ſche geminarium
praeceptorum 1880 durch Otto Fri neu ex-
richtet wurde, dort alſo der Geiſt des 18. Jahr-
hunderts zu neuem Leben gerufen oder wenig-
jtens dem des 19. Jahrhunderts zugeſellt wurde.
Dieſes Fri>l'ſche Seminar wurde das Vorbild für
die amtlichen Seminare, die im Jahre 1890 exr-
richtet wurden. Durch die Ordnung der prak-
tiſchen Ausbildung vom 15. 3. 1890 wurde eine
zweijährige pädagogiſche Vorbildung für alle
Kandidaten verbindlich gemacht, dem Probejahr
das Seminarjahr hinzugefügt, die zwei Jahre der
Ausbildung alſo in Seminarjahr und Probejahr
geteilt. Die Ausbildung im Probejahr blieb im
wejentlichen, wie ſie geweſen war; es mußte aber
jekt ein Seminarjahr vorangehen. Für die Über-
nahme der Aufgaben des Semimarjahres wurden
pädagogiſche Seminare eingerichtet. Da die
Zahl der höheren Schule gewachſen war und
weiterhin noch mehr wachſen ſollte, mußte auch
die Zahl der Kandidaten und damit die Zahl der
Seminare ſteigen. Wegen des Lehrermangels
mußten die Kandidaten ſehr oft ohne abge-
jchloſjene Ausbildung zu verantwortlichem Un-
terricht herangezogen werden. Das waren ge-
wiß alles Umſtände, die der Durchbildung nicht
jörderlich waren. Es darf auch nicht überſehen
werden, daß die geiſtige Umſtellung eines Ge-
ſchlechtes ſich nicht von heute auf morgen voll-
zieht, die fachwiſſenſchaftliche Gelehrtenein-
ſtellung weiteſter Lehrerkreiſe darum nicht die

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