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ſich auch zwei verſchiedene, obſchon bei ſeinen
einzelnen Vertretern imeimander Übergehende
Nichtungen des P. Gilt nämlich einerſeits
Metaphyſik im vorwiegend ontologiſchen Sinne
mehr als eine Lehre vom Txranſzendenten-
Übernatürlichen, die von Urgrund, Urweſen,
Urzwecd der Welt handelt, ſo bemüht ſich der
P., dieſe Behauptungen über jenſeit8 der Ex-
fahrung = des Erfahren en Liegendes, hinter
den Crſahrungsobjekten (Naturwirklichkeit) Be-
ſindliches, als unberechtigt abzuweiſen und die
Crfenntnis allein auf die uns durch die Erfahrung
zugängliche Welt des Seienden (Natur) zu
richten. Znjofern jedoch anderſeits die Meta-
phyſit in vorwiegend erkenntnistheoretiſchem
Sinne mehr vom Tranſzendenten = Überſinn-
lichen handelt, um über das „Ding an ſich“ als
Hinterwelt der „Erſcheinungen“ AuSsſagen zu
machen, läßt der P. auch die vorerſt noch be-
ſtehende Annahme einer wirklichen Außen-
wolt fallen, indem er eine überſinnliche Welt
jenſeits der ſinnlichen Erfahrung = des Ex-
ſahren d en, jenſeits des Erfahrungsſubjekts (Ich-
wirklichkeit) leugnet, und führt unter ausſchließ-
licher Anerkennung des Bewußtſeienden
Wird aljo da die Erkenntnis-Erfahrung ab-
Poijitiviomus

1268
zum Pragmati8mus. Wenn nämlich nach Auſ-
jaſjung des P. die Wiſſenſchaft bei ihrex Be-
Ichränfung auf die wirklichen Empfindungen
als etwas Subjektives theoretiſch weder Speku-
lationen noch Urſachertlärungen bieten darf,
(da dieſe, nicht auf Empfindung begründbar,
metaphyjithaltig wären), ſondern ſich mit
bloßem Beſchreiben beſcheiven muß, ſchließlich
auch nicht einmal eine objektive, 9. all-
gemeingültige, jondern nur eine jubjektiv-
gültige Wahrheit gewonnen werden kann,
dann beſteht die Wiſſenſchaft nur in einer
bivlogiſchen Krafſterſparnis8 zum Zwecke der
Förderung des Individuums.
Der Grundfehler des P., der übrigens mit
Phänomenalizmus und Jmmanenzphiloſophie
viel gemeinjam hat, beſteht in der pſycholo-
gijtiſchen Grundlegung, durch die er, ſolge-
richtig durchgeführt, nicht nurx zum Relativis-
mus, jondern auch zum SolipſiSmus gelangen
muß.
3. Hauptrichtungen und ihre Vertreter. Auguſte
Comte, |. Dd.
Ernſt Laas (1837-- 1885) entwickelt den P. in
. ſcharfem Gegenſatz zu aller platoniſierenden Philoſophie ;
' am erfenntnistheoretiſchen Platoniänmus betämpft er
alles Crkennen auf ſinnliches Erfahren zurück. '
gegrenzt gegen tranſzendente = auß er weltliche :
Gegenſtände, jo hier gegen tranſzendente =
au ßen weltliche Gegenſtände.
Es war nur folgerichtig, wenn der P. in dieſer
zweiten erkenntnistheoretiſchen Ausprägung
nicht nur zunächſt den Körpern ihren Einheits-
jondern weiterhin ſogar auch die Seele als
Cinzelwejen leugnete. Denn im Sinne des
P. iſt als Empfindung ja nur ſolcherlei wie
Not oder Süß, nicht aber Einheit (Subſtanz)
gegeben. Gibt es demnach weder Körper
noch Seele als Einheiten von mannigfaltigen
Zuſtänden, ſo beſteht, inſolge der Aufhebung
diejes DualiSmus von Außenwelt und Jnnen-
welt, die eine Welt des R. nur in einer Mannig-
jaltigfeit von Empfindungen bzw. Empfin-
dungsfomplexen. Sind aber nur die wirk-
lichen Empfindungen das Poſitive, dann ent-
fällt auch der aus der metaphyſiſchen An-
nahme einer Doppelwelt entſtammende Unter-
ſchied zwiſchen Wirklich und Scheinbar: die
jog. jcheinbare Bewegung 3. B. iſt, ſofern nur
eben Bewegung wirklich empfunden wird,
der jog. wirklichen Bewegung nicht nur gleich-
wertig, jondern auch nicht einmal von ihr
unterſcheidbar. Mit dieſer Vollgültigerklärung
der jubjettiven Täuſchung ſeiten8 des P. er-
halt er einen ſtart ſubjektiviſtiſch-relativiſtiſchen
Cinſchlag. Aus dieſem Umſtand aber erhellt
einmal die theoretiſch-grundlegende Bedeu-
tung des P. für die Relativitätstheorie. So-
dann erklärt ſich aus ihm ſeine Wendung



