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endlich die Bewährteſten zur eigentlichen
Philojophie hingeleitet; aber erſt mit ſünſzig
Jahren ijt ihnen die höchſte Erkenntnis in der
Anſchauung der Jdee des Guten zu eröffnen.
Jene werden zu den Ämtern im Staate ver-
wandt, aber nur dieſen zur höchſten Stufe Ge-
langten iſt, wie die Reihe ſie trifft, die Leitung
des Staates anzuvertrauen.
Dem fügt die Schrift über die (GBeſebo grund-
jäßlich Neues kaum hinzu. Der Gedanke des
Maßes ſteht hier im Vordergrunde. Die Men-
ſchen zur Mäßigung, Beſonnenheit und dem
rechten Maß in allen Dingen zu erziehen, gilt
als die Hauptaufgabe. Äußerlich bleibt die
Grziehung, bejonders der kleineren Kinder, mehr
den Eltern überlaſſen.
Literatur. Aus8gaben und Überſeßungen. In
der Bibliotheca Teubneriana von C. Fr. Hermann-
Wohlrab, 6 Bde.; in der Bibliotheca Oxoniensis von
Burnet, 5 Bde. -- Überſetzung ſämtlicher Dialoge von
O. Apelt in Meiners Philoſophiſcher Vibliothef, 7 Bde.
(mit Regiſter). =- Überſezung ausgewählter Dialoge | 1
von Kaßner, Kiefer und Preiſendanz (Diederichs).
Allgemeine Werke. Ed. Zeller: Die Philojophie
der Griechen, 11. Teil, 1. Abt. (19228), mit einem An-
hang von Ernſt Hoffman n, Der gegenwärtige Stand
der Platonforſchung. -- U. v. Wilamowiß-Möllen-
dvrff: Platon, 2 Bde. (1919; wichtig beſonders für
Platons Leben). =- Konſt, Nitter: Platon (1, 1910;
11, 1923). -- PB. Natorp: Platons Jdeenlehre (1903,
vom Gtandpunkt de8 Marburger Neukantianismus;
1921?, mit einem Anhang, der Platon mehr im Zu-
ſammenhang mit dem Neuplatonismus zeigt).
Goede>emeyer: Platon (1922). = E. v. Aſter;
Platon (1925). -- Die Auffaſſung des Verfaſſers aus-
führlicher begrimdet in! M. Wundt: Geſchichte der
griechiſchen Cthif (1, 1908) und derſelbe: Platons
Leben und Werk (19242),
Ethik und Staatslehre. H. Meyer: Platon und
die ariſtoteliſche Cthif (1919). -- H. v. Arnim: Die
politiſchen Theorien des Altertums (1910). -- M.
PBohlenz: Staatsgedanke und Staatslehre der Griechen
(1923). -- H. Günther: Platon als Hüter des Lebens
(1928).
PBädagvogif. A. Kapp: Platons Erziehungslehre
als Pädagogik für die Einzelnen und als Staat8pädagogit
(1833). = Karl Benrath: Das pädagogiſche Syſtem
Platons in ſeinen Hauptzügen (1871, Diſſ.). = A
Mazarakis: Die platoniſche Pädagogitf, yſtematiſch
und fritijch dargeſtellt (1900, Diſſ.). = IJ. Stenzel:
Platon der Erzieher (1928). = P. L. Lands8berg:
Weſen und Bedeutung der Platoniſchen Akademie (1923).
Wundt.
Polat, Friedrich. 1. Sein Leben. P. wurde
am 24. Januar 1835 in Flarchheim, Kreis
Langenjalza, geboren und entſtammte einem
altanſäſſigen thüringiſchen Bauerngeſchlechte,
im dem ſchlichte evangeliſche Frömmigleit,
NRechtichaffenheit, Fleiß und Sparſamkeit Crb-
gut waren. Mit vier Brüdern und einem
frühverſtorbenen Schweſterchen verlebte ex

u?
eine glückliche Jugend; die ernſte Zucht des |
Vaters wurde durch die zarte Liebe der gemüt-
vollen, ſinnigen Mutter glücklich ergänzt. Auf
vringliches Zureden des trefflichen Ort3pfarrer3
ließ der Vater den begabten Sohn nach Abſchluß
der Dorfſchule die Präparandenanſtalt und das
Blaton -- Polad

