Crefnoins 0 ms BWB
Stoffes, die ſprachlihe Gewandtheit der Darſtellung, die orthographiſche und kalligraphiſche
Seite neben einander in Betracht ziehen kann. Die Hauptkunſt des Lehrers wird aber immer
die bleiben, das Borkommen von Fehlern in den Arbeiten der Schüler möglichſt zu ver-
hindern , und er wird dies vermögen , wenn er bei der Wahl der Themen ſich ſtet8 nach
dem Können ſeiner Schüler fragt, wenn er die gewählten Themen einer ſorgfältigen münd-
lichen Borbereitung unterzieht und wenn er die peinlichſte Sorgfalt in der Correctur , die
größte, ſich immer gleich bleibende Strenge bezüglich der von den Schülern ſelbſt vorzu-
nehmenden Fehlerverbeſſerung oder der von ihnen zu liefernden Abſchrift des Corrigirten
von allem Anfange an walten läßt.
Cretini8mus unterſcheidet ſich vom Blöd-, Schwach- und Stumpfſinn dadurch, daß er
endemiſc< auftritt und zwar als eine Entartung unter den Alpenbewohnern.
Er kennzeichnet ſich durch einen krankhaften Zuſtand und durch Verkümmerung des Körpers,
durch allgemeine Muskelſchwäche, disproportionirten Kopf, di>en Hals (Kropf), geſchwollene
„Zunge, verbildete Sprachwerkzeuge und ſtupiden Geſichtzausdru> des damit Behafteten. =-
Am Häufigſten tritt er auf in den ſchweizeriſchen Cantonen Teſſin, Waadt, Bern, Luzern,
Freiburg, Genf und Wallis, jedoch auch in Württemberg, Baden, Tyrol, Salzburg, Steyer-
mark, in den böhmiſchen Gebirgen, an den Karpathen und in den Thälern Siebenbürgen3.
Wohin überhaupt Naturforſcher und Aerzte gekommen ſind = in den Pyrenäen, am Ural,
in den Anden und Cordilleren, in den Himalaja-Thälern und der da hat ſich ihren Bliden dieſer entartete Zuſtand der Menſchennatur dargeſtellt. =- Man
iſt nicht berechtigt, den CretiniSmus als ein Phänomen der Natur oder als einen eigenen
Rajſſenzuſtand zu bezeichnen ; gründliche Forſchungen haben vielmehr ergeben, daß er eine
Krankheit iſt, deren Erzeugen ungünſtige Verhältniſſe des Bodens , der Luft, der Be-
ſonnung, des Trinkwaſſer8, wohl auch erbliche Momente ſind. =- Lange Zeit iſt dieſe traurige
Abnormität von der Wiſſenſchaft unbeachtet geblieben ; erſt in der zweiten Hälfte des vorigen
Fährhundert8 wurde durch Profeſſor Troxler u. A. das Intereſſe der Aerzte und Pädagogen
darauf hingelenkt. Cin junger Arzt in der Schweiz, Dr. Guggenböhl, gründete im Jahre
1841 eine Cretinenheilanſtalt -- die erſte ihrer Art = auf vem Abendberge bei In-
terlafen. Bald ſammelten ſich um ihn theilnehmende Menſchenfreunde, um durch Wort und
That den CretiniSmus zu bekämpfen. Sein Ruf ging durch ganz Europa; doch erbleichte
er auch ebenſo jc jhaft zu Bern unwiderleglich nachgewieſen wurde, daß Guggenböhl geſunde Kinder für
geheilte Cretinen aus8gab, die Kranken in unverantwortlicher Weiſe vernachläſſigte und nur
auf Ruhm und Geldgewinn ſpeculirte. Dieſer Mann, der ſeine Pfleglinge hungern, frieren
und im Schmuße verkommen ließ, ſoll bei ſeinem im Jahre 1 863 erfolgten Tode 600,0009 Francs
hinterlaſſen haben ! Deſſen ungeachtet bleibt ihm das Verdienſt, eine energiſche Anregung zu
möglichſter Abhülfe gegeben und dadurch die Begründung ähnlicher Heilanſtalten veranlaßt
zu haben. Von Wichtigkeit für die Heilung der Cretinen ſind die Beobachtungen, daß Dörfer,
welche im Thale etwa8 erhöht liegen, von dem Uebel nicht ſo ſtark heimgeſucht ſind, als
die in tiefen und ſumpfigen Thälern gelegenen; daß ferner die Grenze von 3000 Fuß über
dem Meeresſpiegel von der Krankheit nicht überſchritten und daß lehtere durch Verſekung
der Cretinen in eine Gebirgsluſt am Sicherſten gehoben wird. =- Der pſychiſche Zuſtand
einzelner Cretinen weicht bi8weilen von der Norm kaum merklich ab, während bei anderen
die geiſtige Schwäche in allen Graden vorkommt und bi8 zum vollendeten Blödſinn ſich
ſteigert. Für die pädagogiſche Einwirkung gelten daher, je nachdem der geiſtige Schwäche-
zuſtand des Kranken ein niedriger, mittler oder hoher iſt, dieſelben Grundſäße, wie ſie in
den Artikeln über Stumpf=-, Schwach- und Blödſinn dargelegt ſind.
Curſus. Darunter verſteht man einen Lehrgang in einer Wiſſenſchaft, Sprache, Kunſt 2c.
Derjelbe kann ein=, mehr =, halbjährig 2e. ſein. Dies richtet ſich theils nach dem Lehr-
gegenſtande, theils nach dem Umfange, in dem man denſelben betreibt, theil3 nach der größeren
oder geringeren Befähigung und Ausbildung de8 Schülers , theils nach der täglichen oder
wöchentlichen Stundenzahl, die man auf den Gegenſtand verwendet, theils auch nach dem
Grade der Tüchtigkeit des betreffenden Lehrer8. Daß auch der Fleiß des Schülers, mit
dem er die Bemühungen des Lehrer38 weſentlich unterſtüßt, eine wichtige Nolle ſpielt, wird
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