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liſtiſchen Standpunkt durch die Jdee der Beruſs-
treue und Ausbildung zum Dienſt des Nächſten
und für den Heiland ſozialpädagogiſch ergänzt.
Jude3: das übliche zwangsweije Beibringen der
Religion iſt eine ſchändliche Methode. Die
herrichenden Unterrichtöwveijen, die vozierende
wie die katechetiſche, wo man die Dinge in die
Kinder hineinſragt, jind abzulehnen. Jm Lernen
Des Katechiömus muß zu allermindeſt Freiheit
gewahrt bleiben, damit nicht ein Handwerk aus
der Seelenſache wird. „Lieder ſind die beſte
Methode, Gotte38wahrheiten in3 Herz zu bringen
und darinnen zu konſervieren.“ Das Kind muß
jelbſt fragen und dadurch) ſein Bedürfnis nach
weiterer Erkenntnis zeigen. In der Gemeine
lexnen die Kinde die Religion bejjer durch den
Geiſt der Gemeine und die Einwirkungen ihres
Leben3 als durch Studium.
c) Die Erzieher. Über die Auſgabe der
Berufserzieher (Lehrer) ſic) zu äußern, gibt die
Z.ſche Einſtellung kaum Gelegenheit. Die Eltern
warnt er in treffenden Bemerkungen vor nahe-
liegenden Erziehungsſehlern. Zwijchen ihnen
und den Kindern beſtehe ein Werhältnis un-
reflektierten Vertrauen3; bei den Heran-
gewachſenen ſoll an die Stelle der Leitung das
Verhältnis gegenſeitiger Ehrerbietung treten.
Wie hoch 3. das Jdeal eines Kindererziehers rückt,
Davon zeugt die Beſtellung beſonderer Beamten.
(der ſog. „Kindereltern“) für die Seelſorge an
den Eltern betr. rechte Kindererziehung und für
die Seelenpflege der Kinder. Sie ſollen mit
genial einſühlendem Verſtändnis der Kindes-
jeele die Gabe verbinden, durch ihre innig
liebende PRerſönlichfeit das Bild des Heilands
in die Familien- und in die Anſtalt3erziehung
hineinzutragen und unwiderſtehlich und un-
auslöſchlich in die Kinderherzen einzudrücken;
„man kann eher einen Biſchof als einen
Kindervater kriegen“. Was die Entſcheidung
über da8 Familien- oder Anſtaltöprinzip be=-
triſſt, jo kennzeichnet das Schwanken 3.3 die
auch jonſt unausgeglichen durch ſeine Theorie
und mehr noch durch die Braxishindurchgehenden
Spannungöslinien: eine aus dem Pietismus
ſtrömende, durch ſeine lebhafte Vorſtellungskraft
von der Möglichkeit der Fehlentwiklungen ge-
nährte nervöſe Ängſtlichkeit drängt dazu, die
„Zewahrung“ (in dieſem Falle durch Kinder-
anſtalten) in den Vordergrund zu rücken --
dieſe Strenge der Behütung geſährdet die Ent=-
jaltung ſelbſtändiger Charaktere. Der aus
Luthers geſeßeöſreier Frömmigkeit geborene
Sinn für das Natürliche und Ungezwungene
dagegen ſchränkt zunehmend dieſe Art der Er-
ziehung zugunſten der natürlichen Erziehungs-
weije in der Familie ein -- das Cvangelium
macht ven Menſchen feſt und ſrei.
3. Würdigung. Als pädagogiſcher Neſormator
großen Stils iſt 3. nicht hervorgetreten. Er
Zinzendorſ =- Ziviliſation und Grziehung

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wollte es nicht, denn ihm lag mit bewußter Be-
Ichränkung an der Durchſührung jeiner Jdeen in
dem brüderiſchen Kreis der Gemeine; die
Kindererziehung gilt ihm al3 ein Ausſchnitt aus
der Gemeindeerziehung. Und ex konnte es nicht,
denn die brüderiſche Pädagogik iſt grundſäßlich
nicht methodiſch, ſondern individuell, der Aus-
fluß eines einheitlichen Lebens8gefühls. Nicht
einmal in der Gemeine ſelbſt wurden die
Schriſten ves Stiſters kanoniſiert oder ſeine Ge-
danten lehrhajt übertragen; wie ſtark dagegen
jene Gefühlskette die Herinhuter Erziehungs-
arbeit beſtimmt und entwictelt hat, iſt in dem
Art. „Brüdergemeine“ (Band 1, 744 ff.) nachzu-
lejen. Troßdem iſt Z.8 Pädagogik reich an neuen
und weiterſjührenden Gedanken (fj. Abſchn. 2),
und auch an einem feſten Plaß in der päd-
agogijchen Ideengeſchichte ſehlt es für ihn nicht:
mit jeiner driſtozentriſchen Frömmigkeit, die
aus der Entde>ung des evangeliſchen Glaubens
als freudigen Bertrauens ſich und ihr Erziehungs-
denten ſpeiſt, ſteht der Befreier gend in der Mitte zwiſchen der trüben Leben3-
ſtimmung und ernſten Sittenzucht des PietioSmus
uno der Forderung Nouſſeaus nach ungehemmter
Natürlichkeit. Im Sinne Rouſſeaus tritt Z. ein
für natürliche Entwicklung, aber auf der Linie
&Luther-Frande kennt er nur eine in Chriſto ge-
heiligte Menſchwerdung. Jm Umgang mit
Chriſtus ſoll ein neuer Menſchentyp werden, der
demütig und treu in der kleinen Gemeinſchaft
jein Geiſteöerbe pflegt und überliefert und der
dennoch unerſchrocken und opferſreudig in die
Welt hinauszieht, um durch Überwinderkraft
und erneuernde Wirkung Erziehungsarbeit zu
leiſten, die nun dody) weltumfaſſende Bedeutung
gewinnt. 3.3 Pädagogik gipfelt in der Welt-
miſſion.
Literatur. Schrautenbach: Der Graf Z. u. die
Brüdergemeine ſeiner Zeit (Bruderviſches Manuſkript
von 1782, durch Druc veröffentlicht 1851). -- Utten=
dyrfer: Z. 1. die Jugend (1923). --- Derſelbe: 3.'3
Weltbetrachtung (ov. J.; 19292). Cberhard,
Zivilijation und Erziehung. Die Unterſcheidung
von Kultur und Zivilijation, die den weſteuro-
päiſchen Völkern, die mit dem Worte „Qcivili-
Sation“ DdaSjelbe meinen, was wir unter Kultur
einſchließlich der Ziviliſation verſtehen, unbe-
kannt iſt, hat ihren Urjprung in der Zeit der
deutſchen Klaſſik und Romantik. Während ein
Noujjeau in Frankreich die ganze Kultur ein-
jc der Menj junge Herder in ſeiner Schrift „Auch eine
Philojophie der Geſchichte zur Bildung der
Menjchheit" einen Unterſchied zwiſchen dem
allein durch den Verſtand, ſeine Erfindungen
und die Technik erreichten Fortſchritt und der
dadurch nicht nur geſörderten, ſondern zugleich
auch geſchädigten Kultur der Seele und des

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