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dringende Beſchreibung der religiöſen Vorgänge | Denken anſtößigen Wunderberichten und Dog-
und ihre Zurückführung auſ einfache Typen, | men eine wertvolle Seite abzugewinnen, indem
Geſebe und Grundmotive heraus. Unter dem | ſie ſie als Ausdruck gültiger chriſtlicher Motive
Ginfluß der Strufkturpſychologie wurde die | erkennen lehrt. Die R. bildet ſo einen unent-
früher maßgebende Pſychologie der pſychiſchen | behrlichen Beſtandteil aller Theologie. -- An
Clemente, Gefühl, Vorſtellung, Wille, verlaſſen | heute allgemeim anerkannten Merkmalen lajjen
und die Religion als einheitlicher jeeliſcher | jich mehrere auſſtellen. Statt als Ergebnis
Komplex exſaßt. Man lernte den ſeeliſchen Auſ- | rationaler, alfo intelleitueller Kräſte wird die
bau des religiöſen Erlebniſſes von der religivbſen | Religion 'als ein mehr irrationaler ſeeliſcher
Grunderfahrung an bis zu der Vorſtellungs- | Komplex aufgefaßt, der, anſtatt mit allgemeinen
bildung erfennen (Wobbermin); man ſah in der | pſychiſchen Kräſten und Vorgängen, als etwas
im Sinn der Strufturpſychologie geſtalteten R. | Spezifiſches erkannt wird; man verzichtet auf
ein Zwijchenglied zwiſchen der hiſtoriſchen und | jede Erklärung zugunſten 'des Verſtehens, alſo
der ſyſtematiſchen Theologie, nämlich eine | auf jede naturwiſſenſchaſtliche Methode ZU-
Phänomenologie der Religion, die fie zwar nicht | gunſten einer iin Jede erkenntnis-
ertlären ſoll, wie es die alte philoſophiſche R. kritiſche Bearbeitung, jei ſie nun poſitiv oder
verſucht hatte, die ſie vielmehr verſtehen helfen | negativ, tritt zugunſten einfacher Feſtſtellung
fan. ' und Sinndeutung zurüd, um für jene das
Schon frühzeitig tauchten Programme Es Material zu beſchaffen, das nach ganz anderen
um die ganze Theologie religionspſychologif c zu durchdringen, jo von R. Wielandt und ; arbeitet, indem ſie die Methode der Selbſtbeob-
W. Koepp. Die Kirchengeſchichte und die Aus- | achtung mit der der Fremdbeobachtung ver-
legung der Bibel jollten auf die Religion in der | bindet; ſie bevorzugt die normale Frömmigteit
Religion achten, die Dogmatik ſollte die Fröm- vor der pathologiſchen und jeder anderen Art
migleit darſtellen und vor allem die Prattijſche | von außerordentlichen Fällen. Endlich bearbeitet
Theologie in allen ihren Teilen R. zugrunde ' ſie ſowohl die Religion gleichſam an ſich, als
legen. Wurde ſo die ganze Theologie pſycho- | ſeeliſche3 Gebilde, wie auch ihre Erſcheimnungs-
logiſiert, jo fonnte der Rüdſchlag nicht aus- | weiſe in den verſchiedenen LebenSsaltern, Stän-
bleiben ; die neueſte, die jogenannte dialektiſche | den, Temperamenten uſw., woſür der Name
Theologie, beſtreitet von ihrem Grundſaß aus, | „Religiöſe Volkskunde" in Gebrauch gekommen
daß die Oſſenbarung im Chriſtentum einen iſt. Gin wichtiger Zweig von dieſer iſt die Kunde
Gegenjaß zu aller Religion bilde, das Necht der | der Religioſität des Kinde3alters und der Puber-
R. in den jyſtematiſchen Jächern und von dem | tät, weilhiervon der Religion3unterricht mannig-
Saß aus, Gott allein wirke den Glauben, auch fach abhängig iſt.
ihr Recht in der Theorie der Rraxis. 3. Bedeutung. Die Bedeutung der R. für die
2. Beſtimmung. Das Ergebnis der geſchicht- | Neligion3pädagogif werde an mehreren
lichen Betrachtung läßt ſich nun zu einer näheren | Vertretern einer religion3pſychologiſchen Neli-
Beſtimmung der R. zujammenſajjen. Es beruht | gionsSpädagogik erläutert. Der erſte, der aus-
in ihrem Verhältnis zu den andern Fächern und | geſprochen religionspſychologiſch gearbeitet hat,
in einer Reihe von Merkmalen. Die N. ſteht | warNichard Kabijh in ſeinem Epoche machen-
zwiſchen der allgemeinen Pſychologie und den | den Buche. Er verwendet die R. in der eben
normativen Diſziplinen der Theologie. Zwar | angegebenen zwieſachen Weiſe. Zuerſt unter-
iſt ſie ein Teil von jener, aber die bejondere Art | ſucht ex das Weſen der Religion. Er beant-
der Religion erfordert eine beſondere Einſtellung | wortet die Frage hiernach mit Mitteln der
und bejondere Methoden der Forſchung. Mehr | Pſychologie von W. Wundt, die er mit grund-
al8 die frühere Pſychologie der jeeliſchen Ele- | legenden Erkenntniſſen von W. < James verbindet.
nente wird ihr die neuere der Struktur und der | Religion iſt die unmittelbare Pirklichkeit eines
Sinnzujſammenhänge gerecht. Sie hat es nicht | über ſich jelbſt hinausgeſteigerten Lebens und
mit der Geltung der Jeligion al3 Wahrheit zu | beruht auſ dem Eintreten eines neuen, aus der
tun, aber ſie lieſert der Religionsphilojophie das | nicht erkennbaren Welt durch das Unterbewußt-
Material und hilft der Dogmatik auf das Weſent- | ſein in das Bewußtſein einſtrümenden Lebens-
liche, alſo auf den Glauben als Quellort der | triebes. Pſychologiſch gefaßt iſt ſie der Auſ-
dogmatiſchen Vorſtellungen achten. Jhr eigent- ſchwung des Geſühles durch den Zuſtand einer
liches Gebiet iſt zunächſt die Geſchichte, jowohl | luſtvollen Anregung und Spannung, jo daß jich
die der Religionen wie auch die des Chriſtentums | das Geſühl in Wille und Tat umſeßt und zugleich
jelbſt. An jener hat ſie ihr Anſchauungsmaterial | Vorſtellungen anregt. -- zn den Kindern iſt eine
un
Der religiöſen Seele bohrenden Arbeit; auch an Erfahrungsreligion, die aus ihren wirklichen
diejer ſtellt ſie die beſonderen chriſtlichen Motive | Eindrücken, etwa im Gewitter oder im Gewiſſen,
heraus. So gelingt es ihr 3. B., allen modernem , erwächſt, und eine Phantaſiereligion, die ſich aus



































































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