K (Fortjezung).
Klaſſeneinteilung der Säiyulen. 1. Begriff und
Veveutung. Die Klaſſeneinteilung beruht auſ
dem Grundſaße des Klaſſenſyſtems8. Man verſteht
unter Klaſſe die Vereinigung einex Gruppe von
Schülern ungeſähr gleichen Alters und gleicher
Vorbildung, die nach einem für alle verbind-
lichen Lehrplane in allen Fächern gemeinſam
unterrichtet werden. Der Gegenſaß hierzu iſt
das Fachſyſtem. JInihm ſteht jedes einzelne Fach
für ſich, und die Zuſammenſeßung der Schüler-
gruppen wird geregelt nach den gleich hohen
Leiſtungen der einzelnen in dieſem Fache. So
kann es vorfommen, daß ein Schüler je nach
jeiner Begabung und Leiſtung in den neueren
Sprachen der oberſten, im Deutſchen der mitt-
leren, in Mathematik der unterſten Stuſe ange-
hört. Der intellektuelle Vorteil dieſer Cinrich-
tung liegt auf der Hand. Jeder genießt in jedem
Fache genau die Unterweiſung, die jeiner Auſf-
nahmeſfähigfeit entſpricht, und da alle Glieder
der Gruppe ſich in derſelben Lage beſinden, wirkt
feiner als Hemmung ſür den andern gegen einen
gleichmäßigen, mit der Befähigung ſich völlig
Ddefenden Fortſchritt. So iſt es kein Wunder,
daß dieſes Syſtem ſtets eifrige Fürſprecher ge-
funden hat und da auch praftiſch durchgeführt
worden iſt, wo das Bildungsweſen noch locker
auſgebaut iſt und die Bedingungen zu geſchloſje-
nen Schuleinheiten nicht vorhanden ſind, oder
wo umgekehrt die Einheit der Bildungs- und
Crziehungsgemeinſchaft durch die Geſchloſſenheit
ver ganzen Lebensform an ſich ſchon genügend
gewahrt iſt. So wurde das Fachſyſtem bei dein
höheren Schulen Deutſchlands bis zum 18. Jahr-
hundert nach dem Vorgange der Jeſuitenkollegien
und der Franckeſchen Stiſtungen in Halle a. S.
bevorzugt, und im Schulweſen England3 und
Nordamerikas wird es bis zum heutigen Tage
in weitem Umfange angewandt; auch ſür deut-
jche Anslandsſchulen mit ihrer nationalgemich-
ten Schülerſchaft iſt es zum Teil wohl angebracht.
Ju Deutſchland ſelbſt findet man es nur noch
in privaten Schulheimen, in denen innerhalb
ihres engen Rahmens und bei der verhältnis-
mäßig geringen Schülerzahl die Überſichtlichfeit
und Cinheitlichfeit des Ganzen nicht verloren
geht. Im Öffentlichen Schulweſen Deutſchlands
hat das Fachſyſtem überall dem Klajſenjyſtem
Platz gemacht; denn ſeinem einen Vorzuge ſtehen
anderjeit3 große Nachteile gegenüber. Je mehr
die ſteigende Bevölkerungs8zahl und das höhere
Kulturbedürfnis einen gleichmäßig geregelten
Nädagoqgiſches Lexikon, TI.

Ausbau des Schulweſens, zumal die Schaffung
großer einheitlicher Schultypen verlangte, und
je größer die Schülerzahl der einzelnen Schulen
wurde, um ſo mehr ſtiegen die Schwierigleiten
in der orgamjatoriſchen Durchſührung des Fach-
ſyſtems8, jc tiſchen Unmöglichfeit. Dazu kam, daß mit der
genauen und Überall gleichſbrmigen Regelung
der Schulpflicht und dem ſyſtematiſchen Aufbau
der Schulen das Bedürfnis für das Fachſyſtem
immer geringer wurde. Jm gleichen Alter
treten jekt die Kinder in die Schule ein und durch
laufen, von Jahr zu Jahr um eine Stuſe vor-
rückend, die Klaſſen, deren jede emen der jede3-
maligen Altersſtufe genau angepaßten Lehrplan
bejitzt. Diejenigen, die der Klajſjſenaufgabe nicht
gewachſen find, ſcheiden durch Nichtverjehung
für die nächſthöhere aus. So iſt dafür geſorgt,
daß in jeder Klaſje in großen und ganzen die
gleiche Alteröſtuſe und die gleiche Leiſtungs-
fähigfeit fich vereinen und ſomit im gleich-
laufenden Fortſchritt die allermeiſten auf ihre
Jiechnung fommen. Wenn aber ein Schüler
durch hervorragendes Können den Klaſſendurch-
jc neuerlichen Erlaß des preußiſchen Unterrichts-
miniſteriums in der Lage, durch emen Bejchluß
des Lehrerkollegiums eine Klaſſe zu überſpringen.
Damit iſt auch der lezte Reſt von Gefahr beſeitigt,
daßz ein Schüler durch eine gewiſje Starrheit des
Klatjjenjyſtems in der jeiner Anlage gemäßen
geiſtigen Entwieklung aufgehalten werden könnte.
Un jo mehr aber muß an diejem Syſtem ſeſt-
gehalten werden, zumal mit ihm auch große päd-
agogiſche Vorteile verbunden ſind. Crſt die ge-
ſchloſſene Einheit der Flajſe ſchafft die Leben3-
gemeinſchaft der Schüler untereinander und
zwiſchen den Lehrern und Schülern, aus der
die bedeutſamſten geiſtigen, gemütlichen und
fittlichen Werte entſpringen: die Grundlage
für echten Arbeitsunterricht, die Kameradſchaft
und Freundſchaft, die Selbſtverwaltung eines
kleinen Cigenreiches und damit das ſoziale Ge-
meinſchafts8gefühl, furz die Vertiefung des
Schullebens zu eimer wirklichen Schickfal38-
verbundenheit. Zweifellos iſt alſo das Klaſjen-
ſyſtem nicht bloß eine Notwendigfeit für das
heutige öffentliche Schulweſen, jondern auch
ein Segen.
2. Die beſtehenden Klaſſeneinteilungen. Die
Volksſchule, die 8 Jahrgänge umfaßt, zeigt je
nach der Größe und wirtſchaftlichen Lage der
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