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weiterbenußt werden: Seyffarth, Peſtalozzis ſämtliche
Werke (Liegniß). Eine gute Auswahl bietet die drei-
bändige Säkularausgabe von Walter Schyohaus:
Peſtalozzis Werke (1927). =“- An Viographien ſind
wichtig: H. Morf: Zur Biographie Peſtalozzis (1. 1868;
11., 111. 1885; 1V. 1889). -- Paul Natorp : Peſtalozzi.
Sein Leben und ſeine Zdeen (19192), -- Herbert
Sc -- Alfred Heubaum: Johann Heinrich Peſtalozzi
(1920*), -- Fritz Medicus: Peſtalozzis Leben (1927). =-
Dichterijſche Darſtellungen. W. Schäfer: Lebens-
tag eines Menſchenſreunde8(1927). = JoſefReinhart:
Heinrich Peſtalozzi (1927). = Das geiſtige Werk
Peſtalozzis behandeln: Theodor Wiget: Grundlinien
der Erziehungslehre Peſtalozzis (1914). -- Friedrich
Delekat: Johann Heinrich Veſtalozzi, der Menjich, dex
Philoſoph umd der Erzieher (19282), --- Kurt Riedel:
Peſtalozzi (1928). -- Arthur Stein: Peſtalozzi und die
kantiſche Philojophie (1927). -- Paul Wernle: Peſta-
lozzi und die Neligion (1927). =- Eric Jaenſch: Peſta-
lozzi, der Geiſt und das Erbe ſeines Wirkens im Lichte
der Gegenwartöaufgaben der Kultur, Philoſophie und
Pſychologie (1927). -- Wichtig ſind auc): Quaderni
Pestalozziani a eura di Giuseppe Lombardo-Ra-
diee, Publicationi per il centanario della morte di
G. KE. Pestalozzi, promosse da „L'educatione Nationale“
(1927). -- Dazu kommen zahlloſe Schriften und Aufſäße,
die anläßlich des Peſtalozzi-Jubiläums erſchienen ſind; ſie
jind z. T. von bedeutendem Wert, können aber nicht alle
angeführt werden. Delekat.
Pfarrſchulen. Ein gewiſſes Maß von Belehrung
ihrer Glieder hat die an nicht entbehren können (vgl. den Tauſbeſehl,
Matth. 28). Wie die Taufe aber urſprünglich nur
Erwachſenen galt, ſo auch die vorbereitende Be-
lehrung. Sie gehörte zu der Miſſion3praxis. Mit
dem Obſiegen der Kindertaufe wurde die nach-
ſolgende religivs8-ſittliche Unterweiſung ein Teil
Der Cltern und Tauſpaten verpflichtet. Der Prieſter
aber mußte diejes Werk unterſtüßen, wenn es
Crfolg haben jollte. Er hatte um der Erhaltung
kirchlichen Leben3 willen eine zweiſache Auſgabe
zu erfüllen: einmal galt es, allen Kindern eine
vlnleitung zur Beichte und Kommunion zu geben,
ihnen auch wohl das Glauben53bekenntnis und
Vaterunſer einzuprägen; dann aber brauchte der
Prieſter auch Gehilfen für den Gottesdienſt, die
über weitergehende Kenntniſſe verfügten. Die
zuerſt genannte Unterweijung geſchah nur münd-
lich; von wann ab und in welchem Umfang, da-
rüber fehlt es an hinreichenden geſchichtlichen Be-
legen. Wenn katholiſche Geſchichtſchreiber be-
richten, daß ſchon in der 2. Hälſte des 2. Jahr-
hunderts ein Preöbyter in Syrien eine Schule ge-
gründet habe, in der Leſen, Schreiben und Nſal-
menſingen gelehrt wurde, ſo ſcheint dieſe Grün-
dung nur dem beſonderen Zwe der Heran-
ziehung von gottesdienſtlichen Gehilfen gedient
zu haben. Als Beleg für allgemeine Verbreitung
dieſer Ginrichtung kann ein ſolcher vereinzelter
Nachweis natürlich nicht gelten. Nach den Be-
ſchlüſſen der zweiten Synode zu Vaiſon in Süd-
frankreich (529) beſtand um dieſe Zeit in „ganz
Jtalien' die Sitie, daß die Pfarrer emzelne begab-
te Knaben oder Jünglinge (iuniores lectores) in
Peſtalozzi = Pfarrjchulen
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ihr Haus aufnahmen und im Pſalmenſingen, den
„tirchlichen Leſungen" und im „Geſeze des Herrn"
unterwieſen. Sv ſollie es auch in Gallien ge-
halten werden. Die Weiſung des 6. ökumeniſchen
Konzils von 680/681, daß alle Vrieſter „in
Städten und Dörfern" Schulen errichten ſollten,
bejagt nichts über deren inhaltliche Aufgabe.
