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3. Iuternationaler Arbeitskreis für ECrneune-
rung der Gr]ziehung. (Ligue internationale pour
PEducation nouvelle.) Gegründet 1921 in Calais, ZBeit-
ichriften, welche vem Arbeitsfreis naheſtehen: New Bras
L/Bre nouvelle; Das werdende Leitalter.
4. JuternativnalerMoral-Erziehungskongreß.
Geſchüftsſtelle in Paris (bei der Ligue Prancaise d'idu-
cation Morale). Deutſche Mitglieder des Gxekutiv-
ausſchuſſe8s: Fr. W. Förſter, Paul Öſterreich, Eliſe
Notten.
5. Weltbund für Crwachſenenbildung (World
Association ſor Adult Kdnecation). Auguſt 1929. 1. Welt-
fonferenz in Cambridge (Auskunft durd) die Deutſche
Arbeitöſtelle des Weltbundes, Dr. H. Hofſmann, Leipzig
23, Richterſtraße 8).
6. Juternationale Kommiſſion für Familien-
erziehung. Gegründet 1905. Geſchäftsſtelle P. de
VWuyſt, Brüſſel, 22 avenue de 1'Yser. Heienbrof.
Palmer, Chriſtian David Friedrich. 1.
Leben und Entwirklungsgang; Schriften. PVP. iſt
geboren 27. Januar 1811 zu Winnenden im
Württembergiſchen, dem Geburtsort J. A. Ben-
gels. Cr war Sohn eines Lehrers; auch die Mutter
ſtammte aus einer Lehrexjamilie, von ihr hat
er die muſikaliſche Begabung ererbt. Die Eltern
waren treue Beſucher der Gemeinſchaſtsſtunden,
doch ohne allen NRigoriSmus. 1824 kommt P.
auf das ſog. niedere theologiſche Seminar in
Schöntal, 1828 ins theologiſche Stiſt nad)
Tübingen. Den ſtärkſten Cinfluß unter ſeinen.
Lehrern übte der Vertreter der Moral und
Praktiſchen Theologie Schmid im Sinne eines
milden, durch Clemente Schleiermacherſcher
Thevlogie erweichten Bibelchriſtentums. Seine
muſikaliſchen Neigungen bringen ihn ſchon als
Studenten in Beziehungen zu Friedrich Silcher,
dem ex dauernd freundſchaftlich verbunden blieb.
Von 1833 ab Pfſarrgehilſe im mehreren Ge-
meinden, 1836 Repetent am theologiſchen Stiſt
in Tübingen, 1838 Diakonatsverweſer in Tü-
bingen, 1839 Diakonus in Marbach, wo er am
„Süddeutichen Schulboten“ mitzuarbeiten be-
ginnt, der Anſang einer umfangreichen litera-
riſchen Tätigkeit auf pädagogiſchem Gebiet.
