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Schulbücher zeichneten ſich aus durch vorſichtige
Stoffau8wahl, methodiſche Anordnung, üÜber-
ſichtliche Gliederung, knappe, anſchauliche Spra-
(Böhmen, Steiermark, Siebenbürgen, Südruß-
land) viel benußt. =- Für die Hand des Lehrers
war beſtimmt das Erläuterung3werk „Aus veut-
ſchen Lefebüchern -- Dichtungen in Voeſio und
Proſa“ (Bd. 1--3 mit Nud. und Wold. Dietlein,
Bd. 4 mit O. Fri). Dazu kam eine große Zahl
von Schriften, Artikeln und Vorträgen über päd-
agogiſche Zeit- und Streitſragen, ſo beſonders
„Kaiſerworte und Schulauſgaben, Allerlei Ver-
beſſerung3vorſchläge für die Sculerziehung"
(1891). 2) Von den Volks- und Jugend-
jhriſten find am bekannteſten geworden:
„Vater Peſtalozzi“ (1896), „Zweihundert Jahre
preußiſches Königtum“ (1900) und „Unſer
Schiller" (1905). Dieſe drei Schriften ſchenkte P.
der Rheiniſchen Peſtalozzi-Stiſtung bzw. der
Vereinigung der deutſchen Peſtalozzi-Vereine;
ſie brachten dieſen einen Reingewinn von über
100000 Mark. Weiter ſind zu nennen: „Märchen-
buch“, „Meines Vaters Märchen", „Aus meiner
Jugendzeit", „Meine Schülererlebniſſe“. 3)
Cine beſondere Stellung nehmen, als eine Art
Selbſtbiographie, die „Broſamen, Erinnerun-
gen aus dem Leben eines Schulmannes" ein,
von 1883 an zunächſt drei Bände, 19077; ihre
Fortjezung waren in gewiſſem Sinne die „Päd-
agogiſchen Broſamen", ein pävagogijches Mo-
natsöblatt, 1898-1905, aus dem P. dann den
vierten und fünften Band ſeiner „Broſamen“
(1908 und 1909) zuſammenſtellte. Die „Bro-
jamen" haben weit über Deutſchland hinaus Ver-
breitung geſunden; größere Teile oder einzelne
Abſchnitte wurden ins Franzöſiſche, Holländiſche
und Finniſche übertragen. Viele Lehrer haben
aus ihnen Begeiſterung für ihren Beruſ ge-
inneren Nöten brieflich an den Verfajjer ge-
wandt und Rat -und Troſt von ihm empfan-
gen. Die 3 erſten Bände werden als kultur-
geſchichtliche Zeugniſſe für deutſches Dorf-
leben, für Lehrerbildung und -leben im 19.
Jahrhundert ihre Bedeutung behalten. Gin-
zelne Abſchnitte ſind bereits in deutſche Leſebücher
auſgenommen. -- Wie iſt dieje Wirkung zu er-
tlären? Für die Lehrer waren die „Brojamen“
der „Jungbrunnen des Lehrerſtandes", der
„Ehrenſpiegel des deutſchen Lehrerſtandes", der
„Dolmetſch des deutſchen Lehrergemüts und
Lehrerſchifals". Aber auch jeden anderen Leſer
konnten die an der Bibel und Joh. Peter Hebel
gejchulte Erzählkunſt, die Wärme der Darſtellung,
die ideale Leben3- und Berufsauſſaſſung und die
dichteriſche Verklärung ſchlichter Erlebniſſe und
Perſonen feſſeln. Und die VP. perjönlich näher
traten =- ſeine Lehrer, die Beſucher ſeines gaſt-
freien Hauſes, ſeine Freunde (die Schulräte
Pola> -- Boſitivi8mus


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Bernh. Schreiber und Karl O. Beet, Schul-
direktor Moritz Kleinert, Direktor Dr. O. Frie,
Miniſteraldirektor Dr. Kügler, Schulrat Hans
Trunk in Graz, Proſ. Joj. Wichner in Krems a. dD.
Donau 1. a.)--, konnten bezeugen, daß jeinLeben
mit ſeinen Schriften in Einklang ſtand. Mit evan-
geliſcher Frömmigfeit, die ſich auf ſleißiges Bibel-
lejen gründete, verbanden ſich große Herzens-
güte, die ſich in Wort und Tat nie genug tun
fonnte, ein Optimi3mus, der ſtet3 das Beſte aus
dem Menſchen herauszuholen verſtand und ſich
auch dur) Enttäuſchungen nicht beirren ließ, Be-
ſcheidenheit, die ſich nie in den Vordergrund
drängte, ein fröhliches Gemüt und Sinn für Hu-
mor. Durch ſeine Perſüönlichfeit hat VW. den tief-
ſten Einfluß über ſeine nähere Umgebung hinaus
auf die veutſche Lehrerſchaft ausgeübt.
Literatur. P.38 Schriften, bef. die „Brojamen“,
und ungedruc>te8 Material aus dem Beſiße der Familie
Polak. P. Polat.
Politif und Erziehung |. Staat uſw.
Poſitiviomus. 1. Der Ansdru P. Als Be-
gründer des PR. gilt A. Comte. Er hat die Aus-
drückte „poſitiv“ und „P.“ -- in der franzöſiſchen
Philoſophie ſchon im Gebrauch -- zur Bezeich-
nung und Kennzeichnung einer ganz beſtimm-
ten philoſophiſchen Auffaſſung ausgeprägt.
Unter „PB. verſteht man daher bald mehr in
engerem Sinne die ſoziologiſch eingeſtellte Philo-
ſophie Comtes wie ſeiner allernächſten Schüler,
bald mehr in weiterem Sinne den auc ſonſt,
mehr oder weniger unabhängig von ihm, ge-
äußerten Metaphyſif-verneinenden Haupt-
gedanken Comte3, ſo daß man nicht nur 3. B.
| Laa8, Avenarius, Mach ausdrüclich zu den
| Poſitiviſten rechnet, ſondern auch ſchon die
; Philoſophie Humes und zum Teil Mills, ja
ſelbſt des Pythagoras" Lehre als P. bezeichnen
ſchöpft; mancher andere Lehrer hat ſich in | kann.
2. Entwiſlelnde Darſtellung dez PY. Der P.
lehnt jede Metaphyſik als widerſpruch8voll ab,
weil fie Erkenntnis von Tranſzendentem (Un-
erfennbarem) behauptet, und ſchränkt jo
die Crkenntni8 auf die Sinneserſahrung als
das allein „Poſitive“ (= Feſtſtehende, Tatſäch-
liche) ein. Durch dieſe, in der Ablehnung zweier
Welten beruhende Anerkennung nur einer
Welt iſt der P. ein philoſophiſcher MoniSmus. --
Die Cinſchränfkung der Erkenntnis auf die
Erfahrungswelt ermöglicht zwei, zwar grund-
ſäßlich wohl unterſcheidbare, tatſächlich aber
weniger bedeutſame Abſchattungen des P.
Die eine, mildere Form verneint zwar die
Erkennbarkeit einer metaphyſiſchen Welt, läßt
ſie aber als real gelten (realiſtiſcher P.); die
andere, ſtrengere Form verneint mit der Er-
fennbarfeit auch ihre Realität (idealiſtiſcher P.).
Je nach der zwiefach möglichen Faſſung
der vom VW. befämpften Metaphyſik ergeben

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