Klarer ſehen wir ſchon bei Karl dem Großen.
Seine Bildung3- und Schulerlaſje zielen einer-
jeits auf die Heranbildung eines tüchtigen Klerus,
andererſeits auf die Chriſtianiſierung pes Volkes
ab. Das Capitulare von 789, welches Schulen
bei den Klöſtern und Domſtiſten ſordert, in denen
Die Knaben die Pſalmen, Schriftzeichen, den
Kirchengeſang, ven Feſtkalender und die Gram-
matik erlernen ſollten, jorgte nur für die Heran-
bildung fünftiger Geiſtlicher. Wenn der Kaiſer
dagegen in wiederholten Erlaſjen (zwiſchen 801
und 813) den Prieſtern einſchärfte, ſie ſollten
allen, Mann und Weib, alt und jung, das Vater-
Unjer und das Glaubensbekenntnis beibringen,
jo erneuerte er damit die alte Forderung eines
Mindeſtmaßes allgemeiner Erſolg konnte ſie aber nur haben, wenn das m
ſchulmäßiger Form geſchah. Daher die Beſtim-
mung des Biſchofs Theodulf v. Orleans (vor 800),
datz die Geiſtlichen jeinerx Divzeſe „in Städten
und Döürſern" Schule halten und Kinder, die
leſen lernen wollten, ohne Entgelt aufnehmen
ſollten; daher die ähnliche Forderung der Main-
zer Synode von 813, die ven Eltern aufgab, ihre
Söhne in die Klbſter oder „draußen“ zu den
Pfarrern zu ſchien, damitſie doriden „Glauben“
und das Vaterunſer „richtig“ lernen und zu Hauſe
die andern das gleiche lehren könnten, wenn nicht
lateiniſch, jo doch wenigſtens in der Mutterſprache.
Aus der mehrfachen Wiederholung derartiger
Verordnungen ſchließt man mit Recht, daß Karl
und ſeine geiſtlichen Berater etwas für die da-
malige Zeit Unerſüllbares geſordert hatten. Und
allgemein wird zugeſtanden, daß nach des Kaiſers
Tode ver Gedanke der allgemeinen Volksunterweijung auf Jahrhunderte hinaus
ganz vernächläſſigt worden ſei. Erſt in derzweiten
Hälfte des Mittelalters wurde man ſich dieſer
Aufgabe erneut bewußt. Mit beſonderem Eiſex

nahmen die Bettelmönche dieſen Gedanken in ihr
' volkfserzieherijches Programm auſ (Berthold v.
| Regensburg). Erſt in dieſem Zeitraum hört man
| auch häuſiger von Pſarrjchulen reden, die dieſe
und weitergehende Auſgaben erfüllen. So heißt
es in der Dekretalienſammlung Gregors IX.
(1234), daß jeder PBſarrer einen elericus haben
jolle, der mit ihm „ſingen, die Epiſtel und leetio
lejen und Schule halten könne". (Es wird um die
Wende des 13. und 14. Jahrhunderts auch) von
Küſtern (campanarit) geſprochen, die „literati“,
D. 1). des Leſens kundig ſein ſollten.
So wenig Sicheres ſich über die Zahl und
Verbreitung dieſer Pfarrſchulen ſagen läßt, ſo

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