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Forderung, daß die Wirkensglieder gleichartig
jein müßten. Daher iſt die Tatſache eines
Wirkens von Seele auf Leib und umgekehrt
widerſpruchslos begreifbar. Anderſeits bleibt
das Energiegejeß unangetaſtet, wenn man ſür
das Wirken zwiſchen Körpern quantitative und
qualitative Energieänderung, für das Wirken
von Leib auſ Seele und Seele auf Loib für
den Leih nur eine quatitative Energieänderung
(potentielle: kinetijche Energie) annimmt. Da-
mit kommt die Wechſelwirkungs8lehre zu ihrem
vollen Recht. In der Tat gilt heute die Paralle-
liämuölehre im ganzen al8 überwunden.
Hauptvertreter des P. ſind: Malebranche,
Spinoza, Selling, Schopenhauer, Fechner,
Pauljen, W. Wundt, Mach, Ebbinghaus, Jodl,
J. Schultz, Vaihinger; Gegner: Buſje, Rehmke,
Joel, Külpe, Drieſch.
Literatur. Ludwig Buſſe: Geiſt und Körper,
Seele und Leib. Herausgegeben von IJ. E. Heyde
(19302). -- Ferner: Johannes8 Rehmke: Die Seele
des Menſchen (1920*), -- Derſelbe: Wechſelwirkung
oder PBaralleliSmus? (1902). =- Derſelbe: Der Menſd
(1928). -- Ch. Fabian: Beiträge zur Geſchichte des
Leib-Seele-Problems (1925). Heyde.
Parochialichulen |. Pfarrſchulen.
Paulſen, Fr. |. Schlußband (Nachträge).
Pauſen ſ. Kurzſtunden uſw.
PBerſonaliomus [. Perſönlichkeit8pädagogik uſw.
Periönlichkeit des Erziehers |. Erzieher.
Perſönlichkeit des Lehrers [. Lehrer.
Perſönlichkfeitspädagogif und Gemeinſchaſts5-
erziehung. 1. Perſönlichkeit als „Methode“
und Bildungsziel. 2. Individuum und
JndividualiSmu8. 3. Jndividualpäd-
agogikf und Berſünlichkeitspädagogil.
4. Sozialpädagogik und Perſönlichkeits-
pädagogik. 5. Dialektik und Perſonalis-
mus.
1. Perſönlichkeit als „Methode“ und Bildung53-
ziel, Das Schlagwort „Perſönlichkeits8pädagogik"
iſt durch den Gothaer Lehrer Ernſt Linde als
Titel eine8 Buches (1897) eingeführt worden, das
„ein Mahnwort wider die Methodengläubigkeit
unſerer Tage“ ſein ſollte. Er verwarf darin die
herrſchenden Bildungsweiſen und empfahl da-
gegen das „Wiedergebären des Unterrichtsſtoffes
im Gemüte des Erziehers", das nicht ſelten alle
beſondere methodiſche Bearbeitung überflüſſig
mache. „Dieſes Jneinanderübergehen, das iſt
die notwendige Grundlage alles wahrhaſten
Unterrichts.“ Die „Perſönlichkeit“ des Bildners
ſoll den methodiſchen SchematiSmus, der in
der Zillerſchen Formalſtuſentheorie angebaut
worden war, erſezen und in künſtleriſcher
Freiheit den vorhandenen Lehrſtoff pädagogiſch-
didaktiſch meiſtern. So erſcheint aljo bei Linde
die „BVerſönlichfeit“ nicht nur als Zielbegrifſ,
Parallelismus3 -- Berjönlichkeit3pädagogit ujw.

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ſondern vornehmlich als Methode, und gleich-
zeitig werden bei ihm die Beziehungen ſichtbar,
die zwiſchen einer ſogearteten „Perjönlichkeits-
vädagogif“ und der „Kunſterziehung“ beſtehen,
die beide pädagogiſche Künſtlernaturen voraus-
ſezen müſſen. Ernſt Weber verſuchte, ihre
theoretiſchen Grundlagen zu jchaſſen, indem er
vie Üſthetif als pädagogiſche Grundwiſſenſchaft
darſtellte und die methodiſchen Situationen
zeigte, in denen vom Lehrer erwartet werden
muß, daß er Künſtler ſei. Als notwendige Vor-
ausſezung dazu ſind fundamentales Stoſſwijſen
und pſychologiſche Kenntniſſe erforderlich. „Nur
wer es vermag, ſich ſo in die Anſchauungen
des Kindes, ſich jo in die Gefühlsweiye der
Jugend einzuleben, daß er vergißt, daß er bereits
ein reifer Menſch iſt, nur wer wieder zum Kind
werden fann, nur wer wieder ohne inneren
Zwang ſich wie ein Kind ſreuen, wie eim Kind
phantaſieren, wie ein Kind ſpielen kann: nur
der wird zum pädagogiſchen Künſtler werden
können“ (E. Weber). Dem Künſtlertum der
„Lehrerperſönlichkeit“ (2. Aufl. 1920) hat Linde
ein bejonderes Buch gewidmet. Wie er, jo
haben u. a. Heinrich Scharrelmann („Erlebte
Pädagogik", 1920), Friß Gansberg („Demo=-
fratiſche Pädagogik", 1911), Ludwig Gurlitt
(„Erziehungslehre"“, 1909), Hermann Ztſchner
(„Unterrichtslehre. Unterricht gefaßt als Ent-
bindung geſtaltender Kraft", 1908), Berthold
Otto (vgl. Geſamtunterricht) dem jog. „Päd-
agogiſchen ExpreſſioniSmus“ gehuldigt. Unter
den eine „ſchöpferiſche Erziehung“ anſtrebenden
„entſchiedenen Schulreſormern"“ hat er viele
Anhänger geſunden. Wer ihn pflegen will, muß
in unerbittlicher Selbſtprüſung ein überragender
Schulmeiſter geworden ſeim, der die erprobten
Wegweiſer entbehren kann. Daher ſind offenbar
die Forderungen dieſer Perſönlichkeit8pädagogik
nicht allgemein vertretbar, werden aber als
Anreizungen zur Selbſtgeſtaltung dem Bildner
immer Dienjte leiſten können.
Zu unterſcheiden von der methodij ver-
ſtandenen iſt die teleologiſch gemeinte Per-
jönlichfeitspädagogif, wenn auch weſentliche
Tendenzen beider ſich zuweilen miſchen. Da
das Perſönlichkeitsideal verſchieden aus-
gedeutet werden kann, iſt auch die Perſönlich-
keit38pädagogit feineSwegs einheitlich. Auf dem
Individualiäömus fußend, entwickelt ſie ſich
anders, als wenn fie vom KollektiviSmus aus-
geht. Zwiſchen JIndividual- und Sozialpäd-
agogit aber gibt e8 mancherlei Übergänge, die
eine ſcharfe Scheidung hinſichtlich deſſen, was
beide von der „Perſönlichkeit“ erwarten, un-
durchführbar machen. In ihren „humaniſtiſchen“
Formen werden beide 3. B. bereit ſein, die
allgemeinen Kennzeichen einer Perſünlich-
keit anzuerfennen, die Kerſchenſteiner angegeben
hat: 1. „eigenartige Geſchloſſenheit des ſeeliſchen

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