123 Krämpfe -- Kranken-
ziehung von ganz furzer Dauer. Gerade die
Anſeimanderſolge kurzer Zuckungen macht das
Weſen des Klonus aus; aber die Dauer der
Zudungsſerien kann verſchieden ſein.
Erkrankungen mit Krämpfen ſind: a) Die
Cpilepjie (j. d.). bp) Die Hyſterie (ſ. d.). e) Eine
große Anzahl Gehirnerkrankungen (ſ. d.). d) Bei
Kindern beſteht eine eigentümliche Konſtitutions-
anomalie, die ſich in der Spasmophilie, in
den Kinderkrämpfen äußert; gewöhnlich wird
fie als tetianovider Zuſtand bezeichnet.
„Unter jpasmophiler Diatheſe der Säuglinge
verſtehen wir eine Konſtitutionsanomalie, die
durch eine meßbare (mechaniſche und elektriſche)
Übererregbarkeit des Nervenſyſtems erkennbar iſt,
und welche eine pathologiſche Dispoſition für
gewiſſe partielle und allgemeine, Uoniſche und
tonijche Krämpfe ſchafft." „Bei den epileptiſchen
Kindern fehlt dieje Erregbarkeit8veränderung."
(Cramex.)
Unter die jpasmophile Diatheſe gehören die
Tetanie, der Laryngoſpa3mu3s8 und die
Spasmophilie im engeren Sinne: die
Eklampjie.
Dieje der Epilepſie ähnlichen Kinderkrämpfe,
etlamptijche Anfälle, ſinden von ſeiten der ver-
ſchiedenen Autoren noch keine gleichmäßige Auf-
ſaſſung und Darſtellung. Einexſeit8 beruhen ſie
wohl jicher auf einer beſonderen (krankhaſten)
Anlage, Dispoſition; andererſeit3 kommen ſie
auch ohne jolche Anlage während des Zahnens
vder bei Vorhandenfein von Darmwürmern,
weiter auch bei Verſtopſung und Vergiftung vom
Darme aus vor. Sicher iſt, daß ſie auch bei
Kin dern vorkommen, die beſtimmt nicht
epileptijch ſind (f. auch Art. „Cklampſie“).
Unter Laryngojpasmus verſteht man den
Stimmrißenkrampf (das „Wegbleiben“) beim
Wutſchreien der Kinder.
Unter Tetanie verſteht man eine beſondere
orn der Spasmophilie, bei ver „zeitweiſe auf-
tretende, oſt ſtundenlang anhaltende und mehr-
ſach des Tages auftretende eigentümliche Ste!-
lungen der Hände und Füße ſich zeigen. Es be-
ſteht eim toniſcher Streckrampf".
Die Auffaſjung aller dieſer Krankheiten, ihre
Cinteilung und Zuteilung iſt vielfach noch ſehr
jubjektiv. Sie ſind aber bei der Beurteilung
der in ver Pubertät oder auch bei Verlezungen
und akuten Krankheiten auſtretenden Erziehungs-
Ichwierigkeiten (Charakterveränderungen) nicht
zu unterſchäßen.
Literaiur. Handb, d. Nervenkrankheiten im Kinde3-
alter von Bruns, Cramer, Ziehen (1912).
v. Düring.
Kranken- 1. Säugling5pflege (Unterricht i.d.).
1. Amtlirhe Beſtimmugen. In Preußen ſollen
nach den Richtlinien für die vier oberen Jahr-
gänge der Volksſchule (M.-E. v. 15. X. 22
Ü 11 A 2060) in Mädchenſchulen, wo es an-

und Säuglingspflege 124
gängig erjchemt, im Zuſammenhang mit der
WMenſchenfunde (Naturkunde) auch wichtige
Fragen der Kranfen- und Säuglingspflege zur
Behandlung kommen. Die Unterweiſung in der
Säuglingspilege kann auch in einem beſonderen
Lehrgange erſolgen. Der hauswirtſchaftliche
Unterricht lehrt und übt die Zubereitung von
Säuglings- und Kleinkindernahrung. Durch
M.-. v. 14. VII. 17 U.111 B6894 iſt ein Lehrplan
jür die Unterweiſung in der Säuglingspflege
jür Mittel- und Volksſchulen bekannt gegeben
(Cwers S. 761) und verſuchöweiſe für den Re-
gierungsbezirf Minden genehmigt worden.
Nach den Beſtimmungen über die Mittel-
jchulen (M.-E. v. 1. YI. 25 U 111 D2000) wird
in der erſten Klaſſe („hausmütterliche Klaſſe“)
im Rahmen der Geſundheit3lehre die Pflege des
Säuglings und Kleinkindes (Ernährung, Körper-
pflege, Kleidung, Aufenthalt3sraum, Spiel und
Spielſachen) und bez. der Krankenpflege Ent-
jtehen und Verhüten von Krankheiten, das Kran-
ienzimmer, Krankenbeobachtung und -pflege,
Ausführung ärztlicher Anordnungen, Schuß
vor Anſteckung, erſte Hilfe gelehrt, und zwar
jollen dieſe Gebiete im lezten Jahresdrittel noch-
mals im Zuſammenhang dargeſtellt werden.
Als Lehrmittel ſind erwünſcht: Buppe mit Kin-
derwäſche, Korb mit Einrichtung, eine Flaſche,
Wandtaſeln.
„zu den Lyzeen iſt in der U 11 auch „der wer-
dende Menjch, ſeine Pflege und Wartung“ zu
bejprechen (Weidmannſche Taſchenau8gaben
Heft 42, S. 368). Die Frauenſchulklaſſen ver-
wenden lt. M.-&. v. 18. VIIL 08 und v. 31. X1U.
17 (Weidmann H. 42, S. 9) in 2 Jahren je
4 Stunden wöchentlich auf die Unterweiſung in
GejundheitsSlehre und Kinderpflege. Jn den
vier Wochenſtunden ſind praktiſche Übungen in
Säuglings- und Kleinkinderpflege ſowie ein-
ſjachſte Übungen zur Krankenpflege in der Fa-
milie eingeſchloſſen mit Beſchäftigung in Krippe
und Kinderhort: Baden der Kleinen, Kochen der
Kinderſpeiſen, Beaufſichtigung bei Arbeit und
Spiel, Anleitung der Kinder zu häuslicher Tätig-
feit -- alles zunächſt hoſpitierend, dann helfend,
allmählich als ſelbſtändige Auſgabe. Ebenſo iſt
die Teilnahme an Samariterkurſen in den vier
Stunden eingerechnet. Die theoretiſche Be-
lehrung joll höchſtens zwei Wochenſtunden in
Anſpruch nehmen. Die Verteilung kann auch ſo
erfolgen, daß zeitweilig nur praktiſche Beſchäfti-
gung eintritt uud zu anderer Zeit die theore-
tiſche Beſchäftigung mit verſtärkter Stundenzahl
nachgeholt wird. Gegenſtände der Belehrung
jind neben der Geſundheitslehre: Schonung und
Pflege des ndlichen Körper3; die wichtigſten
Krankheiten, vornehmlich) des Kindes, ihre Vor-
boten und ihr Berlauſ; Vorkenntniſſe für die
häu3liche Krankenpflege; erſte Hilfe bei plöß-
lichen Unglücsfällen, Organiſation der Kranken-

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.