1. das mathematiſierende ſcholaſtiſche Verfahren;
: 2. den Drang zum Abjoluten; 3. die Behauptung
' von
Aprivrijch-Nor:mativem; 4. die GSpontaneität
des Bewußtſein3; 5. das Streben nach Überſinnlichem ;
am ethiſchen Platoni8mus rügt er die asfetiſch=welt-
flüchtige, auf ein Jenſeits gerichtete Lebensauffaſſung.
Den ertenntnistheoretiſchen P. begründet er auf
3 Grundlehren: 1. dem „KorrelativiSmus von Subjekt
und Objekt“; 2. der „abſoluten Variabilität der Wahr-
nehmungsvobiette“; 3. der „ſenſualiſtiſchen Fundamental-
behauptung“; den ethiſchen P. entwickelt er als eine
allein auf das Diesſeitsleben gerichtete Lebensführung.
Eugen Dühring (1833--1921) anerſennt in ſeiner
„Wirtlichkeitöphiloſophie“ als „ſtreng wiſſenſchaftlicher
Weltanſchauung und Lebensgeſtaltung“, unter ent=
jchiedener Ablehnung namentlich des „metaphyſiſchen
Quarks“ Kants nur die „Wirklichkeit, wie ſie uns vorliegt“,
jv daß er in 3. T. naturaliſtiſch=materialiſtiſcher Cin-
ſtellung auch die Seele al38 beſonderes ECinzelweſen ver-
wirft; er zeigt, vom ſtarken Optimismus getragen, eine
durc) Zuſammenwirfen mannigfacher Kräfte bedingte
Entwicklung in der Natur auf und erſtrebt eine im Sinne
eines „jozietären Syſtems“ zu fordernde ſreie Ent-
faltung der Glieder der menſchlichen Geſellſchaft.
Richard Avenarius (1843---1896) erſtrebt mit
ſeinem als „Empiriofritizigmus“ bezeichneten, 3. T. mit
Hilfe beſonderer Buchſtabenzeichen darg«ſtellten VW.
eine von jeder metaphyſiſchen (zur Weltvervoppelung
in Außen-= und Innenwelt, Körper und Geiſt führenden)
„ntrojettion“ befreite, unter geringſtem Kraftaufwand
zu denfende Welt reiner Erfahrung, welche in ſich
Individuum und Umgebung als gleichwertig in gegen=-
ſeitiger Abhängigkeit enthält, derzufolge die „Ausſage=“
bzw. „Erfahrungsinhalte“ („E“) biologiſch abhängig ſind
von dem -- durch (ſchädigende) Umweltreize ( „N“) und
(fördernde) Nahrungszuführ („S“) bedingten, gleich=
wohl jelbſttätig auf deren etwaiges Mißverhältnis
reagierenden -- Nervenſyſtem („C“).
Joſef Petzoldt (geb. 1862) gab dem P. von Avena-
rius eine faßlichere Darſtellung und arbeitete beſonders
den im B. liegenden relativiſtiſchen Grundgedanken
ſtark heraus.
Ernſt Mac (1838-1914) führt erfenntnistheoretiſch
den PB. noch folgerichtiger durd) als Avenarius, indem
er nicht nur die Kauſalität --- weil nicht auf Empfindung

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