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Freundſchaft, Bande, Schulklaſſe; in der päd-
agogiſchen Ziellehre ſpielen der Jdealbegriff der
Gemeinſchaft, dex Rechtsanſpruch der beſtehen-
den Gemeinſchaften an das werdende JIndivi-
duum eine erhebliche Rolle.
Die Pſ. der Weltanſchauungen iſt durch
bedeutende Arbeiten von K. Groos, K. Ja-
jpers und W. Dilthey gefördert worden.
Die mediziniſche Pf. dor Gegenwart knüpft
teils an Erfahrungen an, die während und nach
dem Kriege an Kopfſchußverlezten gewonnen
wurden, teils an neurologiſche Feſtſtellungen,
teils auch an die Ergebniſſe konſtitutionstypolo-
gijeger Unterjuchungen. Auf die Aufgabe, die
verſchiedenen pſychiatriſchen Schulen und pſycho-
pathologiſchen Syſteme darzuſtellen, muß hier
Verzicht geleiſtet werden; es ſei vielmehr auf die
zahlreichen heilpädagogiſchen Artikel dieſes Lexi-
kons verwieſen, in denen die für die Pädagogik
wichtigſten Tatbeſtände ausführlich behandelt
worden ſind.
Mit der mediziniſchen Pſychologie ſtehen in
einem engeren Zuſammenhang die pſychoana-
lytiſc franthaft veränderten Seelenleben8 ausgehen
und in Medizinern ihre angeſehenſten Vertreter
und Vorkämpfer haben. Man unterſcheidet drei
Hauptrichtungen: die Pſychoanalyſe S.
Freuds, die JIndividualpſychologie A.
Adlers und die analytiſche Pſychologie, die
namentlich in der Schweiz (durch Jung und
Bleuler) vertreten wird. Bzgl. des genaueren
znhaltes dieſer Lehren und ihrer pädagogiſchen
Bedeutung ſei auf den Art. „Pſychoanalyſe“ ver-
wiejen; hier muß nur zur Vermeidung mißver-
ſtändlicher Auffaſſungen hervorgehoben werden,
daß die JIndividualpſychologie Adler3 von der-
jenigen Richtung der pſychologiſchen Forſchung,
die man im Gegenſaß zur allgemeinen Pſycho-
logie als die individuelle zu bezeichnen pflegt,
ihrer ganzen Art und Tendenz nach unter-
ſchieden werden muß.
Literatur. Zeitſchrift für angewandte Pſy-
und OÖ. Lipmann. -- Zeitſchrift für pädagogiſche
Pſychologie, herausgegeben von W. Stern, A. Fi-
ſ ſc und Medizin, herausgegeben von R. W. Schulte. -- |
H. Münſterberg: Pſychotechnik, herau8gegeben von
H. Henning (1920*?). -- F. Gieſe: Handbuch pſycho-
techniſcher Eignungsprüfungen (19252). =- Derſelbe:
Methoden der Wirtſchaftspſychologie (1927). = W.
Stern (u. Mitarbeiter): Hamburger Schriften zur
Begabungsforſchung (Beihefte der Zeitſchrift für angew.
Pſychologie). =W. Stern und O. Lipmann: Schriften
zur Pſychologie der Beruſseignung und des Wirtſchafts8-
lebens. --- R. Müller-Freienfel38: Pſychologie der
Kunſt, 3 Bd. (19243). --- G. Kafka (u. Mitarbeiter):
Handbuch der vgl. Pſychol. 3 Bde. (1922); dort auch
Literaturnachweiſe zur Pſychologie der Kunſt, Sprache,
Geſellſchaft, des Recht8, der Religion uſf. =-R. Müllexr-
Freienfel38: Perſönlichkeit und Weltanſchauung (1919).
-=- K. Grovo3: Der Aufbau der Syſteme (1923). -- K.
Jasper3: Pſychologie der Weltanſchauungen (19252).
Pſychologie -- Pſyc
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-=- W. Jaenſch: Zur Phyſiologie und Klinik der pſy-
meine und ſpezielle Pathologie der Perſon (1929). --
EC. Kretſchmer: Mediziniſche Pſychologie (19262), --
K. Ja3spers8: Allgemeine Pſychopathologie (19233). --
G. Störring: Vorleſungen über Pſychopathologie
(1900). Froh.
Piychologismus und Logizismus, 1. Grenz-
jtreit zwiſchen Pſychologie und Logik.
2. Grundgedanfen des Pſychologi38mus.
3. Antipſyc 4. Zur Schlichtung des Streites. 5. Über
PſychologiSmus und Logizismus der
Pädagogik.
1. Grenzſtreit zwiſchen Pſychologie und Logik,
Menſchliches Erkennen iſt zwei entgegengeſekten
Betrachtungsweiſen zugänglich: man fragt ent-
weder nach jeinen Beziehungen zur realen Wirk-
lichfeit, nach den mit Erfahrungstatſachen ge-
gebenen Entſtehungsgründen, oder nach
jeinem Verhältnis zur idealen Wahrheit, nach
den von der Erkenntniöentwicklung unabhängigen
Rechtsgründen. Es herrſcht dort eine poſiti-
viſtiſche Einſtellung, die ſich mit den vorgefun-
denen Sachverhalten begnügt, ohne nach ihrem
raum- und zeit-überlegenen Sinn zu forſchen,
hier eine kritiziſtiſche Grundhaltung, die die um-
gefehrte Abſicht verfolgt. Demgemäß wird denn
auch die Bedeutung von Pſychologie und
Logik für die Lehre vom Crkennen ver-
ſchieden beurteilt: wo vornehmlich die Ent-
jtehungsgründe des Wiſſens unterſucht werden
jollen, wird die Pſychologie beſonders gewertet;
wo man ſich dagegen namentlich den Rechts-
gründen des Wiſſens zuwendet, wird die Logik
vorgezogen. Da aber die Grundlagen der
jubjektiv-wirklichen Entwieklung und der objektiv-
wahren Fnhaltlichkeit der Erkenntnis nicht immer
jauber voneinander geſchieden werden, gehen
auch die beiderſeitigen Anſprüche von Pſycho-
logie und Logik über deren eigentliche Befugniſſe
nicht jelten hinaus, ſo daß dann ein Grenz-
jtreit beider Wiſſenj Er hat in der Erkenntnislehre ſeit Kant einen
breiten Raum eingenommen und einen der-
artigen Einfluß gewonnen, daß ſogar Haupt-
richtungen der Philoſophie nach dem Vor-
herrſchen pfychologijchen oder logiſchen Denkens
ſich ſondern laſſen; man denke etwa an die
Gegenüberſtellung von Lebensphiloſophie und
Tranſzendentalphiloſophie. Die einſeitige
Bevorzugung der Pſychologie auſ
Koſten der Logik führt zum „Pſycho-
logiSmus"“", die der Logik unter Ver-
nachläſſigung der Pſychologie zum
„Zogizismus". Wenn beide Wijſenſchaften
innerhalb der Erfenntnislehre eine Allein-
herrſchaft anſtreben, dann nimmt die Pſycho-
logie nicht nur die Logik in ſich auf, „pſycho-
logiſiert“ ſie, ſondern ſie ſtellt ſich auch al8 Grund-

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