Seine Schrift „An die Freunde und Feinde des
PietiSmus'" (1839) zeigt neben der poſitiven
Schäßzung der Biblizität und innerlichen Wärme
des gejunden ſchwäbiſchen PietiSmus die Offen-
heit und Weite des „nichts Menſchliches iſt mir
ſremd“ -- Chriſtentum und wahre Humanität
ſind ihm nicht Gegenſäße, ſondern lektlich da5-
jelbe. P. beteiligte fich lebhaft an den Er-
örterungen Über Crneuerung des Württem-
bergiſchen Geſangbuch8 und der Gottesdienſt-
ordnung. 1841 gibt er jeine Homiletik heraus,
die im Lauſe der Jahre jechs Auflagen erlebte,
(18872). 1843 übernimmt er das zweite Diakonat
in Tübingen, 1844 erſcheint ſeine Katechetik, mit
dem gleichen Erfolg wie die Homiletik (18758)
Seit 1846 hat er an der theologiſchen Fakultät
in Tübingen einen Lehrauſtrag ſür Pädagogik
und Volksſchulweſen. 1848 rückt er in das erſte
Diakonat in Tübingen auf, 1851 wird er Stadt-
Pädagogiſche Vereinigungen -- Palmex

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pfarrer und Dekan, 1862 ord. Profeſſor für
Moral und Praktiſche Theologie. Die Cvange-
liſche Bädagogit fommt 1852/3 heraus (1882*),
1860 die Paſtoraltheologie (18632), 1864 die
Moral des Chriſtentums, 1865 die Evangeliſche
Hymnologie. Dazu mehrere Predigtjamm-
lungen, allerlei muſikaliſche Veröfſentlichungen,
viele Artikel in pädagogiſchen und theologiſchen
Zeitſchriften (Jahrbücher für deutſche Theologie,
Studien und Kritiken) jowie in Schmids Enzy-
flopädie des geſamten Erziehungs8- und Unter-
richtöswejens. 1869 wird P. Mitglied der Landes-
jynode, 1870 des Landtags. Er ſtirbt an den
Folgen einer Lungenentzündung 29. Mai 1875.
P. war ein ungemein ſruchtbarer Schriſt-
ſteller -- über jede von ihm als akademijcher
Lehrer vertretene Diſziplin hat ex ein Lehrbuch
herausgegeben ---, von großer Leichtigkeit der
Produktion und Durchſichtigkeit der Darſtellung;
in der Erfaſſung der theologiſchen und pädago-
giſchen Brobleme durchaus auſs Praktijche, im
Vusgleid) der Meinungen aufs Förderliche ge-
richtet, während das Bohren in die Tieſen
wijſenſchaftlicher Problematik nicht in jeiner
Art lag, eine durch und durch irenijche, auſ-
bauende Natur. Er wurde zu den angejehenen
Vertretern der ſog. „Vermittlungstheologie" ge-
rechnet -- mit Recht, wenn das Wort in dem
weiteren Sinn des Strebens nach Verbindung
des Chriſtentums mit den wertvollen Kräſten der
Zeitkultur verſtanden wird. Genauer iſt ex als
Vertreter eines weitherzigen und weitblikenden
Bibelchriſtentums zu bezeichnen, ein Nachſahr
des milden ſchwäbijchen SupranaturaliSmus.
2. Pädagogiſche Grundſäße. P. ſchreibt ſeine
Cvangeliſche Pädagogif vom Standpunkt des
evangeliſchen Theologen aus. Die Theologie hat
ſich pflichtmäßig um die Pädagogik zu kümmern;
denn „eine Erziehung ohne Religion iſt ein Un-
ding, weil eine jolche gerade das Höchſte und
Tieſſte im Menſchen außer acht ließe. Religion
aber exiſtiert nie und nirgends als bloßes Ab-
ſtraftum, ſondern als Kirche, als poſitive Ge-
meinſchaft. Die Kirche übt ihre Tätigkeit orga-
niſch geordnet durch das geiſtliche Amt aus:
folglich muß leßteres mit der Erziehung irgend-
wie in einer Verbindung ſtehen, die jene religiöſe
Bildung ſichert, jo, daß dieſe als Mittelpunkt
zugleich auſ den ganzen Kreis der Bildungs-
zwede und Bildungsmittel Einſluß übt". „Wenn-
gleich nicht das ganze Gebiet der Erziehung
innerhalb der kirchlichen Tätigkeit fällt, weil
Staat und Familie ihr gleichberechtigt zur Seite
ſtehen, jo muß die Kirche doch, um in geſegnetem
Cinklang mit beiden zu wirken, des Erziehungs-
weſens kundig und mächtig jein, um bei hrer
erziehenden paſtoralen Tätigkeit ebenſoſehr das
Recht der beiden anderen Potenzen zu wahren,
als ihre eignen Zwecke zu erreichen." „Die
evangeliſche Kirche jezt jich den allgemein

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