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durch die Cvangeliſche Schulvereinigung, Siß
Berlin, und die ausgeſprochen katholiſchen Pri-
vatſchulen durch die Biſchöfliche Zentrale für
Orvensſchulen, Sitz in Düſſeldorf, zuſammen-
geſaßt. Das katholiſche Privatſchulweſen, ge-
ſtüßt auf die Organiſation und auf zahlreiche
Schulorden, hat ſich ſeit dem Weltkrieg erheb-
lich vermehrt, gegliedert und ausgehant.
den evangelijch arbeitenven Privatſchulen ge-
hören als große Syſteme die Schulen und Er-
ziehungsanſtalten der Herrnhuter (Brüder-
gemeine), die Schulen der im Kaiſer8werther
Verband zujammengeſchloſſenen Diakoniſſen-
Mutterhäujer, die ſich auch mehrfach neuerdings
entſchloſjen haben, Brivatſchulen, welche ſich ſonſt
nicht mehr hätten halten laſſen, in ihren Schuß
und ihre Pflege zu nehmen, ja, auch neue private
Schulen dieſer Art zu gründen. Außerdem ge-
hören noch zu dieſen Schulen alle die im Dienſt
der evangeliſchen Kirche und Jnneren Miſſion
ſtehenden evangeliſchen Schuleinrichtungen zum
Unterricht der Fürſorgezöglinge, der Waiſen,
Kranken (Epileptiker), Blöden, Taubſtummen,
Verkrüppelten uſw.
6. Bedeutung. Die Geſchichte des Privatſchul-
wejens und ſein gegenwärtiger Umfang zeigen,
daß ihm doch eine beachtliche Bedeutung inner-
halb des deutſchen Unterrichtöweſens zukommt.
Wenn auch das üſſentliche Schulwejen heute
neuen pädagogiſchen Jdeen leichter und ſchneller
zugänglich iſt als früher, ſo werden doch wertvolle
neue pädagogiſche Leitgedanken unter privater |
Fnitiative in privaten Verſuchsſchulen zweck- |
mäßiger erprobt werden können als in öffent-
lichen Schulen. Weil da3 öffentliche Schulweſen
an verbindliche große Richtlinien verwaltungs-
mäßig gebunden iſt, können die privaten Schulen
der Eigenart ſolcher Jugend, die in der körper-
lichen, geiſtigen oder vom Durchſchnitt abweicht, am beſten die hierfür
geeigneten Wachstumöshilfen zuteil werden laſſen.
Darum iſt die Privatſchule inſonderheit die Stätte
der heilpädagogiſchen Maßnahmen. Soweit in
der Öſſentlichen Schule die unterrichtliche Arbeit
doch immer mit Geſinnungsbildung in einer be-
ſtimmten Richtung verbunden iſt, dient die Pri-
vatſchule den Minderheiten innerhalb eines Ge-
ſinnungs8ganzen. So hat neuerdings im däniſchen
und polniſchen Grenzgebiet die Minderheiten-
jehule ſür dänijhe und polniſche Kinder innerhalb
Deutſchlands erhöhte Bedeutung erhalten. Auch
die Pflege des Auslandsdeutſchtums durch deut-
jche Auslandsſchulen wird großenteils auf private
Jnitiative angewieſen bleiben. Cine hervor-
ragende Bedeutung aber hat die Privatſchule vor
allem für die Pflege der religiöſen, beſonders der
tkonſeſſionellen Belange in Erziehung und Unter-
richt. E3 muß die Frage offen bleiben, inwieweit
der religiös und kirchlich neutrale Staat überhaupt
Privatſchulweſen -- Produktionsſc
noch ReligionSunterricht in ſeinem Auftrag er-
PBädaqaogiſches Lexikon, I1I14.
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teilen laſſen und ausreichend beaufſichtigen kann.
Von dem Ausgang der Kämpfe um die konſeſſio-
nelle Volksſchule im Deutſchen Neiche wird es
abhängen, welche Bedeuiung in konſfeſſioneller
Beziehung künftig der privaten konſeſſionellen
Volksſchule zugeſprochen werden muß. Aber
auch im mittleren und höheren Schulweſen, das
in ven meiſten deutſchen Staaten paritätiſch und
nicht fonſeſſionell geſtaltet iſt, iſt es für die Zu-
kunſt der Kirche und des CvangelinmSs von größter
Bedeutung, ob die evangelijche Bevölkerung in
Deutſchland dem katholiſchen Bevölkerungzsteil
mit ſeinen Schulorden und ſeinem ſtets wachſen-
den tatholiſchen Privatſchulweſen ein ſorgfältig
organijiertes und lebensträſtiges evangeliſches
Privatſchulwejen entgegenſtellen kann. Bewußt
evangeliſche Privatſchulen, in denen das Evange-
lium durch die Arbeit bewußt evangeliſcher Lehr-
fräſte das geſamte Schul- und Erziehungsweſen
durc jein, von denen aus der evangeliſchen Kirche durch
die Grziehung der deutſchen Jugend zum evange-
liſchen Glauben und zur dienſtwilligen Anteil-
nahme am Leben der Kirche neue Kräfte zu-
ſtrömen.
Literatur. „Freie Bildung und Erziehung“,
Zeitſchrift de3 Neich8verbandes deutſcher freier (privater)
Unterricht3= und Erziehungsanſtalten. = „Die Privat-
handelsſchule“, Zeitſchrift ve8 Verbandes deutſcher
Privathandelsſchulen. = „Schule und Evangelium“,
herausgegeben von den der Evangeliſchen Schulvereini-
gung angeſchloſſenen Verbänden. = „Die katholiſche
Privatſchule“, herausgegeben von der Zentralſtelle
der fatholiſchen Schulorganiſation Deutſchlands. --
Der erſte katholiſche Privatſchulkongreß in
Würzburg vom 27.,--29. Dezember 1926. -- Der
„Führer durch das private Unterricht8- und
Erziehung3weſen Deutſchland8“, heraus8gegeben
vom Neich3verband . deutſcher freier (privater) Unmnter-
richt8- und Erziehungsanſtalten. --- „Die Privat-
I culfrage“, eine pädagogiſch-kritiſche Studie nebſt
ſtatiſtiſchem Anhange von A, Häd er (1927).-- „Privats=-
I cjule und Privatunterricht“, Sammlung der Be
timmungen, von Hubrich (Heft 53 der Weidmann-
ſchen Taſchenausgaben). Hafa.

Produttionsſchule. 1. Das Weſen der Pro-
duftionsſchule. 2. Die ſoziologiſchen
Grundlagen der Produktionsſchule. 3.
Möglichkeit und Wirklichkeit der Pro-
duftionöjc 1. Das Weſen der Produktionsſchule. Faſt
noch peinlicher al8 den Gegenſaß zwiſchen Reich-
tum und Armut empfand man in den ſtrebſame-
ren Kreiſen der proletariſchen Welt ſeit jeher die
Kluſt zwiſchen Gebildeten und Ungebildeten.
So wird die Leidenſchaftlichkeit verſtändlich,
mit der in der Revolution von 1918 die Vorrechte
der Gebildeten befämpft wurden: Einheitsſchule,
Auſſtieg der Begabten, freie Bahn für alle
Tüchtigen, Beſeitigung der Schranke zwiſchen
afademijcher und außerakademiſcher Vorbildung
wurden erſtrebt, die Vorherrſchaft der Kopfarbei-
ter als unerträgliche Anmaßung bezeichnet. Es
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