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Lehrerjeminar in Erfurt beſuchen (Mich. 1849
bis 1855). Nach jehr gut bejtandener Abgangs-
prüfung übernahm P. Oltober 1855 die ein-
tlajjige Schule des eichsfeldiſchen Dörſleins
Schierſchwende, wo ex ſich verheiratete, und ging
Auguſt 1860 als „SKnabenlehrer, Küſter und Kan-
tor“ nach Kammerforſt in der Nähe ſeines Hei-
matortes. Die Empfehlung des ihm in väterlicher
Freundſchaſt zugetanen Negierungs- und Schul-
rats Bie> führte ihn zum 1. April 1869 an die
ſtädtijchen Mittelbürgerſchulen in Erfurt. Herbſt
1871 übernahm er nach abgelegter Rektorats-
prüfung die Leitung der Bürgerſchule für Kna-
ben und Mädchen in Nordhauſen, die er im Sin-
ne des Erlajjes vom 15. Oktober 1872 zu einer
Mittelſchule umgeſtaltete. Zum 1. April 1876
wurde ex als einer der erſten nicht akademiſch
gebildeten Kreisſchulinſpektoren in den neuge-
bildeten Schulauſſichtöfrei8s Worbis auf dem
Pole berufen, zunächſt kommiſſ., vom
. April 1877 endgültig. Vi3 zum Übertritt in
den Ruheſtand, 27 Jahre lang, betreute er dieſen
Kreis; die Befördorung zum Regierung3- und
Schulrat lehnte er mehrmals ab. -- Das neue
Amt ſtellte P. als den erſten Amtsträger vor eine
ſchwere Auſgabe. Wohl ſtanden ihm die Lehrer,
aus deren FRReihen ex hervorgegangen war, mit
Vertrauen gegenüber; der Landrat und die geiſt-
lichen Lokalſchulinſpeftoren aber verhielten ſich
zunächſt abwartend oder mißtrauiſch, da ſie von
dem neuen Amte eine Minderung ihres Einfluſje3
befürchteten, die katholiſchen um ſo mehr, als da-
mals die Wogen des „Kulturkampfes“ auf dem
überwiegend fatholiſchen Eichsfelde hoch gingen.
Die evangeliſchen Pfarrer kamen bald zu ver-
trauenövoller, freudiger Mitarbeit in Schule und
Konſerenzen, da ſie jahen, daß ihre Schulen bei
der neuen Einrichtung gut fuhren. Das Verhält-
nis zu den katholiſchen Geiſtlichen blieb im all-
gemeinen kühl. Cine gewiſjje Jmparität lag in-
joſern vor, als im Nachbarkreiſe Heiligenſtadt die
evangel iſchen Schulen nicht dem „Fatholijchen
Schulinſpektor unterſtellt waren. Jm übrigen
richtete ſich damals der in der Preſſe und in po-
litiſchen Kreiſen zäh geführte Kampf gegen die
hauptamtliche, fachmänniſche Schulaufſicht, im
beſondern gegen den evangeliſchenSchul inſpektor,
vem es gelang, die konfeſſionelle Spaltung wenig-
ſtens in der Schularbeit und im amtsbrüderlichen
Vertehr zu bejeitigen, „alle Lehrer zu einer
einigen, freudigen Arbeitsgemeinſchaft und zu
einer vorbildlichen erziehlichen Leben38gemein-
Ichaſt zu ſammeln". Das war der heftig befehdete
„bolac>ianiSmus auf dem Eichsfelde“. =- Am
1. Mai 1903 ſchied PB. aus dem Amte, das ihm
tiefſte Beſriedigung, treue Anhänglichkeit ſeiner
Lehrer, warme Anerkennung ſeiner Vorgeſetzten,
aber auch heftige Anfeindungen gebracht hatte.
Seine Nuheſtandszeit verlebte er in Treffurt a. d.
Werra und füllte ſie au3 mit reger Tätiakeit, auch

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