1389
gui quisque ingenii naturam docendus sit).
Er geht auch generell mit Langmut auſ das
jugendliche Wejen ein, beſonders auf den Über-
ſchwang, den er langweiliger Sterilität vorzieht
(1, 4, 4 ff.), duldet in diejem Fall wohl auch die
zugendliche Widerſetzlichkeit: qui vero paulo
Sunt vivaciores, in his praegeriim moribus (man
beachte die3: ſchon damals !), etiam wwasemmtur
admonitioni et taciti repugnant (11, 6, 3).
Doch ſcheut er das ſpäter meiſt unfruchtbare
Praccox genus. Und im ganzen iſt ſeine Unter-
richt3weije ſtraff und bei aller Humanität ohne
Weichlichkeit. (1, 1, 15 ff. u. oft; 1, 12, 8 mit dem
Quintilian -- Rangordnung

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1390
potest (1, 3, 8 ff.). Auch nüßt der Sport un-
mittelbar ſür den Rednerberuf durch gute Aus-
formung der Körperhaltung und anderer phy-
ſiſcher Erforderniſſe (3, 11, 15 ff.). Er iſt aber
nicht Selbſtzwe>; Qu. will nichts mit denen zu
tun haben, qui corporum cura mentem obruunt.
Doh ſcheut er ſich nicht (anders als unſere in
Ddiejfem Punttie ſchwächliche Schule) den ago-
niſtiſchen Geiſt des Sports als Ehrgeiz auch
in den Unterricht hineimzunehmen (1, 1, 22 ff.),
ja auch noch in die Lebensbetätigung des Ned-
ners hinein (XIl, 1, 8). Überhaupt iſt ſeine
Schule bei aller Liebenswürdigfeit, bei dem oſt
optimiſtiſchen Vertrauen gerade auf die ganz betonten Eingehen auf das, was den Knaben
Jugendlichen: mnlla aetas minus fatigatur). (Es | und Jünglingen Freude macht, doch eine Schule,
wird bei ihm viel auswendig gelernt, geübt und
ſchriftlich gearbeitet. Hierbei werden die be-
ſtändig an die Schülerproduktivität appellieren-
den arbeitöunterrichtlichen Lehrmethoden be-
günſtigt durch die gejamte Eigenart des Lehr-
gangs als ſolchen (Fragenſtellen der Schüler
1, 2, 6). Eigenes imdieium (1, 5, 13) und Selb-
ſtändigfeit (11, 6, 6) wird immer erſtrebt. An-
dererſeits vor Übertreibungen behütet wiederum
der Stoff und der ihm angemeſſene Lehrbetrieb
ſelbſt, der ſoviel mit Muſtern und autoritären
Regeln arbeitet und ſoviel Wert auf ein ſozu-
ſagen in handwerklicher Tradition geſchultes f
Können legt, weshalb einer der wichtigſten Be-
grifſe dieſer Didaktit die Übung iſt, für Qu. als
„Gewöhnung“ felbſt im ſittlichen Gebiete das
entſcheidende Moment. Körperpflege, Spiel
und Sport kommen zu ihrem Recht: ſie ſollen
die dicendi voluntas auffrijchen, quae cog1 non

bei der es auf dieſes Gern-Wollen der Jugend
nicht in erſter Linie ankommt, ſondern auf das
Sollen; eine Schule, die ihre Direktive nicht
„vom Kinde her“ nimmt, auch nicht das jugend-
liche Weſen als ui iuris und gleichberechtigte
Daſeinsform betrachtet, fondern als das un-
fertige Erwachſenentum, und die mithin im
Gegenteil alles „vom Manne her" anſieht. Die
Römer ſagten zwar 1udus für Schule; aber es iſt
ganz quintilianiſch, daß er, wo einmal die Rede
auf die ſogenannten Etymologien a contrario
fommt (Iucus a non lucendo), als Beijpiel an-
ührt: Iudus, quia git longissime a lusu
(1, 6, 34). Schließlich bedarf es kaum noch der
Erwähnung: vom LyriSmus einer jogenannten
„ErlebniSpädagogit" findet man bei Qu. keine
Spur; es herrſcht überall die elarte latime, eine
helle, ſcharfe, männliche Jntellektualität.
Immijch.
R
Rachitis |. Krankheiten des Schulalters.
Rangordnung. Während ein Erlaß des preußi-
ſchen Kultusminiſters kurz vor dem Weltkrieg
noh den einzelnen Lehrerkollegien die Entſchei-
dung über die Einrichtung einer Nangordnung
überließ, weil über ihren Wert unter namhaften
Schulmännern Meinungsveriſchiedenheiten be-
ſtänden, hat dasſelbe Miniſterium durch Erlaß
vom 1. März 1927 in dieſer ſekundären Frage
eine Vereinheitlichung herbeiführen zu müſſen
geglaubt und die Schulrangordnung ganz all-
gemein auſgehoben. Die Meinungen darüber
waren aber immer noch) ſehr geteilt, wie ſich
aus der Beurteilung dieſer Maßregel ergab.
(E53 laſjen ſich in der Tat jowohl dafür wie da-
wider gewichtige Gründe anführen, zunächſt
vom Standpunkt de38 Schülers, der wohl
zu allererſt Berückſichtigung verdient.

und Anerkennung das Streben in ungeſunder
Weiſe beeinſluſſen, das unmittelbare Intereſſe
am Stoſf und an der Bildungsarbeit verringern
und die Bildungsgeſinnung beeinträchtigen.
(83 iſt ein durchaus wünſchen8wertes Ziel, daß
das Intereſſe am Stoff, die Freude an der Arbeit,
vie Crfenntnis des geiſtigen Wachstums wir-
fungsfräftige Motive für die Bildungsarbeit
abgeben. Aber wir müſſen bedenken, daß aud)
in der Erziehung das Erſtrebenswerte nicht am
Anfang, ſondern am Ende liegt. Um die Kinder
zum freigewollten Tun des Guten zu führen,
verſchmähen wir doch auch nicht die Mittel der
Gewöhnung und des Beiſpiels oder den Nach-
ahmungöstrieb, obwohl ein darauf gegründetes
Tun noch nicht die ſittliche Leiſtung iſt, zu der
wir die Kinder befähigen wollen. Jſt nicht de1
Chrtrieb em natürlicher und darum gerecht-
fertigter Anſporn zum Vorwärtsſtreben, zun
Sicherlich kann die Auſicht auf äußere Vor- | Förderung der eigenen Perſönlichkeit? Wenr
teile, auf Auszeichnungen, gute Zenſuren, Lob | ich den Ehrtrieb nicht will, weil ich den Chrgei;

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